683 Kilometer auf der E3 durch das Westgebirge und die Banater Berge

ADZ-Gespräch mit dem Geschäftsführer des Siebenbürgischen Karpatenvereins, Marcel Şofariu

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Marcel Şofariu, Geschäftsführer des SKV Foto: Ralf Sudrigian

Die Fernwanderwege E3 und E8 (auch Teil der „Via carpatica“) werden auch durch die rumänischen Karpaten führen.

Als einziger rumänischer Wanderverein, der Mitglied der Europäischen Wandervereinigung (EWV) ist, unternimmt der Siebenbürgische Karpatenverein (SKV) mit Unterstützung der Landesbehörde für Tourismus (ANT) die ersten Schritte, um unsere Karpaten an die europäischen Fernwanderwege anzukoppeln. Der Anfang wurde in diesem Sommer mit der E3 getan. ADZ-Journalist Ralf Sudrigian sprach darüber in Kronstadt mit dem SKV-Geschäftsführer Marcel Şofariu.

Wie verläuft die E3 in den rumänischen Karpaten?

E3 ist das Kürzel des Fernwanderweges, der von Spanien aus durch Europa, von Westen nach Osten, über Frankreich, Luxemburg, Deutschland, Tschechien, die Slowakei, Polen und Ungarn führt und unser Land erreicht. Von da geht es weiter Richtung Süden zur Balkanhalbinsel (Serbien und Bulgarien). Die Gesamtlänge des E3-Fernwanderweges beträgt 6950 Kilometer, von denen 683 Kilometer, von der Grenze zu Ungarn (Săcuieni) bis zur serbischen Grenze (Gura Văii), durch rumänisches Gebiet führen.

Wie kam es dazu, die rumänischen Karpaten in diese Trasse aufzunehmen?

Bekanntlich wurde der SKV auf Betreiben des damaligen Vorsitzenden, Dr. Paul Jürgen Porr, bei der Jahreskonferenz 2010 in Italien in die EWV aufgenommen. Bei jener Gelegenheit habe ich einen ersten Trassen-Entwurf vorgelegt, bei dem auch Rumänien in die europäischen Fernwanderwege eingegliedert wurde. 2013 meldete auch ANT Interesse an diesem Projekt, sodass der SKV in diesem Jahr einen Vertrag mit der Landesbehörde für Tourismus unterschrieben hat, in dem ANT die Kosten für die Erstellung dieser Trasse trägt. Es handelt sich dabei um 67.000 Lei. Ich muss noch hinzufügen, dass die eigentliche Arbeit bei der Dokumentation dieser Trasse größtenteils ehrenamtlich erfolgte.

Wer hat diese Arbeit übernommen und worin bestand sie?

Im Gelände waren wir sechs Personen, die, mit Unterbrechungen, rund drei Monate gearbeitet haben. Der SKV war durch Vlad Preca und mich vertreten, wobei ich auch die Koordinierung der gesamten Aktion hatte. Wir mussten alle Wanderwege zwischen Großwardein/Oradea und Gura Văii begehen, wie auch deren näheres Umfeld. Um eine vollständige Datenbank zu erstellen, mussten alle GPS-Koordinaten der Trasse gesammelt werden. Wir haben auch rund 3000 Fotoaufnahmen gemacht, die über die Sachlage vor Ort informieren: der Zustand der Wege, verschiedene Mängel im Zusammenhang mit der Wegmarkierung oder gefährliche Stellen, wie zerstörte Brücken, Hindernisse, aber auch das Antreffen von aggressiven Hunden. Die Fotos geben auch Auskunft über die Qualität der Landschaft mit ihren Stärken und Schwächen (letztere beziehen sich vor allem auf Müllansammlungen). Die Fotos sind ebenfalls relevant für Übernachtungsmöglichkeiten. All dies haben wir dann auch beim Zusammenstellen des Schlussberichtes für ANT berücksichtigt.

Welche Kriterien galten bei der Festlegung der Trasse?

Die Gesamtlänge der Trasse beträgt 683,3 Kilometer. Wir haben sie von Gura Văii über die Banater Berge und das Westgebirge nach Großwardein zurückgelegt. Vor Ort haben wir noch Korrekturen an der Trasse vorgenommen, mit Berücksichtigung der EWV-Empfehlungen, also vor allem Umgehung asphaltierter Straßen und jener Gebiete, wo die Einwirkung des Menschen sehr deutlich zu bemerken ist, zugunsten jener Gebiete mit einer besonderen landschaftlichen Schönheit. Die Trasse wurde in 30 Tagesetappen unterteilt, mit einer Länge zwischen 15 und 30 Kilometer. Wir haben den Schwierigkeitsgrad dieser Etappen bestimmt. Zwei von ihnen (Rusca Montană – Poiana Răchiţelii bzw. Tomnatec – Muntele Rotund) sind schwierig, sieben sind leicht, und die übrigen sind als mittelmäßig eingestuft worden. Jede Etappe wurde ihrerseits in Teilstrecken von je 4 Kilometer unterteilt, die dann gemäß den EWV-Kriterien für Qualitätswanderwege analysiert wurden (Zustand der Wege, der Markierung, der Wegweiser, Landschaftswert, Vorhandensein von Sehenswürdigkeiten, Übernachtungsmöglichkeiten). Leider sind zu diesem Zeitpunkt noch 14 Etappen (also fast die Hälfte) ohne Markierung und nur sieben der 30 Etappen (die sogenannten tschechischen Dörfer des Banater Berglandes) verfügen über eine gute Wegmarkierung.

Mit wem hat der SKV noch mitgearbeitet?

Sehr wichtig waren die Begegnungen mit der Leitung der Nationalparks aber auch mit den Vertretern der Berggendarmerie und der Bergwacht. Vor allem die Berggendarmen waren verlässliche Partner. Sie haben zum Beispiel für die Sicherheit einer Wanderin aus Norwegen gesorgt, die allein und erstmals diese Trasse zurückgelegt hat. Dafür wurde sie übrigens später mit dem SKV-Ehrendiplom ausgezeichnet. Wir haben auch Vertreter von 55 Wander- und Bergvereinen aus diesen Landesteilen angesprochen. Leider kam es nur mit drei von ihnen zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit. Diesbezüglich muss ich unterstreichen, dass eine starke einheimische Wanderbewegung für die Entwicklung des hiesigen Bergtourismus eine sehr wichtige Voraussetzung darstellt. Wir können nicht Wanderwege anlegen und Schutzhütten errichten und dabei nur auf Wanderer aus dem Ausland setzen. Die lokalen Wandervereine müssten sich mehr für den Erhalt der touristischen Infrastruktur einsetzen.

Wann kann auf der rumänischen Teilstrecke der E3 gewandert werden?

Um da unter besten Bedingungen zu wandern, sind noch eine Reihe von Maßnahmen notwendig, die wir auch der ANT-Leitung vorgelegt haben. Sie beziehen sich vor allem auf: Erstellen des Kartenmaterials für jede Teilstrecke und Webpräsenz auf einer bekannten Webseite; Anlegen oder Auffrischen der Wegmarkierungen und der Wegweiser, dort wo es der Fall ist; GSM-Funksignal auf einer möglichst großen Fläche, was mehr Sicherheit für die Touristen bedeutet; aktive touristische Infozentren, Wiederherstellen der Stege, Entfernen der Hindernisse (z.B. der umgestürzten Bäume), Warnung vor Gefahren, die von Tieren (Bären, aggressive Hunde, Stiere) ausgehen; Auskünfte betreffend Unterkunft – es gibt Gebiete, wo im Zelt übernachtet werden muss oder wo die Bauernhöfe dafür in Frage kommen.

Welches wären die Höhepunkte dieser Trasse?

Auf der gesamten Trasse ist die Natur mit den Wanderern sehr großzügig. Sie ist vielseitig, attraktiv. Einmalige, unvergessliche Ausblicke inmitten einer malerischen Landschaft sind zu bewundern .Wir glauben, dass zwei Strecken sogar als „Best of Europe“-Qualitätswege von der EWV und dem Deutschen Wanderverbund (DWV) zertifiziert werden könnten. Es handelt sich um die Strecke Dubova – Nera-Klamm – Caraş-Klamm – Semenic – Wolfsberg/Gărâna – Buchin und die zweite, im Westgebirge/Apuseni: Baia de Criş - Vârtop – Padiş - Stâna de Vale – Meziad – Şuncuiuş - Vadu Crişului. Die Zertifizierungsbedingungen zum Qualitätswanderweg sind aber sehr streng: sehr gute Wanderwege, Markierungen und Wegweiser; Unterkunft für jede Tagesetappe, öffentliche Verkehrsmittel bei den Endpunkten der Trasse, aber auch unterwegs. Um das zu gewährleisten, muss vieles unternommen und mit der EWV zusammengearbeitet werden.

Im Sommer des nächsten Jahres beabsichtigt der SKV eine EWV-Fachgruppe zu einer Besichtigung auf einem Wanderausflug einzuladen, um dabei erste Eindrücke zu sammeln und Verbesserungsvorschläge zu erhalten, aber auch um Lobby für diese Trasse zu machen. Der ehemalige Grenzweg zwischen Orşova und Ieşelniţa, rund 4 Kilometer entlang des rumänischen Donauufers, könnte auch viel besser touristisch zur Geltung gelangen. Er bietet als leichte Wandermöglichkeit beste Voraussetzungen sowohl für die Einheimischen als auch die Touristen. Dafür müssen aber vier kleine metallische Brücken instandgesetzt und ein Weg ohne Beton- oder Asphaltbelag angelegt werden. Die Touristen können da eine einmalige weite Aussicht auf die Donau und das serbische Ufer genießen, in einer stillen Gegend, am Rande von Wäldern und fern jeder Straße.

Gibt es auch andere Projekte, die der SKV plant?

Der SKV ist aktives Mitglied der Karpatenkonvention. Im Rahmen der EU-Strategie für den Donauraum beteiligen wir uns gemeinsam mit der Metropolagentur Braşov an einem Projekt, zu dem wir auch die Sektion Karpaten des Deutschen Alpenvereins und Naturfreunde International aus Österreich hinzugewinnen konnten. Mit Unterstützung von Den Norske Turistforening (DNT), dem norwegischen Wanderverein, bewerben wir uns für ein anderes Projekt, das aus norwegischen Fonds finanziert wird. Zu DNT hatte bereits der „alte“ SKV zwischen 1882 und 1940 Beziehungen aufgenommen. Das Projekt sieht die Ausbildung von Bergführern vor, pädagogische Ausflüge für Schüler, Müllsammelkampagnen in den Bergen und Festlegung des Wanderweges „Via carpatica“.

Es gibt einen weiteren Finanzierungsantrag für die E8, auf dessen Bewilligung wir warten. Unser Partner ist der Verein Schweizer Wanderwege, der das Anlegen und Markieren von Wanderwegen zum Tätigkeitsbereich hat.
Die „Via carpatica“-Trasse, so wie wir sie uns vorstellen, führt durch Tschechien, Polen, die Slowakei und den Westen der Ukraine und folgt dann dem Hauptkamm der Ost- und Südkarpaten mit einer Variante durch die Westkarpaten, wo sie praktisch den Fernwanderwegen E3 und E8 folgt. Es gibt auch eine verkürzte Variante durch den inneren Karpatenbogen wie auch eine Trasse, die für Radfahrer gedacht ist. Im Mai 2015 planen wir in Kronstadt/Braşov eine Tagung abzuhalten, wo es gerade um dieses Projekt geht. Bis dahin hoffen wir, genügend Erfahrung zu sammeln bei unserer Arbeit an dem E3-Fernwanderweg.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kommentare zu diesem Artikel

Günther, 30.03 2016, 12:00
Jetzt wird das Rad doch tatsächlich nochmals neu erfunden: Wir arbeiten seit 15 Jahren an der Via carpatica. Der Begriff wurde gleichzeitig vom IfS München und uns vor etwa 10 Jahren geprägt und publiziert. Seit vielen Jahren steht "unsere" Route für den E 8 = Via carpatica unter www.viacarpatica.eu im Netz. Kooperationsangebote an offizielle Stellen, SKV, WWF, EWV und NFI wurden nicht mal beantwortet. Nach 10 Jahren Untätigkeit plötzlich Hyperaktivität und Abkupfern der Arbeit anderer. Lockt das EU-Geld? Werden Plagiate auch von der EU gefördert? Dennoch wünschen wir dem Projekt viel Erfolg - nicht nur im Interesse der Wanderer, vielmehr vor allem im Interesse der Menschen in den Karpaten.

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