30 Millionen Lei verbuddelt

…und Drobeta-Turnu Severin hat trotzdem kein gutes Trinkwasser aus Topletz

Donnerstag, 23. März 2017

Topletz/Drobeta-Turnu Severin – Die Spannungen zwischen den Verwaltungskreisen Mehedinţi und Karasch-Severin haben sich erst durch einen Schiedsspruch der Bukarester Regierung vor der Jahrtausendwende gelegt: erst dann wurde die genaue Grenze zwischen „Oltenien“ und dem „Banat“, zwischen den Verwaltungskreisen Mehedinţi und Karasch-Severin festgelegt, wobei das durch „Gebietsverluste des Banats zugunsten Olteniens“ bei der administrativen Neuordnung Rumäniens 1965 frustrierte Banat jetzt nur noch murrt, nicht mehr laut protestiert. Neu aufgeflammt waren die Dispute 1994, als der Kreisrat Mehedinţi einfach entschied, die Trinkwasserversorgung des Kreisvororts Drobeta-Turnu Severin aus einer Quelle zu sichern, die nördlich der Gemeinde Topletz/Topleţ, in deren Gemarkung, entspringt und die in den 1980er Jahren dafür bekannt war, dass sich das Diktatorenpaar Ceauşescu allnächtlich von der Bârza-Quelle bei Topletz sein stilles Wasser nach Bukarest bringen ließ. Auch zum Duschen und Baden, natürlich, hieß es damals in Topletz, angesichts des regelmäßig vorbeifahrenden bewachten Zisternenwagens mit Bukarester Kennzeichen.

Mit diesem Wasser sollte nach der Wende der Kreisvorort von Mehedinţi über eine Leitung mit einem Meter Durchmesser versorgt werden. Die Entfernung zwischen Topletz und Drobeta-Turnu Severin, rund 50 Kilometer, war bei der Planung nebensächlich. Das Projekt „Wasser aus Topletz für Drobeta-Turnu Severin“ startete 1994 unter dem damaligen Kreisratsvorsitzenden Constantin Sârbulescu (PDSR) und wurde von seinem Nachfolger Marius Bălu (PDL) fortgesetzt. Impliziert waren aber auch andere Präsidenten des Kreisrats des Donauanrainerkreises. Während der sozialdemokratischen Administration wurden rasch 30 Millionen Lei verpulvert, ohne dass man mit dem Leitungsrohrbau weiter kam als bis Orschowa. Dann wurde das Projekt aufgegeben, angeblich „aus technischen Gründen“. Das war 2009, während der demokratisch-liberalen Verwaltung, als das Bauunternehmen noch 1,4 Kilometer Metallrohre mit einem Meter Durchmesser unverbaut auf Lager hatte. Nach mehreren vergeblichen Anläufen, diese per Ausschreibung zu verkaufen, lieferte man sie beim Alteisen ab.

2012 erklärte der damals frisch gekürte Kreisratschef (der inzwischen wegen anderer Vergehen inhaftierte) Adrian Duicu (PSD): „Die Trinkwasserleitung wird zwischen der Bârza-Quelle und Orschowa genutzt, die Bürger von Orschowa erfreuen sich guten Trinkwassers. Der Rest der Trasse ist kompromittiert. Um die Leitung weiterzubauen bzw. zu reparieren, was inzwischen kaputtging, bis Drobeta-Turnu Severin, bräuchten wir weitere 70 Millionen Lei, allein für die Strecke zwischen dem Do-naustaudamm von Gura Văii und Drobeta-Turnu Severin. Vorher waren Kilometer Rohre unterm Wert verschleudert worden.“ Schuld am Schaden von 30 Millionen Lei sei die frühere PDL-Kreisleitung.
Jetzt, ziemlich lange nach den Ereignissen, hat sich Bukarest durch die Nationale Antikorruptionsdirektion DNA eingeschaltet. Mitte März wurden 30 gegenwärtige und ehemalige Beamte des Kreisrats Mehedinţi zu Anhörungen vorgeladen. Diese dauerten noch an, als dieser Beitrag niedergeschrieben wurde. Dass die hauptstädtischen DNA-Staatsanwälte die Untersuchungen durchführen, hängt damit zusammen, dass der Schaden durch die in den Sand gesetzte öffentliche Investition in die Trinkwasserversorgung die Eine-Million-Grenze (man spricht in DNA-nahen Kreisen von einem Schaden von acht Millionen Euro) überschreitet. Ziel der Untersuchungen ist es, den genauen Umfang des Schadens und die Verantwortlichkeiten festzulegen.




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