„Alle mobilisierten Deutschen zum Wiederaufbau einsetzen“ (II)

Zur Deportation von Deutschen aus dem östlichen und südöstlichen Europa in die Sowjetunion 1945-1949

Mittwoch, 25. März 2015

Die Umsetzung der Maßnahmen begann im Herbst 1944 in Jugoslawien. Hier wurde, gemäß einer Abmachung zwischen Stalin und Tito, die gesamte Operation zur Internierung und Mobilisierung der Deutschen aus diesen Gebieten vom Nationalkomitee zur Befreiung Jugoslawiens durchgeführt, die sowjetischen Kräfte übernahmen nur die Deportierten und überführten sie in die UdSSR. Verglichen mit jenen, die in Titos Todeslager verbracht wurden, hatten die Deportierten zu-mindest eine Überlebenschance, denn vor Ort entluden sich gegenüber der donauschwäbischen Bevölkerung die in vier Jahren deutscher Besatzungsherrschaft aufgestauten Vergeltungsbedürfnisse der sogenannten Partisanen und ihrer Anhänger.

Hauptschauplatz der sogenannten Mobilisierung und Internierung der arbeitsfähigen deutschen Bevölkerung aus Südosteuropa wurde alsbald Rumänien.

Am 31. Dezember 1944 überreichte die Alliierte Kontrollkommission der rumänischen Regierung die Note 031 mit der Aufforderung, alle Deutschen für Arbeiten in der Sowjetunion zur Verfügung zu stellen; Männer im Alter von 17 bis 45, Frauen im Alter von 18 bis 30 Jahren, bis auf Schwangere, Frauen mit Kindern unter einem Jahr und Arbeitsunfähige. Die Auszuhebenden sollten unter der Verantwortlichkeit von rumänischen Polizeiinspektoren in Sammelstellen in der Nähe von Eisenbahnstationen zusammengeführt werden. Die rumänische Regierung befasste sich am 5. und 10. Januar in zwei Kabinettssitzungen mit der bevorstehenden Deportation; die konkreten Beschlüsse sind jedoch immer noch nicht bekannt. Allerdings erlaubte sie sich in einer Note an den stellvertretenden Vorsitzenden der Alliierten Kontrollkommission für Rumänien, General Vinogradov, folgenden Hinweis:

„Desorganisierte Rüstungsindustrien, brachliegende Äcker, ungenutzte Wälder, zahlreiche Staats- und Privatunternehmen mit unvollständiger Belegschaft, das in Frage gestellte Funktionieren zahlreicher Institutionen, mit einem Wort: die schlimmste Erschütterung aller ökonomischen und administrativen Aktivitäten des Staates wären die Folge einer solchen Maßnahme (…).

(…) Auch (ist) die Verpflichtung der rumänischen Regierung besonders zu unterstreichen, über die Interessen aller ihrer Untertanen, ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, wachen zu müssen. Ohne ferner auf die schmerzliche Umsiedlung einer ganzen Bevölkerungsgruppe mitten im Winter und so weit entfernt von ihrem Heim hinzuweisen, ohne schließlich die Leiden der Familien herauszustreichen, die zerrissen werden (…) bitten wir Sie, gütigst zu prüfen, ob es (…) möglich ist, die vom sowjetischen Kommando getroffene Entscheidung zu ändern oder zumindest in einem möglichst großen Ausmaß zu lindern.“

Dessen ungeachtet wurde Stalins Verordnung zwischen dem 11. und 16. Januar 1945 in ganz Rumänien – unter den Siebenbürger Sachsen, den Banater und Sathmarschwaben, den Banater Berglanddeutschen, den Oberwischauer „Zipsern“, unter den anderen deutschen Bürgern des Landes – durchgeführt. Die schrecklichen Vorgänge, die auch die Mitbürger nicht unberührt ließen, hält ein Bericht des rumänischen Geheimdienstes vom 16. Januar 1945 fest:„Während der Verhaftungen haben sich in der Hauptstadt und in den Provinzstädten tragische Szenen abgespielt, vor allem dort, wo Eltern von ihren Kindern getrennt und diese ihrem Schicksal überlassen wurden.

In den Reihen der rumänischen Bevölkerung und besonders unter den Rumänen Siebenbürgens wird (…) Mitgefühl für das Schicksal der deutschen Minderheitler geäußert, ihre Deportation wird als großer Verlust für das menschliche und wirtschaftliche Potenzial des Landes dargestellt (…).

Unter dem Eindruck der Verhaftungen macht sich auch unter den Rumänen eine tiefe Beunruhigung über das eigene Schicksal breit, da erwartet wird, dass die sowjetischen Stellen in naher Zukunft auch Rumänen zur Arbeit in der Sowjetunion anfordern werden.“

Dieses Mitgefühl beobachteten die Sowjets argwöhnisch, zumal vorzeitig Informationen über die geplanten Operationen durchsickerten, die es einigen Deutschen ermöglichten, im letzten Augenblick ihre Nationalität oder ihren Aufenthaltsort zu wechseln bzw. sich zu verstecken. „Desorganisation“ (nach sowjetischem Verständnis) bedeuteten auch die zahlreichen Gesuche um Befreiung wertvoller Fachleute von der Mobilisierung sowie die Ehen, die kurzfristig zwischen deutschen Frauen und Rumänen geschlossen wurden, laut Berichten der NKWD-Offiziere auch noch vor den Toren der Sammelstellen.

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