AHK warnt vor der brüsken Erhöhung des Mindestlohns

Er sollte an wachsende Produktivität gebunden sein

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Bukarest (ADZ) - Die deutsch-rumänische Handelskammer (AHK) und die französische Industrie- und Handelskammer in Rumänien (CCIFER) fordern eine progressive Erhöhung des Mindestlohns und erklären sich besorgt die Auswirkungen einer Erhöhung des Mindestlohns auf die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit betreffend, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Der Mindestlohn müsse mit einer wachsenden Produktivität und der Situation auf dem Arbeitsmarkt verbunden sein. Eine brüske Erhöhung des Mindestlohns würde bei den Tarifverhandlungen zu einer Steigerung der Lohnmasse in ihrer Gesamtheit führen. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen könnte dies zu dem Verlust von Arbeitsplätzen führen. Ihre Empfehlung in dieser Angelegenheit ist eine progressive Anpassung des Mindestlohns an die reale Wirtschaft.

Anfang Dezember wiesen fünf Gewerkschaftsverbände ihrerseits darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum gerechter verteilt werden sollte. Der Anteil der Löhne am BIP ist in Rumänien in den vergangenen Jahren auf 31 Prozent gesunken – EU-weit der niedrigste Wert –, was wesentlich an den seit 2011 durch das neue Arbeitsgesetz erschwerten Tarifverhandlungen liege.

Den Gewerkschaften zufolge liegt das hohe Armutsrisiko in Rumänien u. a. an einem unangemessenen Lohnniveau. Bis Jahresende will die Regierung entscheiden, ob der Mindestlohn von 1050 Lei auf 1200 Lei erhöht werden soll.

Kommentare zu diesem Artikel

Sraffa, 29.12 2015, 02:11
@Christoph : Ihren Einwand teile ich. Klar ist der verschleiernde Charakter der Begriffe "Wettbewerbsfähigkeit" offen zu legen und Ihre Forderungen sind deutlicher und vermehrt zu thematisieren. Wie "Wettbewerb" in Praxis oft aussieht offenbaren ja beispielsweise die offengelegten Geschäftspraktiken der Großbanken sehr deutlich. Und ganz ähnklich wurde in den vergangenen Jahrzehnten auch mit dem wirtschaftlichen Schicksal ganzer Staaten gespielt, u.a. von Rumänien.
giftschlange, 28.12 2015, 15:14
Das,das den ausländischen Unternehmungen nicht passt ich doch klar,je niedriger das Lohnniveau um so höher die Profite.Aber die
arbeitenden Menschen des Landes haben ein Recht darauf einen gerechten Lohn zu erhalten.
Wenn man alleine bedenkt,was ein/e Beschäftigte/r in einer Kleiderfabrik verdient und dann die Preise sieht zu welchen im Ausland, in Rumänien, erzeugte Ware verkauft wird,kann man nur explodieren vor Wut.Alle die Unternehmen haben und verdienen auch heute noch sehr viel Geld in Rumänien auf Grund der niedrigen Lohnkosten.Die Gewerkschaften und die Regierung ist aufgefordert sich für eine gerechte Entlohnung aller Beschäftigten einzusetzen.Gute Löhne führen zur erhöhten Kaufkraft der Menschen und fördern damit den Wirtschaftsaufschwung.
Anke, 28.12 2015, 09:47
Naruerlich will kein auslaendisches unternehmen mindestloehne in rumaenien...dann muessten ja lidl kaufland auchan und carrefour korrekt bezahlen...nur sklaven bezahlt man ja nicht korrekt...
Christoph, 26.12 2015, 11:23
Sie haben Recht, die Korruption ist sicherlich Grund Nummer eins für die wirtschaftlich schwierige Situation in Rumänien.

Das Wort Wettbewerbsfähigkeit allerdings sollten Sie vorsichtiger verwenden. Es ist ein typisch manipulierender Kampfbegriff der deutschen Wirtschaftsliberalen. Wettbewerbsfähigkeit, das klingt nach fairen Regeln, nach Sportsgeist, danach, als wenn eine große Anstrengung zu großem Erfolg führen könnte. In Wirklichkeit gewinnt in der Wirtschaft (überall in Europa) immer der, der mehr Geld mitbringt und sich nicht an die Regeln hält. Wer hart arbeitet und fair spielt, kann sich gerade so über Wasser halten. Wettbewerbsfähigkeit in diesem Kontext heißt nur, noch rücksichtsloser als die anderen zu agieren.

Eine fortschrittliche Wirtschaftspolitik sollte für mehr Fairness sorgen und die Teilhabe aller europäischen Länder am wirtschaftlichen Erfolg zum Ziel haben. Das ist es aber nicht, was unsere Kanzlerin unter Wettbewerbsfähigkeit versteht.
Sraffa, 26.12 2015, 03:03
Leider thematisieren Ökonomen zu wenig die quantitativen Auswirkungen von Korruption auf die Entwicklung einer Volkswirtschaft. Völlig unbestritten ist daß der Mindestlohn zu niedrig und dessen Anhebung -isoliert betrachtet- die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt. Aber warum redet niemand darüber daß die grassierende Korruption die Wettbewerbsfähigkeit des Landes schon derart beinträchtigt wie eine Verdreifachung des Mindestlohnes ??? Die Eliminierung dieser Korruption ist und bleibt der wesentliche Wachstumsmotor Rumäniens !
Christoph, 24.12 2015, 14:10
Aber natürlich fordern die Arbeitgeber einen möglichst niedrigen Mindestlohn, fließt doch jeder einzelne Lei, der nicht als Lohn ausgezahlt wird, direkt in die eigene Tasche. Wie kann es denn sein, dass diejenigen, die durch ihre Arbeit 100% des BIP erzeugen, davon nur 31% bekommen? Die restlichen 69% gehen an die SUV-Fahrer in Bukarest. Frohe Weihnachten.

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