| |
Umweltschutz
kostet 30 Milliarden Euro
Endlich Kläranlage für Bukarest? / KfW-Finanzierung für Suceava
und Deva
Bukarest (ADZ) - Umweltschutz war in Rumänien längste Zeit
kein Thema. Das hat sich jetzt geändert. In den nächsten 14
Jahren muss Rumänien rund 29,3 Mrd. Euro in Umweltschutzmaßnahmen
investieren, damit das Land die mit der EU vereinbarten Standards
erreicht. Die Finanzierung erfolgt hauptsächlich aus europäischen
Fonds und zu 20% aus Staats- und Kommunalbudgets. Auf die
Wirtschaftsträger selber entfällt mit 7 Mrd. Euro etwa ein
Viertel (26,6%) der umweltbedingten Beitrittskosten. Allein
die europäische IPPC-Direktive (Integrated Polution Prevention
and Control) betrifft 536 Gesellschaften aus den Bereichen
Chemie, Erdölverarbeitung, Energie, Hüttenwesen, Papier und
Tierzucht, die für die Modernisierung ihrer Anlagen 2,7 Mrd.
Euro aufbringen müssen. Den EU-Beitrittsvertrag hat Rumänien
im April 2005 unterzeichnet. Das Kapitel Umwelt gehört zu
den sensiblen Punkten, die eine Aktivierung der Schutzklausel
und damit eine Verschiebung des für Anfang 2007 vorgesehenen
Beitrittstermins um ein Jahr bewirken könnte. Der Warnbrief,
den die Europäische Kommission Rumänien Anfang Juni bezüglich
Reformdefizite übermittelte, betraf 7 Bereiche, darunter auch
Umwelt. Für das Kapitel 22 Umwelt hat Rumänien Übergangsfristen
bis maximal 2018 ausgehandelt. Bei Abfall-Management und Recycling
wurde eine Übergangsfrist von 5 Jahren (bis 2011) für das
Einsammeln von mindestens 50% des Plastik-Mülls und einem
Recycling-Grad von 15% vereinbart. Bei Glas-Müll muß Rumänien
Ende 2013 60% einsammeln und 55% recyclen. Bei Verbrennungsanlagen
von Medical-Müll in Krankenhäusern hat sich Rumänien verpflichtet,
52 Anlagen bis Ende 2007 und weitere 58 bis Ende 2008 den
EU-Normen anzupassen oder zu schließen. Die dem Wirtschaftsministerium
unterstellten Staatsunternehmen müssten mehr als 3 Mrd. Euro
in Umweltschutzmaßnahmen investieren, um alle Auflagen zu
erfüllen. 2004 brachten die Staatsunternehmen unter dem Strich
etwa 164 Mio. Euro dafür auf. Die Umwelttechnik befindet sich
in Rumänien noch in den Kinderschuhen und hat erst in den
letzten Jahren durch private (zum Teil ausländische) Investitionen,
durch EU-Fördergelder (ISPA-Programme) sowie durch staatliche
Subventionen zögerlich den Weg zur Normalität beschritten.
Rumänische Firmen haben in diesem Bereich wenig Erfahrung.
Gefährliche Industrieabfälle landen auf normalen Mülldeponien,
die in den wenigsten Fällen umweltgerecht angelegt sind. Kommunale
Abwässer, auch von etwa 50 Städten, inklusive Bukarest - werden
ungeklärt in Flüsse oder ins Meer geleitet. Von 1500 vorhandenen
Kläranlagen entspricht die Hälfte nicht den Anforderungen.
All diese durch den bevorstehenden EU-Beitritt vorgegebenen
Entwicklungen im Bereich Umwelt-Infrastruktur bieten auch
deutschen mittelständischen Unternehmen Gelegenheit, in den
rumänischen Markt einzusteigen. Nach Angaben des Umweltministeriums
werden allein durch ISPA-Programme in den nächsten Jahren
rund 100 Projekte im Bereich Wasserversorgung/-entsorgung
(teil)finanziert. Zwei Projekte im Wasser-/Abwasserbereich
werden von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) konfinanziert,
u. zw. jene in Suceava und Deva/Hunedoara. Das Vorhaben in
Suceava hat einen Gesamtwert von 45,5 Mio. Euro, davon sind
33 Mio. Euro EU-Finanzierung. Die KfW finanziert mit einem
am 20. Juni unterzeichneten Kredit 7 Mio. Euro der Eigenleistung
der Stadt. Nach Prüfung und Genehmigung der Projekte durch
Brüssel wird es dafür Ausschreibungen nach üblichem ISPA-Verfahren
geben. Moderne Trinkwasser-Versorgung und -Entsorgung ist
landesweit ein Problem. Selbst in Bukarest (2,5 Mio. Einwohner)
dauerte es 20 Jahre bis die Finanzierung der Kläranlage bei
Glina (Gesamtwert 104 Mio. Euro) halbwegs steht. Im Juni 2005
erklärte sich die EBWE bereit, der Stadt ein Darlehen in Höhe
von 10 Mio. Euro zu gewähren, 25 Mio. sollen von der Europäischen
Investitionsbank (EIB) kommen, der Rest dann als ISPA-Finanzierung
(69 Mio. Euro). Weitere 50 Mio. Euro will die Stadt zusammen
mit einem privaten ausländischen Konsortium in eine neue Trinkwasseraufbereitungsanlage
(bei Crivina) investieren.
Wirtschaftsklub wechselt
Treffpunkt Planung:
Ausfahrt im Juli, Ferien im August / Von Siegfried Thiel
Deutschsprachige Medien sind hier für uns sehr wichtig, sagt
Peter Bayard, Manager der Temeswarer Niederlassung der Schweizer
Firma Helvetica Profarm. Dass die Allgemeine Deutsche Zeitung
verspätet ankommt, ist schon fast kein Gesprächsthema mehr
bei den Mitgliedern des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs
in Temeswar - sie haben sich damit beinahe abgefunden. Gegen
dieses Problem scheinen alle Interventionen der Zeitungsverwaltung
machtlos - die Postboten haben immer eine Antwort auf Lager,
ob die mit Logik verbunden ist, das ist weniger wichtig. "Ich
denke, über unsere Zusammenkünfte zu berichten, ist für beide
Seiten und auch für das gesamte Umfeld nicht unwichtig, sagte
vor Kurzem ein deutscher Unternehmer, und hakt damit das Thema
Vertrieb eigentlich ab. Seit Monat Juni haben die Mitglieder
des Wirtschaftsclubs ihren bislang traditionellen Tagungsort
im Continental-Hotel aufgegeben und sind in das moderne Reghina-Blue-Hotel
übersiedelt. Und das gerade an dem Tag, als die Vollversammlung
des Wirtschaftsclubs anstand. Der Präsident Peter Hochmuth
legte einen knappen Rechenschaftsbericht vor, und wies auf
die Perspektiven des etwa 100 Mitglieder zählenden Clubs hin
- ein Klub, der einen festen Platz im Temeswarer Wirtschaftsleben
gefunden hat. Hochmuth hatte letztes Jahr, nach dem Abschied
des Präsidenten und ehemaligen deutschen Konsuls Klaus Peter
Marte, den Vorsitz übernommen und baute auf das bereits erstellte
Gerüst. Der Club zeigte sich nicht nur als ein Treffpunkt
nach Stammtischart, sondern versucht den Geschäftsleuten mehr
zu bieten als die Möglichkeit, gemeinsam ein Abendessen einzunehmen.
Persönlichkeiten der Banater Wirtschaft und Verwaltung waren
in den letzten Monaten die Gäste des Clubs, Rechtsberater
durften ihr Wissen vermitteln. Auch als guter Nachbar will
sich der Club zeigen, denn seine gesponserten Projekte vor
allem in Bereich der Kultur sind hierzulande längst bekannt.
Der Vorsitzende Peter Hochmuth will in den kommenden Monaten
auch die Beziehungen zu anderen Wirtschaftsclubs fördern,
vor allem zu den Unternehmern aus dem Kreis Arad sind neue
Perspektiven angesagt. Auch als Ansprechpartner für interessierte
Investoren sieht sich der Club gerne, was die bereits ansässigen
Westeuropäer betrifft, fasste Hochmuth den Gedanken vieler
in einem knappen Satz zusammen: "Sie sollten froh sein, dass
sie schon hier sind", so der Präsident. Für den Monat Juli
ist eine Ausfahrt in das Weinbaugebiet im Kreis Arad angesagt,
im August nehmen viele Geschäftsleute und in diesem Sinn auch
deren Wirtschaftsclub in Temeswar eine Auszeit.
EBWE und Weltbank
übernehmen 10,2 Prozent an Distrigaz Sud
Institutionelle Investoren an Seite von Gaz de France
Bukarest (ADZ) - Die Europäische Bank für Wiederaufbau und
Entwicklung (EBWE) und die zur Weltbank gehörende International
Finance Corporation (IFC) haben jeweils 31 Millionen Euro
bereitgestellt, um von dem französischen Energiekonzern Gaz
de France zusammen 10,2 Prozent Anteile an der rumänischen
Erdgas-Vertriebsgesellschaft Distrigaz Sud zu übernehmen.
Im Oktober 2004 hat Gaz de France mit den rumänischen Behörden
den Privatisierungsvertrag für Distrigaz Sud unterzeichnet.
Die Transaktion soll in den kommenden Tagen abgschlossen werden,
hieß es. Gaz de France übernahm 30 Prozent Anteile an Distrigaz
Sud für 128 Millionen Euro und sollte durch eine anschließende
Kapitalaufstockung in Höhe von 183 Millionen Euro mehrheitlicher
Eigner (51 Prozent) werden. Laut Privatisierungsklauseln konnte
Distrigaz Sud die EBWE und IFC als Finanzierer in die Transaktion
mit einbeziehen. Die beiden institutionellen Investoren werden
indirekt Distrigaz-Sud-Aktien übernehmen, indem sie sich an
der Gesellschaft beteiligen, die der französische Konzern
für die Verwaltung von Distrigaz Sud gründet. Distrigaz Sud
versorgt 20 Kreise im Süden des Landes mit Erdgas. In den
nächsten acht Jahren will Gaz de France 45 Prozent des Leitungsnetzes
erneuern.
|