Achte Klasse: Lateinunterricht bleibt aus

Vorschläge zur Unterrichtsaufteilung in den Klassen V-VIII stießen auf Kritik

Mittwoch, 10. Februar 2016

Durch Gruppenarbeit wird zwar der Unterricht lebendiger gestaltet, jedoch müssten im Physik- und Chemieunterricht auch Experimente durchgeführt werden. Die Ausstattung der Schullabors lässt jedoch zu wünschen übrig.

Temeswar – Kein Musik- und kein Lateinunterricht mehr in der achten Klasse, dafür aber Chemie und Physik bereits ab der fünften Klasse: Diese sind nur einige der Inhalte dreier Vorschläge zur Aufteilung der Unterrichtsstunden in den Klassen V-VIII, die das rumänische Unterrichtsministerium Ende 2015 vorgestellt hat und von denen bis am heutigen Mittwoch einer ausgewählt werden soll. Seit 15 Jahren wurden in Rumänien keine Änderungen mehr vorgenommen, was die Aufteilung der Unterrichtsstunden in der Pflichtschule betrifft. Die drei Vorschläge, die zur öffentlichen Debatte standen, haben einen gemeinsamen Nenner: Sie sehen eine Kürzung des Rumänisch-, Erdkunde-, Geschichte- und Biologieunterrichts vor, aber auch, dass in der achten Klasse das Fach Latein überhaupt nicht mehr unterrichtet wird.

Lateinlehrer haben dazu nur eines zu sagen: „Veto! Veto! Veto!“ Denn: „Latein ist ein Elitefach in Europa“, sagt die Latein-Lehrerin an der Nikolaus-Lenau-Schule, Tatiana Krista. „Die altgriechische Mythologie ist für die Bildung des Menschen wichtig“, betont die Lehrerin, die sowohl Latein, als auch Rumänisch an der Temeswarer deutschen Schule unterrichtet. „Viele unserer Absolventen studieren Jura oder Medizin und brauchen die Lateinkenntnisse, die sie sich in der Schule aneignen“, sagt Tatiana Krista, die zur Zeit nur je eine Stunde Latein in der achten Klasse und eine in der Sozialwissenschaften-Klasse am Lyzeum unterrichten muss.

Helene Wolf, die Leiterin der Nikolaus-Lenau-Schule, fände es nicht unbedingt schlecht, dass Physik und Chemie bereits in der fünften Klasse unterrichtet werden. Im Erdkunde-Lehrbuch der fünften Klasse gäbe es Begriffe, die die Schüler eigentlich im Physikunterricht erklärt bekommen sollten. Trotzdem seien mit der Einführung von Physik und Chemie in der fünften Klasse mehrere Probleme verbunden: „Der Unterricht in der fünften und sechsten Klasse soll mit vielen Experimenten stattfinden. Leider ist die Situation an den Schulen in Rumänien ziemlich traurig, was die Ausstattung der Labors betrifft“, betont die Physiklehrerin. An Schulen mit deutschem Muttersprachenunterricht komme es zu einer weiteren Hürde: die fehlenden Lehrbücher in deutscher Sprache. „Zur Zeit haben wir sämtliche Lehrbücher, die nach der Neuauflage nicht übersetzt wurden. Wir arbeiten am Gymnasium mit Lehrbüchern, die vor zehn bis 15 Jahren übersetzt wurden und für die die Inhalte der neuen Lehrpläne anders strukturiert sind“, erklärt Helene Wolf. Auch sie ist der Ansicht, dass das Fach Latein in der achten Klasse bleiben sollte. „Es gehört zur Allgemeinbildung. Es gibt Studiengänge, die Lateinkenntnisse voraussetzen“, sagt sie.

Das Schulfach Musik soll – aus unbekannten Gründen – in der achten Klasse nicht mehr unterrichtet werden, heißt es in einem der drei Vorschläge zur Aufteilung der Unterrichtsstunden in den Klassen V-VIII. Im Zeichen des Protests betraten die Opernsolisten und die Temeswarer Philharmoniker vor knapp zwei Wochen die Bühnen mit weißen Armbinden. „Meiner Ansicht nach würde die Reduzierung des Musikunterrichts an Schulen ein schwerer Fehler darstellen. Die Aneignung von musikalischen Grundkenntnissen, ein Mindestmaß an Einblick in den Bereich der Musikgeschichte und der verschiedenen Musikstile kommt jungen Leuten sehr wohl zu Gute und eröffnet neue Perspektiven“, sagt der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat und Dozent für Violine und Kammermusik an der Temeswarer Musikfakultät, Dr. Johann Fernbach. „Können wir uns ein Leben ohne Musik vorstellen?“, fragt sich der ehemalige Philharmonie-Direktor Johann Fernbach rhetorisch. Seine Meinung teilt auch Schulleiterin Helene Wolf: „Ich finde, dass die Allgemeinbildende Schule zur Allgemeinbildung beitragen soll. Der Musikunterricht gehört natürlich dazu und ist für die Achtklässler bestimmt keine große Belastung“.


Welcher Vorschlag zur Aufteilung der Unterrichtsttunden in den Klassen V-VIII angenommen wurde, erfahren Sie demnächst aus der ADZ/BZ.

 

 

 

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