48. Minderheitenseminar in Neumarkt

Vertreter des Banater Berglands waren dabei

Donnerstag, 23. Mai 2013

„Unionsbürgerschaft und ethnische Grundrechte“ war das diesjährige Motto des bereits zum 48. Mal im Neumarkter Karl-Brunner-Europahaus über Pfingsten stattgefundenen internationalen Minderheitenseminars, das Experten und Interessenten im Schloss Forchtenstein vereinte. In diesem Jahr waren Teilnehmer aus Bulgarien, Rumänien, der Slowakei, Slowenien, Ungarn und Österreich dabei, die zu verschiedenen Aspekten und aufgeworfenen Problematiken Diskussionen führten und Vorträge hörten. Max Wratschgo, der seinerzeitige Initiator dieser Reihe, ist nun Ehrenobmann der steirischen Europäischen Föderalistischen Bewegung und als solcher hat er auch die gesamte Eröffnung geleitet. Gruß- und Lobesworte für die Organisatoren und Teilnehmer sprach der Neumarkter Bürgermeister Reinhard Rácz, begleitet von seinem Vize Bernhard Walzer.

Dr. Heinz Tichy aus Wien, der geistige Leiter dieser Seminare, sprach die Einführungsworte, während danach der Banater Berglanddeutsche Erwin Josef Ţigla aus Reschitza zwei neue Bücher der dortigen deutschen Minderheit vorstellte. Das eine beinhaltet drei Vorträge, die er 1996, 2006 und 2012 zu verschiedenen Anlässen in Klagenfurt gehalten hat (deshalb auch der Titel des Buches „3 x Klagenfurt“), während das zweite den Titel „Die Banater Berglanddeutschen: ein Handbuch“ trägt. Als Herausgeber zeichnen Waldemar Günter König, Karl Ludwig Lupşiasca und Erwin Josef Ţigla.

Der Vormittag des zweiten Tags wurde einem Ausflug gewidmet. Diesmal ging es nach Hüttenberg in Kärnten (Neumarkt liegt fast an der Grenze zwischen der Steiermark und Kärnten, während Hüttenberg genauso, nur auf der anderen Seite liegt). Dr. Heinz Tichy sorgte für eine ausgezeichnete Führung durch Landschaft und Siedlungen. Man fuhr bis zur Barbarasiedlung Hüttenbergs, nach Knappenberg, wo man in einer Stunde das Schaubergwerk besichtigte. In dem Schaustollen konnte man so manche Details der harten Arbeit unter der Erde erfahren und auch verfolgen.
Gleich nebenan konnte man auch das Puppenmuseum Helga Riedel besuchen (eine erstklassige Sammlung!) und auch die Mineraliensammlung. Hüttenberg ist der drittgrößte Mineralienfundort der Welt.

Am Nachmittag begannen dann die ersten Vorträge. Unter der Moderation von Dr. Helga Kostka aus Graz sprach man über „Zu Mitsprache und Stellenwert der Volksgruppen in Österreich – Erfahrungen und Alternativen“. Hauptreferenten waren die beiden Wiener Dr. Ernö Déak und Dr. Heinz Tichy. Nach einer Pause folgte Dr. Rüdiger Malli aus Graz mit seinem Vortrag „Der Wille der Völker im 18. und 19. Jahrhundert im Vergleich zur Gegenwart“. Moderiert hat OSR Erich Wörister aus Axams/Tirol. Der Abend wurde durch die Pfingstvorabendmesse im Schlosshof des Europahauses gekrönt. Zelebriert wurde die heilige Messe durch Pater Alfred. Musikalisch umrahmt wurde sie durch den Kirchenchor aus St. Marein bei Neumarkt. Besonders dankbar war die Delegation aus dem Banater Bergland, weil der Chor ein rumänisches kirchliches Lied für die heilige Messe einstudiert hatte und dies sogar auf Rumänisch sang.

Am Pfingstsonntag, dem 19. Mai, moderierte Dr. Heinz Tichy zu einem aktuellen und brisanten Thema: „Die Auswirkungen des Schengen-Abkommens auf die ethnischen Minderheiten – Territorialisierung oder Entterritorialisierung“, Referent war Univ.-Doz. Dr. Albert F. Reiterer aus Wien, gefolgt vom Vortrag „Volksgruppenautonomie in der EU?“ des Siebenbürgers Attila Dabis. Am Nachmittag folgte eine Buchpräsentation unter der Moderation von Mag. Hans Trsek aus Weiz. Das Buch, das als Autor Roman Leljak hat, heißt „Die offenen Wunden der Untersteiermark“ und berichtet über die Vertreibung der Volksdeutschen in Slowenien 1945/1946. Ihm zur Seite standen Veronika Haring aus Marburg an der Drau und Andrej Ajdic aus Cilli, beide aus der Untersteiermark in Slowenien. Der letzte Vortrag an diesem Abend war der von Dr. Alexander Varga aus Pressburg/Bratislava unter dem Titel „Zur Identität der nationalen Minderheiten – Ist Multikulturalismus wirklich der Tod?“.

Am Montagvormittag, innerhalb des letzten Teils des diesjährigen Minderheitenseminars, moderierte Mag. Karl Menzinger. Als Erster kam Erwin Josef Ţigla mit seinem Vortrag „Volkszählungen in Rumänien und die deutsche Minderheit“ an die Reihe. Seinem Vortrag, den er zusammen mit Dipl.-Ök. Waldemar Günter König verfasst hatte, folgten mehrere Diskussionen. Zum Schluss des Tages und des Minderheitenseminars sprach Dipl.-Ök. Margarita Tzankova aus Warna in Bulgarien. Der Titel ihres Vortrags lautete: „Kirche und Minderheitenschutz in Bulgarien am Beispiel der Orthodoxie“. Sie nahm damit auch Abschied vom Europahaus, denn es war das letzte Mal, dass sie dabei war.

Ein Teil unseres „Banater Bergland“-Trios (Prof. George Gassenheimer und Vincenzo Cerra) hat das gesamte internationale Minderheitenseminar musikalisch begleitet. Dazu kam noch Prof. Elena Cozâltea und Doina Gassenheimer, Dirigentin bzw. Mitglied des „Franz Stürmer“-Chors aus Reschitza, die durch Gesang das Seminar bereicherten. Danke dem Europahaus und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern (besonders Max Wratschgo, Christa Hofmeister und Karl Menzinger) für die Einladung 2013 und für die erneut erwiesene Gastfreundschaft.

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