Abschied von Horst Klusch

Ein Leben im Zeichen der Volkskunst und der Forschung

Donnerstag, 18. Dezember 2014

2013 erhielt derVolkskundler Horst Klusch den Ehrenbürger-Titel von Klaus Johannis.
Foto: hermannstaedter.ro

Hermannstadt – Der Hermannstädter Sammler und Volkskundler Horst Klusch ist am Dienstagabend, im Alter von 87 Jahren, verschieden. Der für sein Wissen, seine Bücher und Tätigkeit im In- und Ausland wohlbekannte Forscher erblickte das Licht der Welt am 12. Mai 1927, machte seinen Abschluss zum Lehrer im Pädagogischen Lyzeum und unterrichtete im Unterwald, in Rätsch/Reciu bei Mühlbach/Sebeş, wo er zugleich Lehrer und Direktor an der deutschen Abteilung der Grundschule war. Seine Leidenschaft für das Sammeln begann in dieser Zeit und bekam 1951, als er zum Schulamt nach Mühlbach berufen wurde, einen beträchtlichen Ansporn. In den Dörfern, die er nun aufsuchen musste, um die verschiedenen Schulprobleme zu lösen, gab es eine Vielzahl an sächsischen, rumänischen und ungarischen Töpferwaren, die einst für den Alltagsgebrauch gekauft worden waren. Im Jahr 1959 zogen Horst Klusch und seine Gattin Hildegard nach Hermannstadt/Sibiu, wo er Schuldirektor der Schule Nr. 3 in der Kleinen Erde/Str. Filarmonicii wurde und kurz danach sein Studium an der Fakultät für Physik und Chemie beendete.

Als die Schule 1971 geschlossen wurde und an ihrer Stelle eine Behindertenanstalt entstand, wurde der Keller des Gebäudes in einen Sportsaal umgewandelt. Zur Eröffnung dachte sich der Schuldirektor Klusch etwas Besonderes aus und organisierte gemeinsam mit mehreren Sammlern eine Ausstellung mit Töpferwaren, die rund 300 Exponate umfasste. Viele Besucher wollten sofort einen Krug oder andere Waren kaufen und so entstand die Idee des Töpfermarktes, der im Herbst 1968 zum ersten Mal und im August 2014 zum 46. Mal in Hermannstadt stattfand und welchen Horst Klusch 25 Jahre lang betreute und organisierte. Im Jahr 1971 wurde Klusch im Kulturkomitee des Kreises Hermannstadt als Fachreferent für Museumsfragen eingesetzt. In seiner professionellen Laufbahn gründete er zwei Museen: ein Dorfmuseum in Michelsberg/Cisnădioara und das Textilmuseum in Heltau/Cisnădie und arbeitete mit einer Vielzahl in- und ausländischer Forscher, Sammler und Wissenschaftler zusammen.

Neben Keramik sammelte Klusch, unter anderen, bemalte Bauernmöbel, Glaswaren, Exponate aus Gusseisen, Metallmöbel, Meerschaumpfeifen oder Fotoapparate „aus dem Bewusstsein heraus, etwas zu bewahren. Weil es verschwinden, zerstört werden kann, wenn man es liegen lässt. Und aus Freude daran, etwas Schönes gerettet zu haben!“ so der Sammler in einem Interview im Jahr 2013. Im Verlauf seiner langjährigen Tätigkeit als Volkskundler und Forscher veröffentlichte Horst Klusch eine Vielzahl an Fachbüchern. Einige davon sind „Siebenbürgische Töpferkunst“, „Die Volkstracht im Kreis Hermannstadt“, „Siebenbürgische Goldschmiedekunst“ oder „Zur Ansiedlung der Siebenbürger Sachsen“. Für sein Schaffen erhielt Horst Klusch im Jahr 2012 den „Beatrix und Hans-Christian-Habermann-Preis“ und 2013 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Hermannstadt ernannt.

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