267 Jahre Tradition im deutschen Unterricht

Das Deutsche Goethe-Kolleg in Bukarest

Donnerstag, 01. November 2018

Ramona Costache

Oliver Manger

Holger Rieck

Das Goethe-Kolleg in Bukarest. Foto: die Verfasserin

Im Herzen von Bukarest verbirgt sich etwas zurückgezogen, in unmittelbarer Nähe der Piața Romană, in einem verhältnismäßig neuen Gebäude eine der ältesten Schulen der Hauptstadt. Geheißen hat sie nicht von Anfang an – so wie heutzutage – das Deutsche Goethe-Kolleg, auch ist sie nicht immer dem Bildungsministerium untergeordnet gewesen. Die ausschließlich auf Deutsch unterrichtende Schule wurde 1751 unter der Schirmherrschaft und im Gemeindehaus der evangelischen Kirche A.B. Bukarest eingerichtet und „Schule der evangelischen Gemeinde“ genannt.

Nach der Verstaatlichung im Jahre 1948 wechselt die deutsche Schule ständig ihren Namen, ihr Profil und sogar ihren Sitz. Die 1990 neu benannte Schule„Hermann Oberth“ erfährt 2002 eine endgültige Namensänderung und ist seither das Deutsche Goethe-Kolleg, das 2014 die Eröffnung des gleichnamigen Kindergartens feierte und nun einen vollständigen Bildungsweg bis zum Abitur anbietet.

In Bezug auf die hohe Nachfrage und arge Konkurrenz bei Aufnahmeprüfungen hebt die vor zwei Jahren in ihr Amt eingesetzte Direktorin Ramona Costache die bedeutende Schüleranzahl, nämlich 2008 für das laufende Schuljahr, hervor sowie den erfolgreichen Schulabschluss sämtlicher Schüler des vergangenen Schuljahrs. „In dieser prestigevollen Anstalt werden der Wettbewerb zwischen den Schülern und ein hochwertiger Unterricht gefördert“, erläutert die Schulleiterin, und dies wird besonders durch die Bemühungen hochqualifizierter Lehrkräfte unterstützt. Obwohl wegen der hohen Schülerzahl die notwendige Anzahl an deutschsprachigen Lehrern nicht vorhanden ist, weisen viele von ihnen in allen Fächern gute Deutschkenntnisse auf. Die Deutsch unterrichtenden Lehrer werden mit Mitteln der Bundesregierung Deutschlands durch Vermittlung der Saxonia-Stiftung gefördert, während die Rumänisch sprechenden Lehrer durch Deutschkurse weitergebildet werden.

Die Kinder gewöhnen sich ab dem Kindergarten an die deutsche Unterrichtssprache und gleich in der 1. Klasse wird Englisch als erste Fremdsprache eingeführt. Ab der 5. Klasse gibt es Französisch als zweite Fremdsprache. Ende der 8. Klasse legen die Schüler eine Aufnahmeprüfung in die höhere Stufe des Gymnasiums ab. Nach dem Bestehen entscheidet der erhaltene Notendurchschnitt über die Abteilung, die die künftigen Neuntklässler besuchen werden und die Wahl liegt zwischen der Mathe-Info-Abteilung, der humanistischen Abteilung und den zwei Mathe-Info-Klassen der Deutschen Spezialabteilung.

Der Lehrplan der ersteren Abteilungen entspricht dem rumänischen Curriculum und dabei wird Deutsch als Unterrichtssprache und zugleich als Fach mit gleicher Anzahl Schulstunden pro Woche wie Rumänisch bzw. Mathematik beibehalten. Die Sprachen-Palette erweitert sich bei der humanistischen Abteilung mit Latein und fakultativ Spanisch, während Fächer wie Logik, Psychologie, unternehmerische Bildung und Wirtschaft gleichermaßen an beiden Abteilungen für je ein Jahr unterrichtet werden.

Was gibt es so Spezielles an der Deutschen Spezialabteilung? Der Name wirkt zugegebenermaßen verwirrend, doch er weist darauf hin, dass dem deutschen Curriculum gefolgt und von deutschen oder österreichischen Lehrkräften unterrichtet wird. Wenn man alle wesentlichen Vorteile zu einem Motto zusammenfasst, heißt es: „Eine Abteilung, zwei Abschlüsse, unbegrenzte Möglichkeiten“. Nach zwei bestandenen Abschlussprüfungen, nämlich dem deutschen Bundesabitur und dem rumänischen, erhält man zwei international anerkannte Diplome, die im Lebenslauf sehr beeindruckend wirken. Zwei Absolventen des Jahrgangs 2018 haben ihr Abitur sogar mit einer runden Eins abgeschlossen.

Auch das deutsche Sprachdiplom gewährt den Schülern der Spezialabteilung eine höhere Stufe als den Schülern der Mathe-Info- oder der humanistischen Abteilung, nämlich das Muttersprachniveau C2
, was bei einem angestrebten Studium in Deutschland von Bedeutung ist.
Außer dem anstrengenden Stundenplan bietet die Spezialabteilung, laut Abteilungsdirektor Holger Rieck und stellvertretendem Direktor Oliver Manger, den Schülern jährlich ein paar spannende Ausflüge, Tagungen und Projekte an. Dazu gehören das Kennenlern-Wochenende für Neulinge, ein jährlicher Schulausflug, die Teilnahme an internationalen Debatten-Tagungen im Rahmen des Model-United-Nations-Projekts und die Mitarbeit verantwortungsbewusster Schüler an der Webseite und am Jahrbuch ihrer Abteilung. Die jungen Redakteure des Jahrbuchs schildern aus der Schülersicht verschiedene Erlebnisse, die ein wenig mit Humor behandelt werden, und dabei üben sie ihre Fähigkeiten zum kreativen oder berichtenden Schreiben; manche von ihnen teilen den Leserinnen und Lesern sogar ihre außergewöhnlichen Hobbys und ihr Ausbildungsvorhaben mit.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vergibt einmal im Jahr ein paar glücklichen Schülern aller Abteilungen Stipendien im Ausland oder ermöglicht ihnen Austauscherfahrungen in Zusammenarbeit mit Erasmus-Schulen aus Deutschland. Außerdem entwickeln alle Schüler der 11. Klasse ihre Lebens- und Dienstfertigkeiten während des Berufspraktikums innerhalb bekannter Privatunternehmen und staatlicher Einrichtungen. Wie Direktorin Ramona Costache betont, pflege das Goethe-Kolleg in diesem Sinne seit Langem eine Partnerschaft mit dem Versicherungskonzern Allianz Țiriac und der rumänischen Repräsentanz von Porsche. Darüber hinaus widmet die Schule den Schülern der 12. Klasse am Jahresanfang eine Messe der dienstlichen Orientierung und Betreuung.

Über die Beteiligungen der Schüler an internationalen Treffen und Tätigkeiten im Rahmen des Erasmus-Plus-Programms, ein durch die Europäische Kommission gefördertes Projekt, haben alle Schulleiter mit Begeisterung erzählt. Das laufende Projekt entfaltet sich zwischen 2017 und 2020 unter dem Thema „Märchen überschreiten Grenzen“ und daran wirken neun Länder mit: Deutschland, Polen, Dänemark, Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland, Rumänien und die Türkei. Das vorangegangene Erasmus- Plus-Projekt hatte als Kernthema den Umweltschutz und verlief unter dem Titel „Go Green“.

Der Umweltschutz und die Menschenfürsorge gehen auch beim Goethe-Kolleg Hand in Hand und alle Schüler wirken bei Wohltätigkeitsaktionen in Zusammenarbeit mit dem rumänischen Roten Kreuz und der „Casa Boxberg“-Stiftung mit. Jährlich wird ein Weihnachtsbasar veranstaltet und mehrmals werden Kleider, Schulsachen, Spielzeuge für Waisenhäuser gesammelt und den Altenheimen Hilfe geleistet.
Die Schüler beteiligen sich gern, ungeachtet der Abteilung, auch an Sportwettbewerben, schulischen Olympiaden und sogar Bundeswettbewerben und viele von ihnen erfreuen sich guter Ergebnisse, während andere echte Preisträger sind. Besonders begehrt ist die Deutscholympiade, bei der das Deutsche Goethe-Kolleg auch 2018 mehrere erste Plätze belegt hat.

Auf künstlerischer Ebene wird das Goethe-Kolleg von der eigenen Theatergruppe bei Theaterfesten in Deutschland und auf Musikebene vom Schulchor, der im Dezember Weihnachtskonzerte an der deutschen und österreichischen Botschaft hält, vertreten.
Zur Entspannung und Selbstentwicklung dienen manche Veranstaltungen wie der berühmte „Boboken Ball“ der Neuntklässler, die im Frühling übliche Projektwoche, das Maifest und die Klassenfahrten. Übrigens stellt die Schule allen Kindern und Jugendlichen einen gepflegten Garten mit Laube und einen modernen Sportplatz im Freien zur Verfügung.

Die Änderungen am Deutschen Goethe-Kolleg der letzten Jahre sind erkennbar. Manche Flügel der Schule wurden renoviert, die Laboratorien, insbesondere das Informatiklabor, wurden mit den neuesten Geräten ausgestattet usw. Die Schulleitung bemüht sich, die ethnische Vielfalt und das kulturelle Erbe der Rumäniendeutschen in Partnerschaft mit dem Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien zu unterstützen. Lehrstühle und Laboratorien sollen nach berühmten rumäniendeutschen Wissenschaftlern und Gelehrten benannt werden, dazu soll eine Ausstellung das Wissen über ihre Leistungen vermitteln und ein Goethe-Denkmal aus Bronze soll am Schuleingang aufgestellt werden.

 

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