8 Stunden, 25 Ausstellungsorte, hunderte von Besuchern

Vielfältiges Angebot bei der Weißen Nacht der Galerien

Freitag, 13. Oktober 2017

Videomapping am Johannisplatz

Fotografieausstellung in der Redoute
Fotos: Laura Căpăţână-Juller

In der Nacht vom 6. auf den 7. Oktober hat sich die zeitgenössische Kunstszene aus Kronstadt zur Schau gestellt. Zum zweiten Mal in Folge fand in der Zinnenstadt die Weiße Nacht der Galerien (NAG) statt, ein Projekt das jeden Herbst dem breiten Publikum die Kunst näher bringt, mit der Absicht, diese sichtbar und zugänglich zu machen.

Videomapping, Wandmalerei

Nach Einbruch der Dunkelheit haben Kronstädter sowie Touristen bei anhaltendem Regen ein breites Angebot an Kulturereignissen wahrgenommen. Für etwa acht Stunden öffneten 25 Ausstellungsorte ihre Türen. Das Geschichtsmuseum des Kreises Kronstadt am Alten Marktplatz und die Außenwand des Franziskaner Klosters „Sfântu Ioan“, die an den kürzlich eröffneten Johannisplatz grenzt, wurden zur Leinwand für artistische Videoprojektionen. Die vielen, kleinen Regentropfen haben auf die bunten Regenschirme der Zuschauer wie kleine Trommelschläge musiziert. Die große Wandmalerei am Johannisplatz, die auf Anregung der Vereine Carpaterra und des Lagers für Urbane Kunst/ Depoul de Artă Urbană entstand und von den Lokalbehörden finanziert wurde, verschönert den ehemaligen Parkplatz des Aro- Hotels.

„Ich sehe Änderungen im Vergleich zur ersten Auflage. Manche Künstler sind aus Kronstadt weggezogen, dafür haben viel mehr Ausstellungsräume mit abwechslungsreichen künstlerischen Ausdrucksformen ihr Interesse gezeigt, an der Weißen Nacht der Galerien teilzunehmen. Ich bin sicher, dass jede Auflage eine eigene Dynamik entwickeln wird“, sagt Augustina Stanciu, Veranstalterin seitens des Verbands ARTBURG. Wenn bei der vergangenen Auflage 13 Ausstellungen in Innenräumen zu besichtigen waren, haben heuer 25 Ausstellungsräume, davon zwei unter freiem Himmel, Kunstliebhaber und Neugierige angelockt.

Galerien und alternative Veranstaltungsräume

Kronstadt hat eine einzige staatliche Kunstgalerie, die UAP-Galerie „Europe“, auf der Klostergasse und einige private Galerien. Kunst wird auch in Museen ausgestellt, in alternativen Räumen, so zum Beispiel im Weißen Turm, der auch eigens für das visuelle Festival „Amural“ eröffnet wurde, sonst aber für das Publikum geschlossen bleibt.

Künstlerateliers, Restaurants oder Cafes, Buchhandlungen und kreative Hubs werden auch immer wieder benutzt, um Fotografie- oder Malereiausstellungen, Installationen oder Perfomances ans Publikum zu bringen. Das war bei der Weißen Nacht der Galerien nicht anders. Auch die „Coresi“-Mall, wo hin und wieder verschiedene künstlerische Events präsentiert werden, hat sich an der Veranstaltung beteiligt, das Werk eines Künstlers ausgestellt und zwei Filme ausgestrahlt.

NAG hat die Förderung der zeitgenössischen Kunst als Ziel und ist offen für jeden, der sich künstlerisch ausdrücken möchte. Dabei bieten die Veranstalter den Rahmen dazu, es bleibt jedoch dem Einzelnen überlassen was, wie und wo er ausstellt.

Eine Neuheit bei der zweiten Auflage der Weißen Nacht war eine gemeinsame Ausstellung der Schüler des Hans-Mattis-Teutsch-Kunstlyzeums, die Werke im Weißen Turm ausgestellt haben. „Die Teilnahme an dieser Veranstlatung bedeutet sehr viel, vor allem für die Schüler, die eine sehr gute Erfahrung gemacht haben, ihre Arbeiten an die Öffentlichkeit zu bringen, zudem noch im Weißen Turm, der ein absolut wundervoller Ort ist“, sagt Schulleiterin Elena Doboş.
 

Tanz-Schachtel, Fotografie und Tonmasken

Ebenfalls im Weißen Turm wurden selbstgeschneiderte Kinderkleidungsstücke aus natürlichen Stoffen ausgestellt, wo besonders viele kleine Besucher anzutreffen waren. Kinder sowie zahlreiche Jugendliche, wie im Vorjahr, haben auch die Albrecht-Dürer-Ausstellung im „Casa Mureşenilor“-Museum bewundert, wo Gravuren des Meisters der Renaissance Hunderte angezogen haben. Da fast alle Ausstellungsorte im Stadtzentrum waren, sind wohl kaum welche umgangen worden. So waren die drei Installationen im Multikulturellen Zentrum der Transilvania Universität, wie alle dortigen Veranstaltung auch, sehr gut besucht. Eine von Horia Petraşcu durchdachte Fotografieausstellung hat hunderte von Besuchern auch in die Redoute angelockt. Gleich in der Nähe haben die neuen Veranstaltungsorte wie das „Rope Street Museum“, die „Art Point“- Galerie oder das Irina-Neacşu-Atelier zu Malerei und bildenden Künsten eingeladen.

Wer sich durch den Regen bis zur „Blauen Galerie“ in der Oberen Vorstadt gewagt hat, konnte auf Masken aus Ton stoßen, oder dem Künstler Ioan Aron }²roi beim Schaffen über die Schulter schauen. Hautnah konnte man auch die „Biofilm“-Tanz-Performance erleben, oder drei Minuten mit Tänzerin Anamaria Guguian in einer Tanz-Schachtel eine außergewöhnliche Erfahrung genießen. Die meisten Events im Rahmen der Weißen Nacht der Galerien waren ausschließlich zu diesem Anlaß geöffnet. Der Eintritt war frei.

„Die Weiße Nacht der Galerien“ ist die größte Kulturveranstaltung, die in Rumänien in der Nacht stattfindet und bringt seit 11 Jahren die zeitgenössische Kunst und junge Künstler näher ans Publikum. Im Vorjahr wurde „NAG“ von Bukarest auf andere zehn Städte ausgeweitet, unter denen auch Kronstadt. Die lokale Auflage wird vom Kulturverein ARTBURG organisiert, der Gesellschaftlichen Stiftung und der Agentur der Metropolregion Kronstadt unterstützt und von den Lokalbehörden finanziert.

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