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Dienstag, 05. 07. 2005
 
 

Umweltschutz kostet 30 Milliarden Euro
Endlich Kläranlage für Bukarest? / KfW-Finanzierung für Suceava und Deva

Bukarest (ADZ) - Umweltschutz war in Rumänien längste Zeit kein Thema. Das hat sich jetzt geändert. In den nächsten 14 Jahren muss Rumänien rund 29,3 Mrd. Euro in Umweltschutzmaßnahmen investieren, damit das Land die mit der EU vereinbarten Standards erreicht. Die Finanzierung erfolgt hauptsächlich aus europäischen Fonds und zu 20% aus Staats- und Kommunalbudgets. Auf die Wirtschaftsträger selber entfällt mit 7 Mrd. Euro etwa ein Viertel (26,6%) der umweltbedingten Beitrittskosten. Allein die europäische IPPC-Direktive (Integrated Polution Prevention and Control) betrifft 536 Gesellschaften aus den Bereichen Chemie, Erdölverarbeitung, Energie, Hüttenwesen, Papier und Tierzucht, die für die Modernisierung ihrer Anlagen 2,7 Mrd. Euro aufbringen müssen. Den EU-Beitrittsvertrag hat Rumänien im April 2005 unterzeichnet. Das Kapitel Umwelt gehört zu den sensiblen Punkten, die eine Aktivierung der Schutzklausel und damit eine Verschiebung des für Anfang 2007 vorgesehenen Beitrittstermins um ein Jahr bewirken könnte. Der Warnbrief, den die Europäische Kommission Rumänien Anfang Juni bezüglich Reformdefizite übermittelte, betraf 7 Bereiche, darunter auch Umwelt. Für das Kapitel 22 Umwelt hat Rumänien Übergangsfristen bis maximal 2018 ausgehandelt. Bei Abfall-Management und Recycling wurde eine Übergangsfrist von 5 Jahren (bis 2011) für das Einsammeln von mindestens 50% des Plastik-Mülls und einem Recycling-Grad von 15% vereinbart. Bei Glas-Müll muß Rumänien Ende 2013 60% einsammeln und 55% recyclen. Bei Verbrennungsanlagen von Medical-Müll in Krankenhäusern hat sich Rumänien verpflichtet, 52 Anlagen bis Ende 2007 und weitere 58 bis Ende 2008 den EU-Normen anzupassen oder zu schließen. Die dem Wirtschaftsministerium unterstellten Staatsunternehmen müssten mehr als 3 Mrd. Euro in Umweltschutzmaßnahmen investieren, um alle Auflagen zu erfüllen. 2004 brachten die Staatsunternehmen unter dem Strich etwa 164 Mio. Euro dafür auf. Die Umwelttechnik befindet sich in Rumänien noch in den Kinderschuhen und hat erst in den letzten Jahren durch private (zum Teil ausländische) Investitionen, durch EU-Fördergelder (ISPA-Programme) sowie durch staatliche Subventionen zögerlich den Weg zur Normalität beschritten. Rumänische Firmen haben in diesem Bereich wenig Erfahrung. Gefährliche Industrieabfälle landen auf normalen Mülldeponien, die in den wenigsten Fällen umweltgerecht angelegt sind. Kommunale Abwässer, auch von etwa 50 Städten, inklusive Bukarest - werden ungeklärt in Flüsse oder ins Meer geleitet. Von 1500 vorhandenen Kläranlagen entspricht die Hälfte nicht den Anforderungen. All diese durch den bevorstehenden EU-Beitritt vorgegebenen Entwicklungen im Bereich Umwelt-Infrastruktur bieten auch deutschen mittelständischen Unternehmen Gelegenheit, in den rumänischen Markt einzusteigen. Nach Angaben des Umweltministeriums werden allein durch ISPA-Programme in den nächsten Jahren rund 100 Projekte im Bereich Wasserversorgung/-entsorgung (teil)finanziert. Zwei Projekte im Wasser-/Abwasserbereich werden von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) konfinanziert, u. zw. jene in Suceava und Deva/Hunedoara. Das Vorhaben in Suceava hat einen Gesamtwert von 45,5 Mio. Euro, davon sind 33 Mio. Euro EU-Finanzierung. Die KfW finanziert mit einem am 20. Juni unterzeichneten Kredit 7 Mio. Euro der Eigenleistung der Stadt. Nach Prüfung und Genehmigung der Projekte durch Brüssel wird es dafür Ausschreibungen nach üblichem ISPA-Verfahren geben. Moderne Trinkwasser-Versorgung und -Entsorgung ist landesweit ein Problem. Selbst in Bukarest (2,5 Mio. Einwohner) dauerte es 20 Jahre bis die Finanzierung der Kläranlage bei Glina (Gesamtwert 104 Mio. Euro) halbwegs steht. Im Juni 2005 erklärte sich die EBWE bereit, der Stadt ein Darlehen in Höhe von 10 Mio. Euro zu gewähren, 25 Mio. sollen von der Europäischen Investitionsbank (EIB) kommen, der Rest dann als ISPA-Finanzierung (69 Mio. Euro). Weitere 50 Mio. Euro will die Stadt zusammen mit einem privaten ausländischen Konsortium in eine neue Trinkwasseraufbereitungsanlage (bei Crivina) investieren.



Wirtschaftsklub wechselt Treffpunkt Planung:
Ausfahrt im Juli, Ferien im August / Von Siegfried Thiel

Deutschsprachige Medien sind hier für uns sehr wichtig, sagt Peter Bayard, Manager der Temeswarer Niederlassung der Schweizer Firma Helvetica Profarm. Dass die Allgemeine Deutsche Zeitung verspätet ankommt, ist schon fast kein Gesprächsthema mehr bei den Mitgliedern des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs in Temeswar - sie haben sich damit beinahe abgefunden. Gegen dieses Problem scheinen alle Interventionen der Zeitungsverwaltung machtlos - die Postboten haben immer eine Antwort auf Lager, ob die mit Logik verbunden ist, das ist weniger wichtig. "Ich denke, über unsere Zusammenkünfte zu berichten, ist für beide Seiten und auch für das gesamte Umfeld nicht unwichtig, sagte vor Kurzem ein deutscher Unternehmer, und hakt damit das Thema Vertrieb eigentlich ab. Seit Monat Juni haben die Mitglieder des Wirtschaftsclubs ihren bislang traditionellen Tagungsort im Continental-Hotel aufgegeben und sind in das moderne Reghina-Blue-Hotel übersiedelt. Und das gerade an dem Tag, als die Vollversammlung des Wirtschaftsclubs anstand. Der Präsident Peter Hochmuth legte einen knappen Rechenschaftsbericht vor, und wies auf die Perspektiven des etwa 100 Mitglieder zählenden Clubs hin - ein Klub, der einen festen Platz im Temeswarer Wirtschaftsleben gefunden hat. Hochmuth hatte letztes Jahr, nach dem Abschied des Präsidenten und ehemaligen deutschen Konsuls Klaus Peter Marte, den Vorsitz übernommen und baute auf das bereits erstellte Gerüst. Der Club zeigte sich nicht nur als ein Treffpunkt nach Stammtischart, sondern versucht den Geschäftsleuten mehr zu bieten als die Möglichkeit, gemeinsam ein Abendessen einzunehmen. Persönlichkeiten der Banater Wirtschaft und Verwaltung waren in den letzten Monaten die Gäste des Clubs, Rechtsberater durften ihr Wissen vermitteln. Auch als guter Nachbar will sich der Club zeigen, denn seine gesponserten Projekte vor allem in Bereich der Kultur sind hierzulande längst bekannt. Der Vorsitzende Peter Hochmuth will in den kommenden Monaten auch die Beziehungen zu anderen Wirtschaftsclubs fördern, vor allem zu den Unternehmern aus dem Kreis Arad sind neue Perspektiven angesagt. Auch als Ansprechpartner für interessierte Investoren sieht sich der Club gerne, was die bereits ansässigen Westeuropäer betrifft, fasste Hochmuth den Gedanken vieler in einem knappen Satz zusammen: "Sie sollten froh sein, dass sie schon hier sind", so der Präsident. Für den Monat Juli ist eine Ausfahrt in das Weinbaugebiet im Kreis Arad angesagt, im August nehmen viele Geschäftsleute und in diesem Sinn auch deren Wirtschaftsclub in Temeswar eine Auszeit.


EBWE und Weltbank übernehmen 10,2 Prozent an Distrigaz Sud
Institutionelle Investoren an Seite von Gaz de France

Bukarest (ADZ) - Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und die zur Weltbank gehörende International Finance Corporation (IFC) haben jeweils 31 Millionen Euro bereitgestellt, um von dem französischen Energiekonzern Gaz de France zusammen 10,2 Prozent Anteile an der rumänischen Erdgas-Vertriebsgesellschaft Distrigaz Sud zu übernehmen. Im Oktober 2004 hat Gaz de France mit den rumänischen Behörden den Privatisierungsvertrag für Distrigaz Sud unterzeichnet. Die Transaktion soll in den kommenden Tagen abgschlossen werden, hieß es. Gaz de France übernahm 30 Prozent Anteile an Distrigaz Sud für 128 Millionen Euro und sollte durch eine anschließende Kapitalaufstockung in Höhe von 183 Millionen Euro mehrheitlicher Eigner (51 Prozent) werden. Laut Privatisierungsklauseln konnte Distrigaz Sud die EBWE und IFC als Finanzierer in die Transaktion mit einbeziehen. Die beiden institutionellen Investoren werden indirekt Distrigaz-Sud-Aktien übernehmen, indem sie sich an der Gesellschaft beteiligen, die der französische Konzern für die Verwaltung von Distrigaz Sud gründet. Distrigaz Sud versorgt 20 Kreise im Süden des Landes mit Erdgas. In den nächsten acht Jahren will Gaz de France 45 Prozent des Leitungsnetzes erneuern.

 

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