68. Internationale Filmfestspiele Berlin eröffnet

Berlinale 2018 mit umfangreichem und vielfältigem Programm

Freitag, 16. Februar 2018

Im Wettbewerb der Berlinale konkurriert auch Adina Pintilies Film „Touch Me Not“.

Noch bis zum 25. Februar dauert die gestern eröffnete 68. Berlinale, in deren Rahmen Filmschaffende und Filmschauende aus aller Herren Länder in Berlin zusammenkommen, um sich der Vielfalt des Mediums Film zu erfreuen. Mit über 334.000 verkauften Eintrittskarten, über 21.000 Fachbesuchern aus 127 Ländern, darunter gut 3700 Journalisten, ist die Berlinale das wichtigste deutsche Filmevent und zugleich ein bedeutendes Kulturereignis der internationalen Filmindustrie.

Im Vorfeld der diesjährigen Berlinale war bereits allerhand Kritisches geäußert worden: Die Berlinale sei zu groß geworden, zu aufgebläht, zugleich zu zersplittert, zu sehr segmentiert, zu unübersichtlich, konzeptionell zu unscharf, zu wenig provokativ und auch zu wenig kompetitiv. Die Highlights gingen schon während der Berlinale in der Masse des überbordenden Filmangebots unter, ganz zu schweigen von deren späterer Vermarktung. Wer wisse schon noch, dass das Filmdrama „Call Me by Your Name“, das nun um den Oscar 2018 für den besten Film ins Rennen geht, seine internationale Premiere auf der letzten Berlinale gehabt habe! Und das nicht einmal in der Sparte „Wettbewerb“, sondern nur in der „Panorama“ genannten Nebenreihe!

Dennoch ist der Wahlspruch des Theaterdirektors aus dem „Vorspiel auf dem Theater“ zu Goethes „Faust“ – „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“ – einer der schlechtesten nicht, wenn es darum gehen soll, die Fülle und die Diversität des internationalen Filmangebots im Rahmen eines zehntägigen Festivals aufzufächern. So werden in diesem Jahr auf der Berlinale über 400 Filme aller Genres, Längen und Formate gezeigt, präsentiert in insgesamt neun Sektionen. Die wichtigste dieser Sektionen ist der eigentliche Wettbewerb, bei dem u. a. der Film „Touch Me Not“ der rumänischen Regisseurin Adina Pintilie um den Goldenen Bären für den besten Film konkurriert, ebenso wie der Film „Transit“ von Christian Petzold oder der Film „Eva“ von Benoît Jacquot mit Isabelle Huppert.

Eine weitere Sektion der Berlinale präsentiert unter dem Titel „Berlinale Shorts“ Kurzfilme, unter ihnen den im vergangenen Jahr in Rumänien gedrehten Film „De Natura“ mit Mihaela und Maria Manta oder den ebenfalls 2017 in Rumänien entstandenen Film „Die Träume meiner Kindheit“ mit Bogdan Mare{ in der Rolle des Bogdan. Beide Filme werden zugleich in der Sparte „Generation Kplus“ gezeigt, einer der beiden Untersektionen der Sektion „Generation“, in der speziell der Welt der Kinder („Kplus“) und Jugendlichen („14plus“) gewidmete Filme vorgeführt werden.

Für die Aufnahme von Filmen in die Sektion „Panorama“ zählen künstlerische Vision, Mut zum Anderssein, Lust auf Unvertrautes, neue Impulse im gegenwärtigen Filmschaffen und kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen weltweit. In dieser Reihe wird beispielsweise der Film „Lemonade“ der rumänischen Regisseurin Ioana Uricariu gezeigt, der auf der Berlinale seine Weltpremiere feiert. Er schildert das Schicksal der rumänischen Krankenpflegerin Mara, die in den USA auf ihre Green Card wartet und dabei erkennen muss, dass das Amerika ihrer Vorstellung wenig mit der Realität zu tun hat. Weitere Filme der „Panorama“-Sektion sind u. a. der amerikanische Film „Generation Wealth“ oder der japanische Film „Yocho“.
In der Sektion „Forum“, der risikofreudigsten Sektion der Berlinale, stehen Avantgarde, Experiment, Essay, Langzeitbeobachtungen, politische Reportagen und noch unbekannte Kinematografien im Vordergrund. Hier wird etwa der jordanische Film „High Dam“ gezeigt oder der österreichische Streifen „Waldheims Walzer“, der sich mit der Affäre um den österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim wegen dessen Haltung zum Nationalsozialismus auseinandersetzt.

Die Berlinale-Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ zeigt inhaltliche und stilistische Trends beim deutschen Filmnachwuchs. Sie bietet dabei zugleich einen Ausblick auf das zukünftige Profil des deutschen Kinos. Sie fördert Regietalente, die mit ihren Ideen und deren visueller Umsetzung dabei sind, sich einen Platz in der etablierten deutschen Kinolandschaft zu erobern. „Rückenwind von vorn“, „Die defekte Katze“ oder „Feierabendbier“ sind einige der in dieser Sektion gezeigten Filme des jungen deutschen Kinos.

Die „Berlinale Special“ betitelte Sektion präsentiert außergewöhnliche Neuproduktionen, ehrt bekannte Filmpersönlichkeiten und zeigt darüber hinaus auch Filme, die aus zeitgeschichtlichen Gründen besondere Aufmerksamkeit verdienen. Im Rahmen der Aktivitäten in dieser Sektion wird auch die „Berlinale Kamera“ verliehen, eine Ehrung, die in diesem Jahr drei Filmpersönlichkeiten erhalten: Die Präsidentin des European Film Market Beki Probst (Schweiz), der Produzent und Geschäftsführer des Israel Film Fund Katriel Schory (Israel) und der Regisseur und Schauspieler Jirí Menzel (Tschechische Republik). Zu den in dieser Sektion gezeigten Filmen zählen etwa der deutsche Film „Das schweigende Klassenzimmer“ oder der spanisch-britisch-deutsche Film „Der Buchladen der Florence Green“.

Die „Hommage“ betitelte Sektion der Berlinale ist in diesem Jahr dem amerikanischen Film- und Theaterschauspieler Willem Dafoe gewidmet, der für sein Lebenswerk den Goldenen Ehrenbär erhält. Bei der Verleihung der Auszeichnung, die am 20. Februar im Berlinale Palast übergeben werden soll, wird auch der Film „The Hunter“ (2011) zu sehen sein, in dem Willem Dafoe die Hauptrolle spielte.

Ein besonderes Highlight der Berlinale ist die Sektion „Retrospektive“, die sich diesmal mit dem Thema „Weimarer Kino – neu gesehen“ beschäftigt. Zu den Höhepunkten dieser Sektion gehören die Erstaufführungen einiger aktueller Restaurierungsvorhaben wichtiger deutscher Archive und Filminstitutionen. Präsentiert werden etwa der Bergfilm „Kampf ums Matterhorn“ (Mario Bonnard, Nunzio Malasomma, 1928), Robert Reinerts Monumentalfilm „Opium“ (1919) sowie ein lange Zeit als verschollen geltender zweiteiliger Film „Urban Gads“, der auf Jakob Wassermanns literarischer Vorlage von 1919 „Christian Wahnschaffe“ basiert (Teil 1: „Weltbrand“, 1920, Teil 2: „Die Flucht aus dem goldenen Kerker“, 1921).

Eine Reihe von Sonderveranstaltungen („Kulinarisches Kino“, „Berlinale goes Kiez“, „Native – A Journey into Indigenous Cinema“) beschließen das attraktive und reichhaltige Programm der diesjährigen Internationalen Filmfestspiele in Berlin.

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