200 Stahl- und Walzwerker gesucht

In Ferdinandsberg wird die Tätigkeit wieder aufgenommen

Freitag, 12. Februar 2016

Das lange, auch mediale, Tauziehen rund ums Schicksal des Stahl- und Walzwerks „Mechel“ (vorher „Ductil Steel“) aus Ferdinandsberg/Oţelu Roşu nimmt ein Ende. Man hat durch einen der Werksdirektoren, Costel Lazăr, begonnen, 200 Arbeitnehmer anzustellen, denn plötzlich scheinen es die Käufer aus Serbien eilig zu haben: Wie der Bürgermeister von Ferdinandsberg, Luca Mălăescu, erfahren haben will, soll die effektive Tätigkeit schon in den nächsten Februartagen aufgenommen werden. Wenn denn der Partner der „serbischen Milliardäre“ (jetzt ist nicht mehr von den staatlichen Werken aus Smederevo/Semendria die Rede, die ursprünglich kaufen wollten, wohl aber von denselben privaten Besitzern), der zwielichtige rumänische Geschäftsmann Iosif Armaş, es schaffen sollte, alle Genehmigungen zu einer Wiederaufnahme der Tätigkeit des seit fast drei Jahren geschlossenen („aber konservierten“) Werks einzuholen. Die Anstellung von 200 qualifizierten Arbeitnehmern dürfte im Bistratal keine große Hürde darstellen, denn erstens haben hier zuletzt dreimal mehr Stahl- und Walzwerker bei Mechel-Steel gearbeitet (und vorher, bei den Italienern von Ductil Steel, zeitweilig gar an die tausend) und zweitens ist das Angebot an Arbeitsplätzen im Raum nördlich von Karansebesch und bis zur Grenze mit dem Verwaltungskreis Hunedoara nicht gerade überwältigend.

Bürgermeister Mălăescu jedenfalls freut die Nachricht von einem erfolgreichen Abschluss der Verkaufsverhandlungen, denn seine Stadt, auch wenn sie eine der wenigen schuldenfreien des Banater Berglands ist, braucht zusätzliche Einkommen. Das Grünlicht für Anstellungen haben die Serben gegeben, nachdem sie vor drei Wochen, geführt von Iosif Armaş, erstmals das Werk vor Ort in Augenschein genommen haben. Zur Werksbesichtigung wurde auch Bürgermeister Luca Mălăescu geladen, der schlussfolgerte: „Nachdem ich zusammen mit den Investoren aus dem Nachbarland das Werk besucht habe, glaube ich, dass sie mit guten Eindrücken verblieben sind. Sie haben von uns verlangt, dass wir die Erteilung der Betriebsgenehmigungen beschleunigen, damit sie noch im Februar loslegen können. Ich habe ihnen versprochen, dass wir, soweit das Gesetz dies der Stadt ermöglicht, alle von uns abhängigen Genehmigungen zeitgerecht erteilen werden, sogar unter Dringlichkeitsbedingungen. Für die Gemeinschaft im Bistratal ist die Wiederaufnahme der Tätigkeit des Werks etwas ganz Positives.“

Über den letztendlich ausgehandelten Verkaufspreis mit dem jetzigen Besitzer Nikarom und der Insolvenzverwaltungsfirma ist nichts bekanntgegeben worden. Man spricht schätzungsweise von 25 Millionen Euro, von denen zwei Millionen bei Unterzeichnung des Kaufvertrags, der Rest binnen zwei Jahren zu überweisen sind. Der Fiskus ANAF, der Hauptgläubiger der Werke im Bistratal, hat die Bedingung gestellt, dass im Kaufvertrag festgeschrieben wird, dass die Werke für die Zeit der Ratenzahlung eine Versicherung abschließen, quasi die Garantie für die volle Begleichung der Verkaufssumme.
Während der Inventurübernahme der Werke durch die serbischen Investoren wird auch ein Team von Nikarom in Ferdinandsberg weilen. Dasselbe Team bleibt im Werk, bis der Verkauf voll durchgezogen ist. Also die kommenden zwei Jahre. Zu Beratungszwecken und zur Überwachung.

Ein Wackelfaktor in der Transaktion ist Iosif Armaş. Der tritt zwar weiterhin mit der ihm charakteristischen nervigen Selbstherrlichkeit auf, aber in seiner Verurteilung auf Bewährung steht, dass er in den kommenden zehn Jahren in keiner Weise mehr Geschäfte machen darf (im Urteilstext: „Aussetzung des Rechts, Direktor, Administrator einer Handelsgesellschaft oder Koordinator einer Handelsgesellschaft im In- oder Ausland zu sein“). Der Grat, auf dem sich der Zerstörer des Bade- und Luftkurorts Herkulesbad/Băile Herculane bewegt, ist ein sehr schmaler, wenn das Urteil streng ausgelegt wird. Den Ex-Schwiegersohn von Ceauşescus Leibarzt, der als Türsteher eines Restaurants in Herkulesbad begonnen hat (er selber stammt aus Mehadia), scheint das kaum zu kümmern.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 16.02 2016, 13:57
So negativ würde ich das nicht sehen, es kommt eben darauf an. Ein Stahlbetrieb kann in Europa durchaus gewinnbringend wirtschaften, wenn er sich auf bestimmte hochqualitative Nischenprodukte spezialisiert, für die Automobilindustrie, für den Eisenbahnbau, für die Erdölindustrie, etc. Qualitativ schlechter Billigstahl kann hingegen mit der Konkurrenz aus China und Indien nicht mithalten, das stimmt.
Rolf Joachim, 13.02 2016, 02:41
Es wäre interessant zu wissen, in welcher Höhe die Eu Gelder locker macht, um diese "Investition" zu unterstützen?
Tatsächlich (so traurig wie es ist), wird dieser neue Konzern, bzw. diese neuen Eigentümer, überhaupt keine Chance haben, wettbewerbsfähig zu sein! Warum wird hier offensichtlich Geld verbrannt? Wie ist das Möglich?

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