Alles „elektro“ oder was?

Beim Kostenvergleich zwischen Elektroautos und klassischen Pkw halten sich die Unterschiede in Grenzen

Montag, 01. Oktober 2018

In das Tesla Model X passen die Familie, der halbe Haushalt und bestimmt noch ein kleiner Hund hinein. Foto: www.tesla.com/presskit

Der bekannte Waffenhersteller Kalashnikov stellte sein Können unter Beweis und zeigte im August das Elektro-Konzeptfahrzeug CV-1. Foto: en.kalashnikov.media

In Hermannstadt gibt es Ladestationen auf dem Parkplatz an der 90er Kaserne und des Supermarktes Kaufland am Mühlberg/Șoseaua Alba Iulia.

Die Menschheit lebt auf Pump. Der Forschungsorganisation Global Footprint zufolge fiel der sogenannte Erdüberlastungstag (im Englischen World Overshoot Day) im laufenden Jahr bereits auf den 1. August. Das heißt konkret, dass seitdem die natürlichen Ressourcen der Erde, die innerhalb eines Jahres nachwachsen könnten, bereits aufgebraucht sind. Dabei werden der Verbrauch von natürlichen Ressourcen wie Holz, tierischen Produkten oder die Bodennutzung, aber auch der weltweit verursachte CO2-Ausstoß berücksichtigt. Der bereits festgestellte Abwärtstrend wird durch die neuerdings immer häufiger vorkommenden Umweltkatastrophen wie Waldbrände oder Stürme freilich nicht gemildert.

Kurzum, es steht nicht gut um den Planeten. Die Forschung und sogar die ansonsten als Umweltbelastungsfaktor betrachtete Industrie könnten jedoch zur Verzögerung der Wirkungen der Umweltschäden beitragen. Abgesehen von den Millionen Bäumen, die jährlich gepflanzt werden und den Aktionen zur Abfallsammlung in Meeren und Ozeanen macht sich besonders in der Automobil-Industrie der neue und aufregende Trend bemerkbar, auf erneuerbare oder umweltschonende Energien umzusteigen. Der Stein kam mit Elon Musk und seinem Elektroautohersteller Tesla so richtig ins Rollen, und auch Giganten wie Mercedes, Audi, Volvo, Mazda oder gar Maserati wollen den Zug natürlich nicht verpassen. Dabei werden die Eckdaten Jahr um Jahr immer attraktiver, Staaten unterstützen einen solchen Kauf finanziell, lokale Gemeinschaften finanzieren oder lassen sich die Einrichtung von Lade- und Schnellladestationen finanzieren und die Autos selbst werden von der Technik her immer besser, sodass sie (zumindest was die Laufleistung betrifft) den herkömmlichen, kraftstoffbetriebenen Fahrzeugen bald nicht nur das Wasser reichen können, sondern diese auch übertreffen werden.

Was ist überhaupt ein Elektroauto?

Nach amtlicher Definition ist es ein Kraftfahrzeug zur Personenbeförderung mit mindestens vier Rädern, das von einem Elektromotor angetrieben wird und die zu seiner Fortbewegung notwendige Energie von einer Traktionsbatterie bezieht. Mit der Entwicklung leistungsstarker Akkumulatoren in den 2000er Jahren erfuhr auch der Markt für Elektroautos einen neuen Aufschwung. Attraktiv ist zudem, dass die Autos beinahe lautlos fahren, was sich auf den Fahrkomfort auswirkt, hinzu kommt der fast inexistente CO2-Ausstoß und das immer bessere Design, das sich innerhalb von wenigen Jahren von ästhetisch fragwürdigen Modellen zu wahren Kunstwerken auf Rädern entwickelte. Aktuell verfügen Elektroautos, je nach Modell, über eine Reichweite von bis zu knapp 600 Kilometern, wobei Könner diese durch effizientes Fahren oder „Hypermiling“ bis auf rund 900 Kilometer strecken können. Die Methode ist jedoch umstritten, da der langsame Fahrstil, der Energie spart und eine solche Reichweite oder mehr ermöglicht, im Alltagsleben wohl kaum anwendbar wäre.

Selbst Rumänien hat die Vorzüge der Elektroautos erkannt. Mittlerweile fahren Hunderte Fahrzeuge bereits auf den Straßen des Landes. Seit 2012 bis Juli des laufenden Jahres wurden, so die rumänische Kfz-Zulassungsbehörde (RAR), über 560 rein elektrische Fahrzeuge zugelassen, die vor allem in Bukarest, aber auch im Westen und der Mitte des Landes anzutreffen sind. Dabei fördert der rumänische Staat den Kauf eines Elektroautos durch das Programm „Rabla Plus“ mit ganzen 10.000 Euro (rund 45.000 Lei), wobei der Wert des sogenannten Öko-Tickets nicht mehr als die Hälfte des Kaufpreises betragen darf und direkt vom Wert des elektrischen Neuwagens abgezogen wird, sodass das Geld de facto beim Käufer nie ankommt. Dementsprechend werden Elektroautos auch hierzulande immer beliebter: innerhalb von nur einem Jahr verdoppelte sich dem Verband der Automobilproduzenten und -importeure (APIA) zufolge die Anzahl der verkauften Elektro- und Hybridfahrzeuge. Im Vergleich zu 2017 war in den ersten vier Monaten des Jahres ein Wachstum von rund 83 Prozent beim Verkauf ökologischer Fahrzeuge zu verzeichnen. In Zahlen kauften die Rumänen in den ersten vier Monaten dieses Jahres 1003 Stück, 2017 waren es knapp 550. Von diesen waren 238 Elektrofahrzeuge und 765 Hybridfahrzeuge. Zu den in Rumänien beliebtesten Modellen gehören bei den Elektroautos diejenigen von Volkswagen, Smart, BMW, Mercedes Benz, Re-nault, Volvo, Audi, Mitsubishi, Porsche und Kia und bei den Hybridfahrzeugen diejenigen von Toyota, Kia und Audi.

Lohnt sich die Anschaffung in Rumänien?

Wenn man sich die Angebote der Autohäuser ansieht und aus finanziellen Gründen auch das Abwrackprogramm „Rabla Plus“ in Anspruch nimmt, zahlt man für einen Neuwagen etwa zwischen 15.000 und 17.000 Euro, was im Vergleich zu einem gewöhnlichen Kraftfahrzeug geradezu attraktiv erscheint. Zudem muss man bedenken, dass sich Instandhaltung und Reparaturen auf ein Minimum beschränken. Bei dem Fahrzeug kann so gut wie nichts kaputtgehen, weil es praktisch eine überdimensionierte Batterie ist. Der wichtigste Vorzug im Vergleich zwischen Elektroautos und kraftstoffbetriebenen Fahrzeugen derselben Marke und desselben Modells sind die laufenden Kosten. Ein Elektroauto verbraucht ab zwölf Kilowattstunden pro 100 Kilometer, was mit ungefähr sechs Lei pro 100 Kilometer zu übersetzen ist. Fährt das Fahrzeug dabei etwa 100 Kilometer am Tag, sammeln sich in einem Jahr Kosten von etwas über 460 Euro an, im Vergleich zu 2200 Euro für dasselbe kraftstoffbetriebene Modell. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass nach fünf bis zehn Jahren neue Akkus vonnöten sind, was nochmal an die 6000 bis 9000 Euro kostet und die Rentabilität bei einigen Modellen spürbar beeinträchtigt.

Weitere Begünstigungen sind die Steuer, die bei elektrischen Fahrzeugen bei Null liegt, das in Rumänien, aber auch vielerorts in Europa kostenlose Laden, der kostenlose Service und andere Aspekte. In Rumänien sind Routen wie Bukarest-Hermannstadt/Sibiu oder Jassy/Iași-Bistritz/Bistrița mit einer Batterieladung kein Problem und nach der Fahrt ist die anschließende Ladezeit meist auch nicht ausschlaggebend, vor allem Dank der Schnellladestationen, die das Fahrzeug in einer Stunde ausreichend laden, sodass anschließend rund 300 Kilometer damit gefahren werden können.

Deutliches Plus: Umweltschutz, Sicherheit, Komfort

Weitere attraktive Punkte, die vor allem bei jungen Leuten gut ankommen, sind, abgesehen von der Umweltfreundlichkeit, Komfort und Sicherheit, worin sich die Hersteller jährlich übertreffen und verschiedenste Lösungen für diverse Probleme bieten, von denen man gar nicht wusste, dass man sie hat.

Wie immer auch die Kaufentscheidung ausfällt: Langfristig sind beim Erwerb eines Elektroautos keine weltbewegenden Unterschiede zum konventionellen kraftstoffbetriebenen Fahrzeug festzustellen, was die globalen Kosten anbelangt. Berücksichtigt man in der Berechnung den Kaufpreis und die Kosten der Energiequellen, spart man an einem Ende und gibt dafür am anderen mehr aus, wobei nach einer gründlichen Recherche sicherlich auch preiswerte Varianten aufzuspüren sind. Wichtige Argumente für den Kauf eines Elektroautos sind jedoch Umweltschutz, Komfort und Sicherheit. Zahlt man ohnehin das ungefähr gleiche (und das nicht wenig), sollte man sich dann nicht wenigstens dieses Vergnügen gönnen?

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