148. Kirchweihfest in Sanktanna

Arader Kleinstadt um den Erhalt der deutschen Tradition bemüht

Mittwoch, 10. August 2016

Die Mutter-Anna-Kirche in Sanktanna ist eine der größten katholischen Kirchen West-Rumäniens.

20 Trachtenpaare machten bei der 148. Kirweih in Sanktanna mit, begleitet wurden sie von der Henschl-Blaskapelle aus Rekasch.

Das Programm am Nachmittag verlief unter dem Kirchweihbaum vor dem Lambert-Steiner-Kulturhaus.

Claudius Höniges macht beim Kirchweihfest in Sanktanna zum 24. Mal mit – heuer auch als DFDR-Stadtrat.

Monika Göpfrig nimmt den geschmückten Kirchweihut nach Österreich und darf mit Vortänzer Eugen Rogojan tanzen. Fotos: Adrian Ardelean

Wenn der Sommer so richtig heiß wird, zieht es die Landsleute wieder nach Hause, in die alte Heimat zurück. In Sanktanna gibt es jedes Jahr etwas ganz Besonderes zu erleben: ein traditionelles Kirchweihfest wie anno dazumal. Am letzten Juli-Sonntag war es wieder soweit. Die Jugendlichen in der schwarz-weißen Sanktannaer Tracht zogen durch die Straßen des Städtchens zur katholischen Kirche, diesmal in Begleitung der Henschl-Blaskapelle aus Rekasch. Die Mutter-Anna-Kirche feierte ihren 148. Weihetag. Den Festgottesdienst zelebrierte Ortspfarrer Ladislau Barjak gemeinsam mit dem Heimatpfarrer aus Deutschland, Peter Zillich – bekannt auch als der Pfarrer mit dem Akkordeon, da er seine Predigten immer mit Musikstücken illustriert, die er an seinem Akkordeon spielt. Diesmal war es ganz am Anfang ein Heimatlied. „Heimat, das ist undefinierbar und doch einmalig schön“, sagte Pfarrer Peter Zillich. „Das kann man nur erleben an einem Ort, wo Heimat für einem war oder ist und das Banat ist für mich die Heimat. Sie verbindet mich mit der Vergangenheit, mit meiner Kindheit und Jugendzeit, mit meinen Eltern, den Großeltern, mit dem Friedhof und mit der Kirche von innen. Das ist etwas, was einem so vertraut ist und ihm ein Leben lang in die Zukunft begleitet.“ Gegen Ende des Gottesdienstes sprach der erste Geldherr Eugen Rogojan den Kirchweihspruch, der - wie jedes Jahr - von der Kulturreferentin der Heimatortsgemeinschaft der Sanktannaer aus Deutschland zusammengefasst wurde und den Landsleuten aus nah und fern sehr ans Herz ging.

 

Die Klänge von früher

Nach dem Gottesdienst zogen die Kirchweihpaare in den Pfarrhof und tanzten die drei Ehrentänze, während die Gäste die Gelegenheit hatten, ins Gespräch zu kamen. Zu den Ehrengästen zählte der Vorsitzende des Arader Deutschen Kreisforums, Michael Szellner. „Es ist beeindruckend, dass sich diese kleine Gemeinschaft Jahr für Jahr neu definieren und die alten Traditionen, das Brauchtum aufrecht erhalten kann. Es ist schön, dass wieder viele Landsleute aus Deutschland nach Hause zurück gefunden haben und beeindruckt sind davon, dass es das Fest hier noch gibt“, sagte Michael Szellner. Am Platz vor dem Lambert-Steiner-Kulturhaus, wo der Kirchweihbaum bereits am Samstag aufgestellt wurde, fanden die letzten Vorbereitungen für das Nachmittagsprogramm statt. Koordiniert wurden die Arbeiten von Martin Reinholz, dem Vorsitzenden des deutschen Ortsforums. „Für uns ist das schon zur Rutine geworden. Die Teilnehmer sind mal jünger, mal erwachsener, das ändert sich von Jahr zu Jahr, wir sind aber froh, dass wir genügend Interessenten finden, die mitmachen wollen. Ich finde, wir sind ihnen zum Dank verpflichtet“, sagte Martin Reinholz.

Die Kirchweihpaare trafen sich am Nachmittag beim Haus des ersten Geldherrn. Für Eugen Rogojan ist es sehr wichtig, Vortänzer zu sein. Er setzt sich gerne ein, um die Traditionen seiner Gemeinde weiter zu führen. „Seit meinem fünften Lebensjahr bin ich ein Teil des Kirchweihfestes in Sanktanna“, sagte er mit Stolz. Die Blasmusik traf ein auch begann zu spielen. Unter den Musikern aus Rekasch war auch ein nach Deutschland ausgewanderter Sanktannaer, Robert Raab: „Ich bin hier geboren und war mindestens zehn-elf Jahre als Kirchweihbub dabei und jetzt als Musiker. So verändert sich das Leben“, sagte er und fügte hinzu: „Musiker sind immer willkommen. Jede Kapelle nimmt gerne Musiker auf, wenn jemand freiwillig spielen will. Man ist in der Heimat, man hört die Klänge von früher, natürlich ist nichts mehr wie früher, aber man versucht, einiges beizubehalten. Solange es Spaß macht, machen wir mit.“

 

Lustige Kirchweihsprüche in Sanktannaer Mundart

Mit Musik ging es weiter zum Platz vor dem deutschen Kulturhaus Lambert Steiner. Unter dem Kirchweihbaum wurde getanzt und es wurden die Kirchweihsprüche in Sanktannaer Mundart gesprochen. Zuständig dafür war der zweite Geldherr, Maximilian Reinholz. Den Text hatte mit stichiger Satire und lockeren Humor sein Vater, Martin Reinholz, gedichtet. Angesprochen wurde dabei Aktuelles aus dem Ort, wie zum Beispiel, dass die Ortsschule den Namen des Nobelpreisträgers Stefan Hell übernommen hat, aber auch aus der ganzen Welt: „Mir ist vorkumme, dass die, wu de Brexit bewerbe, so wie sene Leit sin, wu net alt werden welle aber ach net jung sterwe.“

Zu den diesjährigen Kirchweihpaaren zählte heuer, bereits zum 24. Mal, auch der neu-gewählte Stadtrat seitens des Deutschen Forums, Claudius Höniges. „Ich habe mich bis jetzt gut eingelebt, wir haben schon fünf Sitzungen hinter uns, bisher wurden nicht so heikle Themen besprochen, aber ich weiß, was auf mich zukommt. Es ist zwar ein Nachteil, dass ich als einziger Stadtrat seitens des Deutschen Forums da stehe, aber es ist ein Anfang und wir wollen darauf bauen.“ Beim Kirchweihfest dabei waren in diesem Jahr viele Landsleute aus Deutschland, darunter Anton Bleiziffer von der Heimatortsgemeinschaft der Sanktannaer. „Wir haben wieder diese lange Strecke hinterlegt und auf dem Weg haben wir uns oft gefragt, was uns wohl in der Heimat erwartet. Und siehe da, wir haben wieder ein schönes Fest! Ich weiß nicht, wie es die noch hier lebenden Deutschen und die deutsche Schule hinkriegen, dass immer wieder viele Trachtenpaare zusammenkommen, dass die Kirche voll ist, dass gefeiert wird, ein Fest, das Tradition hat und das immer noch lebendig erhalten bleibt.“

Unter dem Kirchweihbaum ging das Feiern weiter. Die Kirchweihburschen versuchten, etwas Geld für die Deckung der Kosten mit dem Fest zusammenzukriegen. Hierfür wurde verlost und versteigert. Bei der Tombola gewannen Christa Bayer den Hut und Carina Palcu-Socaciu das Tuch, die beiden geschmückten Rosmarein-Sträuße ersteigerte Familie Höniges für ihre Töchter Sonja und Jasmin, während der geschmückte Hut an Monika Göpfrig ging. „Ich bin hier geboren und habe hier zehn Jahre gelebt, nun wohne ich in Österreich und trage erstmalig den Kerweihut in meine neue Heimat. Ich werden den Hut in Ehren halten, denn er erinnert mich an die Kerwei“.

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