Ackerbau als Traumberuf

Dr. Radu Taus sieht in der Landwirtschaft viel Entwicklungspotenzial

Samstag, 29. Dezember 2012

Radu Taus ist ein erfolgreicher Landwirt. Foto: privat

Ackerbau macht Spaß und ermöglicht, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen – davon scheint Diplomagraringenieur Dr. Radu Taus zutiefst überzeugt zu sein. Für den jungen Farmer aus Marienburg gehörte die Landwirtschaft schon immer zum Alltag; für seinen Großvater und seinen Vater ist sie eine zusätzliche Einkommensquelle und eine Familientradition. Radu Taus hat das Lyzeum in Marienburg absolviert und anschließend in Klausenburg an der Hochschule für Agrarwissenschaft studiert.

Seine Tätigkeit am Nationalen Institut für Kartoffel- und Zuckerrübenforschung hat ihn für den weiteren Werdegang inspiriert: er promovierte, ebenfalls in Klausenburg, über die Herstellung von Biobrennstoff aus Zuckerrüben-Biomasse. Am Institut arbeitet er weiterhin, doch der Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt nun im Anbau einer verpachteten Fläche von rund 60 Hektar.

Begonnen hat alles mit kleinen Schritten und mit einer bescheidenen Fläche, die seinem Vater gehört. Langsam wurden bessere Geräte gekauft, mehr Grund verpachtet, schließlich sogar europäische Fördergelder beantragt. „Eine Zeit lang habe ich für den Verband der Zuckerrüben-Anbauer aus unserer Gegend gearbeitet“, erklärt Radu Taus.

„In Rumänien gibt es vier Zuckerfabriken und vier Verbände der Landwirte, die Zuckerrüben anbauen. In unserem Verband war ich vor einigen Jahren Geschäftsführer und, als zum ersten Mal europäische Fördergelder ausgeschrieben wurden, entschloss ich mich, selber einen Antrag einzureichen. Leider funktionierte es in Kronstadt aus bürokratischen Gründen nur sehr spät, und ich hatte Glück, dass die Fristen verlängert wurden. Schließlich reichte ich im März 2009 meinen Bewerbungsdossier ein. Mit dem Geld konnte ich zwei Gewächshäuser von jeweils 300 Quadratmetern errichten.“

Im ersten Jahr hatte der Landwirt mit dem Gemüseanbau beachtlichen Erfolg. „2009 war ein regnerisches Jahr und die Gewächshäuser erwiesen sich als eine Chance. Leider folgten weniger günstige Jahre. Es liegt hauptsächlich an der Tatsache, dass die Großhändler sehr niedrige Preise festlegen, sodass sich die aufwendige Arbeit für uns Produzenten nicht wirklich auszahlt.

Wahrscheinlich wäre in unserer Gegend der Blumenanbau rentabler.“  Doch Radu Taus lässt sich nicht entmutigen: „Vielleicht gelingt es, in ein paar Jahren einen eigenen Verkaufspunkt zu eröffnen, und dann wird der Gemüseanbau gewiss ein Erfolg.“

Sicher ist, dass er trotz aller Probleme nicht im Ausland nach Lösungen sucht. Während seines Studiums hat er gemeinsam mit vier Kommilitonen ein zweimonatiges Praktikum in Baden-Württemberg absolviert und hatte die Gelegenheit, die Arbeitsweise der deutschen Landwirte kennenzulernen. „Es hat mir Spaß gemacht“, sagt er.

„Ich hatte ein wenig Deutsch in der Schule gelernt – zwar nicht sehr fleißig, aber immerhin genug, um mich mit meinem ‘Chef’  in Deutschland zu verständigen. Es war von großem Vorteil, dass er selbst viele Mitarbeiter aus Polen beschäftigte und gewöhnt war, ganz einfache Sätze zu formulieren. So konnte ich von ihm viel erfahren und lernen.

Ich habe ihn sehr bewundert, denn morgens um halb sechs, als wir aufstanden, kam er schon vom Feld, und abends, als wir uns schon ausruhten, war sein Arbeitstag noch lange nicht zu Ende. Es wird dort sehr effizient gearbeitet, das hat mich inspiriert.“ Trotzdem wusste Radu Taus, dass er die Erfahrung mit nach Hause nehmen und nicht ans Auswandern denken würde. „Zu Hause ging es mir damals schon gut. Ich möchte meine Arbeit gerne selber koordinieren und selbstständig sein.“

Schwierigkeiten gibt es genug: erstens, weil die Verkaufspreise niedrig sind und der Schwarzmarkt blüht, so der junge Landwirt. „Deshalb baue ich Zuckerrüben an. Ich habe einen Vertrag mit der Zuckerfabrik unterzeichnet, der mir Sicherheit gibt. Andere Pflanzenkulturen sind arbeitsaufwendiger und fordern mehr Risikobereitschaft.“ Ein weiterer Grund, weshalb die Landwirtschaft in Rumänien zu leiden hat, sind die massiven Importe.

„Im Ausland wird viel billiger produziert, vor allem weil mit sehr leistungsfähigen Geräten gearbeitet wird, und die Flächen viel größer sind, als in Rumänien, wo der Ackerboden ‘zerstückelt’ ist“, sagt Radu Taus. Ihm gelingt es trotzdem, von Jahr zu Jahr höhere Leistung zu erbringen. Auch wenn die Subventionen vom Staat nicht unbedingt im Verhältnis zu den Ausgaben stehen, konnte der Landwirt bisher ohne Bankkredite auskommen. Er plant nur, was er selber tragen kann, und hat in seinem Bruder und seinem Vater zwei verlässliche Mitarbeiter. Seine Pläne? „Ich möchte meine Arbeit mit kleinen Schritten weiterführen und ausbauen.“ 

Ob der junge Familienvater auch Freizeit hat? „Selbstverständlich. Wir richten unseren Alltag nach der jeweiligen Saison. Hart wird es nur, wenn gesät oder geerntet wird. Dann gilt es, möglichst früh aufzustehen, möglichst fleißig zu sein, und möglichst spät zu Bett zu gehen. Aber wir tun es gerne.“

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