25 Jahre Bauingenieurwesen in deutscher Sprache

Gespräch mit dem langjährigen Abteilungsleiter, Prof. Dr. Radu Băncilă

Mittwoch, 08. Juni 2016

Ein langjähriger Abonnent und Freund der ADZ/BZ: Radu Băncilă hat die Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache ins Leben gerufen.

Die Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache an der TU Politehnica feiert in diesem Jahr ein Vierteljahrhundert ihres Bestehens. Aus diesem Anlass kamen vor Kurzem die ersten Absolventen dieser Abteilung in Temeswar zusammen.  Seit 1993 gibt es einen Kooperationsvertrag mit der TU München, eine der berühmtesten Universitäten weltweit. Es ist nun knapp elf Jahre her, seitdem die TU München und die TU Politehnica eine Doppeldiplom-Vereinbarung unterzeichnet haben. Diese ermöglicht es den Studierenden aus Rumänien, nach einigen Semestern in München auch ein Diplom der deutschen Universität anzustreben. Fast 30 Studierende haben bereits ein solches Diplom bzw. befinden in verschiedenen Phasen des Erlangens des Doppeldiploms. Mit dem Gründer und langjährigen Leiter der Abteilung, Prof. Dr. Radu Băncilă, sprach Raluca Nelepcu.

 

Die Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Wie ist diese Abteilung überhaupt entstanden?

Sofort nach der Wende, als wir sehr optimistisch waren, hatte ich die Idee, eine Abteilung in deutscher Unterrichtssprache zu gründen und in erster Linie eine Abteilung in einer europäischen Sprache, um den Anschluss an Europa zu suchen und diesen irgendwie auch zu realisieren. Die Abteilung entstand 1991. Wir bekamen die Genehmigung des Professorenrates, des Senates und des Ministeriums. Damals gingen die Sachen viel einfacher als jetzt. Wir hatten auch eine gute Empfehlung seitens des Deutschen Forums und meines gewesenen Professors, Prof. Dan Mateescu, der in Deutschland studiert hatte. Wir haben diesen Studiengang mit 16 Studierenden begonnen, die alle sehr gut deutsch sprachen. Das war ein großer Vorteil.

 

Wenn Sie in die Vergangenheit zurückblicken: Wie haben Sie die Entwicklung dieser Abteilung erlebt?

Die Entwicklung war nicht einfach. In den ersten Jahren hatten wir relativ viele Schwierigkeiten. Schwierigkeiten bereiteten uns nicht die Professoren, die an der Abteilung unterrichteten, sondern einige Kollegen, die eine solche Abteilung nicht mit sehr guten Augen sahen, da es eine Konkurrenz für sie war. Es gab auch organisatorische Probleme, wir haben diese jedoch Schritt für Schritt überwunden. Ein wichtiger Moment war, als wir mit der Technischen Universität München einen Kooperationsvertrag abschließen konnten. Die TU München übernahm die Patenschaft über unsere Abteilung und so konnten wir uns weiterhin entwickeln. Wir bekamen auch seitens des Deutschen Akademischen Austauschdienstes eine finanzielle Unterstützung. Die meisten meiner Kollegen waren in München, genauso wie viele gute Studenten, die ein Praktikum dort absolvierten. Das war eine wichtige Unterstützung für unsere Abteilung. Wir hatten auch andere internationale Kontakte, aber München bleibt bis heute unser wichtigster Partner.

 

Was machen heute die Absolventen der deutschsprachigen Abteilung für Bauingenieurwesen?

50 Prozent dieser Absolventen sind im Ausland, 50 Prozent in Rumänien. Die meisten arbeiten in Rumänien bei deutschen Firmen und sie sind ein Bindeglied zwischen dem deutschen Management und der Belegschaft in der Firma, die meistens rumänisch spricht. Andere sind wiederum in Deutschland. Sie bekommen sehr gute Arbeitsstellen und werden sehr geschätzt. Wir haben einen Vertrag mit der Deutschen Bahn. Die Deutsche Bahn hat ungefähr 20 unserer Absolventen fest angestellt. Max Bögl sucht uns, Strabag sucht uns, wir werden von der Bayerischen Bauindustrie unterstützt. In dieser Hinsicht sind wir auf einem hohen Level der internationalen Beziehungen. Wir haben nur ein kleines Problem: die Anzahl der Studierenden ist nicht so groß. Wir haben jährlich ungefähr 25 gebührenfreie Studienplätze und ich würde mir wünschen, dass die Abteilung mehr Studenten hat, damit wir auch besser bekannt werden und damit wir auch mehr Absolventen an große Firmen liefern können.

 

Wie interessant ist heutzutage ein solches Studium? Inwiefern würden sich Interessenten für die gewünschten zusätzlichen Studienplätze finden?

Wenn die Abteilung besser bekannt wäre, dann würden bestimmt mehr Studenten kommen. Nicht alle können Ärzte oder IT-Spezialisten werden. Manche  wünschen sich, Bauingenieure zu werden. Mir hat dieser Beruf von Anfang an sehr gut gefallen. Die Bauingenieure arbeiten heute am Computer und schaffen sehr schöne Sachen. Sie arbeiten meist zusammen mit Architekten. Es ist eine  große Genugtuung, wenn man ein schönes Gebäude, eine schöne Brücke oder andere Bauten bewundern kann.

 

Wie sehen Sie die Zukunft des Studiengangs für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache?

Ich hoffe, die Abteilung wird sich weiterhin entwickeln. Ich habe langsam einen Schritt zurück in Richtung Rente gemacht, aber ich habe einige Nachfolger – alle sind Absolventen der Abteilung mit deutscher Unterrichtssprache. Ich hoffe, dass sich mit ihrer Hilfe die Abteilung weiterhin entwickeln wird. Sie hat ein immer besseres Image auf dem rumänischen und internationalen Arbeitsmarkt.

 

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