50 Jahre deutsch-französische Freundschaft

Ausstellung über Etappen des Élysée-Vertrags im Temescher Kreisratsgebäude

Freitag, 25. Januar 2013

Der deutsche Konsul in Temeswar, Klaus-Christian Olasz, brachte eine Ausstellung über den Élysée-Vertrag von Paris nach Temeswar.

Jugendliche können in der Ausstellung die Etappen des Élysée-Vertrags verfolgen.
Fotos: Zoltán Pázmány

Anlässlich des 50. Jahrestags der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags lud die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel den französischen Präsidenten François Hollande zu einer Feier nach Berlin ein. Das runde Jubiläum wurde Dienstag auch in Temeswar/Timişoara begangen – mit einer Ausstellung, die die wichtigsten Etappen der deutsch-französischen Freundschaftsbeziehung beleuchtet. Es war ein Treffen unter Freunden, denn die beiden Veranstalter – das Deutsche Kulturzentrum und das Französische Institut – arbeiten schon seit Jahren bei verschiedenen Kulturprojekten sehr eng zusammen.

Ein wenig verwundert schauten die Menschen im Saal schon, als der Leiter des Französischen Instituts in Temeswar, Thierry Séte, seine Rede auf Deutsch hielt. Der nächste Sprecher war der Konsul der Bundesrepublik Deutschland, Klaus-Christian Olasz, der im Gegenzug auf Französisch sprach. Im Foyer des Multifunktionssaals des Temescher Kreisrats wurde mit einem symbolischen Akt eine Ausstellung eröffnet, bei der es hauptsächlich um Freundschaft ging. „Deutschland und Frankreich – ein halbes Jahrhundert Freundschaft und Zusammenarbeit“ heißt die Expo, die ihren Fokus auf den am 22. Januar 1963 unterzeichneten Élysée-Vertrag richtet und mit Unterstützung der Deutschen Botschaft in Paris zustande kam. Nach Temeswar brachte sie das Deutsche Konsulat.

„Die Ausstellung ist nicht nur für Schüler und Studenten, sondern auch für das breite Publikum gedacht. Gerade die Jugendarbeit war ein wichtiger Aspekt des Élysée-Vertrags“, sagte Alina Baciu, die Leiterin des Deutschen Kulturzentrums Temeswar. Auf 26 Tafeln in deutscher und französischer Sprache, alle auch mit einer rumänischen Übersetzung versehen, wird mittels informativer Texte, Fotos, historischer Dokumente und Zitate die Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen und insbesondere das dichte Netzwerk der Zusammenarbeit vorgestellt. 1958 kehrte General de Gaulle in Frankreich an die Macht zurück und leitete zusammen mit dem damaligen deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer die deutsch-französische Aussöhnung sowie eine beständige bilaterale Zusammenarbeit ein, die im Januar 1963 mit der Unterzeichnung des deutsch-französischen Vertrags im Palais Élysée besiegelt wurde. „Besucher der Ausstellung können sehen, dass zwei Länder, die man als Erzfeinde beschrieben hat, sich im Grunde relativ schnell wieder angenähert haben, und dass Freundschaft sehr viel mehr bringt als eine angebliche Feindschaft“, sagte der Leiter des Französischen Instituts, Thierry Séte.

Und trotzdem: Es ist nicht zu übersehen, dass Frankreich und Deutschland verschiedene Ziele in der Konstruktion Europas verfolgen, und das begann eigentlich schon mit dem Élysée-Vertrag. Adenauer wünschte sich den Vertrag, um Deutschland an den Westen zu binden – an die USA, England und Frankreich. Charles de Gaulle hingegen wollte einen Gegenpol zu den USA und England schaffen. Auf einem Plakat in der Ausstellung wird dies auch beschrieben. Auch heutzutage gibt es Meinungsverschiedenheiten, wenn es um die Zukunft Europas geht, gleichzeitig ist jedoch den Staatsoberhäuptern bewusst, dass es ohne eine gemeinsame Verantwortung beider Staaten mit Europa nicht vorangehen wird. „Viele Leute sagen, dass es nur eine Freundschaftsrhetorik ist, aber das glaube ich nicht. Auf der Ebene der Zivilgesellschaften gibt es sehr viele Leute, die sich persönlich kennengelernt haben und den Kontakt weiterhin pflegen. Viele Schüler, die damals nach Deutschland gefahren sind und umgekehrt, schicken heute die eigenen Kinder nach Deutschland oder nach Frankreich“, so Thierry Séte.

Zwar lernen heutzutage nicht mehr so viele Menschen in Deutschland Französisch, wie es früher einmal der Fall war, und umgekehrt, nicht so viele Franzosen lernen Deutsch, trotzdem sind viele immer noch von den guten Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich überzeugt. Dazu gehört auch der deutsche Konsul in Temeswar, Klaus-Christian Olasz, der – anders als Bundeskanzlerin Merkel, die die Sprache des französischen Staatspräsidenten Hollande nicht beherrscht – sehr gut Französisch spricht und es bei der Ausstellungseröffnung in Temeswar auch bewiesen hat. „Es gibt immer wieder Diskussionsthemen und -gründe, aber das ändert natürlich nichts daran, dass wir, beide Partner, überzeugte Europäer sind. Auch in der Vergangenheit hat es Konstellationen gegeben, in denen der französische Präsident und der deutsche Bundeskanzler politisch keineswegs derselben Grundüberzeugung waren, aber dennoch hervorragend zusammengearbeitet haben. Das muss man nicht als Problem betrachten, sondern als Herausforderung zu offenen Diskussionen und zur kreativen Suche nach gemeinsamen Lösungen“, sagte der deutsche Konsul in Temeswar, Klaus-Christian Olasz.

Dass immer wieder nach gemeinsamen Lösungen gesucht wurde, das können auch die Besucher der Ausstellung sehen. Die Expo kann auch als eine andere Art von Geschichtsunterricht fungieren und Schülern und Schülerinnen wertvolle Informationen vermitteln. Sie kann bis zum 20. Februar im Temescher Kreisratsgebäude besichtigt werden.
 

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