Ad multos annos, ADZ!

Mittwoch, 13. März 2019

Im Arader deutschen Kindergarten durften wir einmal mit einem Geburtstagskind zusammen feiern.

Es war 2008 und wir waren unterwegs nach Feny, als unser „Hippie Van“ im Matsch feststeckte. Fotos: Zoltán Pázmány

Es war im Oktober 2006, als wir das erste Mal als festangestellte Redakteurinnen der ADZ die Redaktionsräume betreten durften. „Redaktionsräume“ ist viel gesagt, denn wir drängten uns in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Stelelor-Straße in Temeswar. Wir teilten uns einen Computer und halfen uns gegenseitig, denn am Anfang dauerte es oftmals eine Stunde, bis wir eine 1500-Zeichen-Nachricht verfasst hatten, und die war meist voller Fehler. Wir waren noch Studentinnen der Journalistik und Germanistik, es war unser letztes Jahr an der Uni, und sich die Zeit zwischen Studium und Vollzeit-Job einteilen war manchmal eine schwierige Angelegenheit. Doch wir stießen auf Verständnis und wir schafften es, Studium und Beruf in Einklang zu bringen. Zumindest einigermaßen. Und wenn noch Hans Frank, Gott habe ihn selig, einige Lobesworte von Bukarest nach Temeswar übermittelte, waren wir überglücklich. 

Die Zeit verging und wir wurden besser. Wir begannen, die Lokalpolitik und -wirtschaft zu verstehen und unsere Nachrichten und Berichte klangen schon deutlich besser. Wir lernten Menschen kennen und verschafften uns Kontakte, Informationsquellen. Wir bereisten das ganze Banat und schufen Erinnerungen, die uns noch heute ein Lächeln in die Mundwinkel zaubern. Wie zum Beispiel damals, 2008, als wir über den deutschen Kindergarten in Arad schrieben und uns an die kleinen Tische setzen mussten. Oder als wir im ungarischen Kurort Gyula auf Recherche waren und am Ende des Interviews mit dem Kurbaddirektor noch in den Becken plantschen durften. Oder damals, als wir den falschen Weg nach Feny/Foeni einschlugen und den „Hippie Van“ getauften Redaktionsbus schieben mussten, um nicht im Schlamm stecken zu bleiben. Schön war´s auch 2007 in Opătița, als uns der inzwischen leider verstorbene Reschitzaer Museumsdirektor Dumitru Șeicu Menschenknochen in die Hand gab. Oder 2008, als es bis hoch oben auf die Basilika Maria Radna ging, und das trotz Höhenangst. Journalismus hilft einem dabei, Hemmungen und Ängste zu überwinden. Und macht einen zu einem Menschenkenner und -freund. 

Mit der ADZ kamen wir viel, viel früher in Kontakt. Als Kindergartenkinder hatte uns der ADZ/BZ-Fotoreporter Karl Szélhegyi-Windberger abgeknipst und die Fotos in der „Banater Zeitung“ veröffentlicht – er sollte Jahre später unser Kollege bei der Zeitung werden. Im Lyzeum durften wir infolge eines Journalistikkurses unter der Leitung von ADZ/BZ-Redakteur Siegfried Thiel die ersten Eindrücke vom journalistischen Schreiben gewinnen. Die Beiträge, die ab und zu auf den Seiten der ADZ/BZ erschienen, brachten nicht nur uns, sondern der gesamten Familie Freude. Heute noch stehen alte ausgeschnittene Zeitungstexte dafür als Beweis. 

Wir lernten das Artikelschreiben schnell lieben und irgendwie brachte unser Kontakt mit der ADZ all unsere Zukunftspläne durcheinander. Ich, Raluca Nelepcu, war nämlich fest überzeugt gewesen, Tierärztin zu werden. Und ich, Andreea Oance, wollte Germanistik studieren und in einem Übersetzerbüro arbeiten. Schon bald hatten wir aber eine klare Vorstellung von unserem künftigen Beruf, als Journalistik schnell an erste Stelle auf unserer Wunschliste kam. Wir studierten Journalismus und Germanistik an der West-Universität und vertieften um ein Vielfaches jene Kenntnisse, die wir uns infolge der journalistischen Ausbildung an der Nikolaus-Lenau-Schule angeeignet hatten. 

Die ADZ hat uns praktisch die meiste Zeit auf unserem Werdegang, auf dem Weg zum Erwachsenwerden, begleitet. Der Beruf hat uns vieles über die Welt und die Menschen gelehrt. Man geht skeptischer mit Äußerungen von Politikern um und man kann viel leichter die ehrlichen von den unehrlichen Leuten unterscheiden. Man hört sich Lebensgeschichten an, die einen zu Tränen rühren, und wenn man glaubt, das Leben sei zu schwer, bekommt man neuen Schwung und Lebenslust, wenn man im Alltag tapferen und lebensfreudigen Menschen, die wahre Schwierigkeiten überwunden haben, begegnet. 

Wie oft müssen Sie im Urlaub an Ihren Job denken? Und das, ohne die Last der Pflicht zu empfinden… Uns geht es sehr oft so, und wir denken meist in unserer Freizeit an den nächsten Beitrag, die nächste Reportage oder an den nächsten Bericht. Journalismus ist ein Rund-um-die-Uhr-Job, der uns nicht schwerfällt. Ganz nach dem Motto: „Tue das, was du liebst, und du musst nie wieder arbeiten“.
Liebe ADZ, wir freuen uns, dass auch wir seit 13 Jahren Teil deiner Geschichte sein dürfen und planen, noch viele weitere Jahre beruflich für dich tätig zu sein. Ad multos annos!

 

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