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Samstag, 10. 06. 2006
  Keiner braucht PHARE-Gelder
Sind Bürgermeister zu bequem zum Projekteschreiben?


wk.Reschitza. - Kreisratspräses Sorin Frunzãverde hat zu Beginn der Woche die Bürgermeister seiner 78 Gemeinden und Städte zusammengetrommelt, um sie daran zu erinnern, dass sie nur noch bis zum 10.Juli Zeit haben, um Projekte einzureichen für das neue Phare-CBS Programm, das den drei an Serbien grenzenden Verwaltungskreisen Temesch, Karasch-Severin und Mehedinti zur Verfügung steht.

Das neue grenzüberschreitende Entwicklungs- und Förderprogramm, das allein für die drei rumänischen Verwaltungskreise in den kommenden Jahren 17 Millionen Euro vorsieht, kann nach gegenwärtigem Stand der Projektevaluation nicht erschöpfend genutzt werden, weil zu wenig Projekte vorliegen. Der Kreisrat Karasch-Severin hat zwar die meisten Projekte ausgearbeitet - vier - aber es sei noch viel Platz für weitere Projekte, einschließlich kleinere Projekte einzelner Gemeinden. Frunzãverde nannte unter anderen Renovierungsarbeiten an Kulturheimen, die mit diesen Mitteln bestritten werden können.

Seit 2004, als die gegenwärtige PNL-PD-Administration aufgrund der Kommunalwahlen an die Macht kam, hat der Kreisrat rund 100 Millionen Euro Projekthilfen aus europäischen Töpfen an Land gezogen, doch sei dies nur ein Teil des Möglichen. Unter Umständen, wo von der Regierung in Bukarest nahezu nichts zu erwarten sei an Geldern und so lange dort weiter nach dem Gießkannenprinzip gearbeitet wird - wobei der Wind meist nach Süden oder Osten weht - müssen sich die westrumänischen Kommunen selber um Projekte und deren Finanzierungsmöglichkeiten kümmern. Dazu stehe ihnen der einschlägige Beratungsdienst des Kreisrats zur Verfügung. Aber die Projektvorschläge müssen schon aus den Kommunen kommen, niemand werde auf sie zugehen und ihnen Projektvorschläge machen oder gar in ihrem Namen Projekte ausarbeiten. Man solle sich ruhig Spanien als Beispiel nehmen, ein ursprünglich armes Land, das sich mit EU-Geldern kräftig aufgeholfen hat. Nur: die Initiative dazu kam nicht von außen und/oder anderen.

Zudem dürfe man nicht vergessen, dass auch "die bereits immer spärlicher fließenden Regierungsgelder künftig ausschließlich aufgrund von Projektanträgen kommen dürfen, so dass in Zukunft das Ausarbeiten und das Management von Projekten die Hauptbeschäftigung engagierter Bürgermeister sein wird", hämmerte Frunz²verde aufs Eindringlichste seinen Bürgermeistern ein.



Deutsche in Mittel- und Osteuropa
Drittes Seminar über deutsche Minderheiten im MOE der Gegenwart


wk. Mediasch/Reschitza. - Zwischen dem 11.-16. Juli findet in Mediasch das dritte Seminar zum Thema "Identität der deutschen Minderheit in MOE. Gegenwart und Zukunft" statt. Das Seminar wird vom Stuttgarter Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) gefördert und vereint insgesamt 25 Teilnehmer zwischen 20 und 27 Jahren aus Serbien (Vojvodina), Ungarn, Tschechien, Polen und Rumänien.

Mit dem Seminar wird beabsichtigt, die Teilnehmer zu motivieren und bewusst zu machen bezüglich einer aktiven Auseinandersetzung mit ihrer Herkunft und Identität. 16 Jahre nach der politischen Wende in Osteuropa und im unmittelbaren zeitlichen Umfeld der Osterweiterung der EU sollen den Jugendlichen die Möglichkeit und Denkimpulse geboten werden, über ihre Identität als deutschsprachige Minderheit in Mittel- und Osteuropa zu reflektieren, darüber untereinander zu diskutieren und Versuche zu ihrer Neudefinierung zu unternehmen. Im Zentrum der Diskussionen sollen Möglichkeiten des Erhalts und der Pflege der deutschen Sprache und Kultur in diesem europäischen Raum stehen.

In Mediasch wird es eine Zukunftswerkstatt geben mit mehreren workshops zur Lage der deutschen Minderheit in den einzelnen Teilnehmerländern, zur Rolle einer klar definierten und angeeigneten Identität für die Zukunft der deutschen Minderheiten. Es sollen auch Projekte und Netzwerke im Bereich Jugend- und Kulturarbeit vorgestellt sowie über Möglichkeiten des Praktikums unterrichtet werden.

Zum Rahmenprogramm gehört ein Ausflug in die Kulturhauptstadt Europas 2007, nach Hermannstadt, ein literarischer Länderabend, ein Abend mit rumänischen Filmen.
Interessenten zwischen 20-27 Jahren, Angehörige der deutschen Minderheit aus Serbien/Vojvodina, Ungarn, Polen, Tschechien und Rumänien können formlose Bewerbungen mit kurzen Begründungen (500-700 Zeichen) an die ifa-Kulturassistentin des Reschitzaer DFBB, Andrea-Judith Krempels (ajkrempels@yahoo.de) schicken, wo sie Name, Vorname, Geschlecht und Staatsangehörigkeit, Geburtsdatum und -ort, Adresse und Wohnort sowie e-mail und Telefonnummer angeben. Reisekosten werden übernommen, eine Teilnahmegebühr von 20 Euro wird gefordert. Die Bewerbungsfrist läuft am 16. Juni 2006 ab. Zusätzliche Auskünfte kann man über die oben angegebene E-mail-Adresse oder über 0748-981063 (Andrea-Judith Krempels) bzw. über den Reschitzaer ifa-Twin Alexandra Damsea (damsea_alexandra@yahoo.de, 0746-226894) erhalten.


Internationaler Anziehungspunkt TIFF
Begeisterte Volontäre beim Filmfestival / Von Laura Cãpãtânã


Klausenburg - "Die Brötchen sind da, die Brötchen sind da!", freut man sich im Foyer des Kinos "Republica" in Klausenburg/ Cluj-Napoca. Rund 20 junge Leute in roten T-Shirts warten schon seit Stunden auf ihr Essen. Sonia, Volontärin beim Transilvania International Film Festival (TIFF) verteilt aus einer Kartonschachtel die knusprigen Semmeln.

Die 21-jährige Sonia Adina Crisan ist eigens zum TIFF aus Köln, ihrer Adoptivstadt, nach Siebenbürgen gekommen. Zwei Wochen wohnt die gebürtige Klausenburgerin in ihrer Heimatstadt und hilft jeden Tag beim Filmfestival mit. In Schichten von je vier Stunden ist sie täglich dabei. Schon seit März hat sie sich als Volontärin beworben, da sie unbedingt dabei sein wollte, erzählt sie. Nicht nur wegen der freien Eintritte, sondern vor allem wegen der Leute sei sie da. Im Vorjahr war sie das erste Mal als Freiwillige beim TIFF. Heuer darf sie im "Guest"-Team mitarbeiten, das sich um die Gäste kümmert. Hier hat sie die Möglichkeit, hiesige und internationale Berühmtheiten zu treffen. Bislang waren es Nae Caranfil, Mihaela Rãdulescu und Mona Muscã, denen sie über den Weg gelaufen ist. Beim Festival mitzumachen, sei besonders anziehend für sie, denn als Wirtschaftsstudentin in Köln habe sie wenig Zugang zum Film. Hingegen finde sie immer wieder Zeit, in Theatergruppen mitzuwirken. Theater zu machen, das ist ihr großer Traum.

"Jeden Tag nach dem TIFF gehe ich nach Hause, dusche und zisch dann zu den Partys ab. Keinen einzigen Abend habe ich verpasst", lächelt die Studentin. Hier kommt sie mit über hundert Freiwilligen aus Klausenburg, Temeswar/Timisoara, Arad, Konstanza/ Constanta, aber auch aus Korea oder Spanien zusammen. Tagsüber sind diese in mehrere Gruppen aufgeteilt und arbeiten in den Kinos "Arta", "Republica" und "Victoria" sowie im Hof des Kunstmuseums.

Sonia fliegt nach dem Festival gleich wieder nach Köln, wo sie als Bedienung in einem Lokal, "Schokolademuseum", erwartet wird. Bis dahin hofft sie, ganz viele Filme sehen zu können und alle Abende durchzuhalten.



Taxifahrer sind unzufrieden

rs. Kronstadt - Rund hundert Kronstädter Taxifahrer trafen Donnerstag am Parkplatz vor dem Roman-Lkw-Werk zu einem Protestmeeting zusammen. Dort war ein Treffen mit Attila Radnoti, Leiter der technischen Dienststelle beim Bürgermeisteramt, vorgesehen, das aber nicht mehr stattfand, da der Vertreter der Stadtverwaltung nicht erschien. Die Taxifahrer, sowohl Angestellte von Taxifirmen , als auch selbständige, wollten ursprünglich durch einen Protestmarsch, der vor dem Bürgermeisteramt enden sollte, ihre Unzufriedenheit bekunden. Da dieser Marsch nicht bewilligt wurde, (er hätte praktisch den Verkehr im Stadtzentrum für Stunden blockiert), stellten die Taxifahrer ihre Forderungen bei dieser Versammlung vor.

Sie verlangen zusätzliche Taxistände, eine genauere Überprüfung der Zulassungen sowie Sondertarife für Nachtfahrten und Fahrten außerhalb des Stadtgebietes. Unzufrieden sind die Mitarbeiter der Taxifirmen auch mit der Summe, die sie täglich mit ihren Arbeitgebern abrechnen müssen, so dass sie, ihrer Meinung nach, nicht gemäß dem Arbeitsgesetz entlohnt werden. Überstunden, obwohl in diesem Beruf gesetzwidrig, gehören inzwischen vielerorts zur Selbstverständlichkeit. "Nieder mit der Taxi-Mafia" war immer wieder zu hören. Die Unzufriedenheit richtet sich auch gegen die Lokalpolitiker, die ihren Versprechungen bezüglich Taxiverkehr nicht nachgekommen sind. Bei den nächsten Wahlen würden diese aber erneut darauf bestehen, dass möglichst viele Taxis zur mobilen Parteiwerbefläche umfunktioniert werden.

Der Protest erreichte aber nicht unbedingt die erwünschte Wirkung: während ihre Kollegen für bessere Arbeitsverhältnisse und weniger Schwarzarbeit kämpften, folgten andere Taxifahrer dem üblichen Berufsalltag, so dass am Donnerstag kein Mangel an Taxis bemerkt wurde.