Alles ist anders, als es scheint

Museum der optischen Täuschungen tourt durch Rumänien

Freitag, 24. August 2018

Das 3D-Bild könnte einem einen Schrecken einjagen.

Die Sinne werden getäuscht.

Ein faszinierendes Erlebnis für den kleinen Jungen.

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, wie ein Vogel in der Luft zu schweben? Oder sich zumindest insgeheim gewünscht, schlanker zu sein, eine andere Augenfarbe oder Gesichtsform zu haben? Und wer hat nicht mit dem Gedanken gespielt, Magie zu beherrschen, genau wie David Copperfield? Im ersten Täuschungsmuseum Rumäniens können all diese Dinge zur Wirklichkeit werden, mehr noch, die Tricks der Illusionisten werden enthüllt.

Ein zweieinhalb Jahre alter Junge starrt minutenlang in einen der 24 verformenden Spiegel im Illusionsmuseum („Muzeul Iluziilor Optice“), das zwischen dem 1. und dem 12. August zum ersten Mal in Kronstadt/Brașov weilte. Er wundert und amüsiert sich zugleich über die witzigen Formen, die er annimmt, mal rund wie ein Luftballon mit einem winzigen Kopf, mal dünn wie eine Nadel und mit verschwommenen Armen. Nur das Zoetrop, auch Wundertrommel genannt, kann sein Interesse noch dermaßen wecken wie die Spiegel mit dem witzigen Zerr-Effekt. Durch die Abfolge von Fotos, auf denen sukzessive Phasen der Bewegung eines Pferdes mit Reiter zu sehen sind, wird  Bewegung vortäuscht und der kleine Junge sieht eine Filmsequenz. Er ist fasziniert. Begeistert sind auch andere Besucher, die sich frei im Raum bewegen und die Kaleidoskope entdecken, wo sie ihre Gesichter hundertfach sehen können, oder sich auf ein Bett mit 2200 Nägeln legen, ganz ohne Schmerz. Lustig wird es auch, wenn man den lächelnden Kopf seines Mannes auf dem Teller serviert bekommt, wobei nichts vom Körper zu sehen ist, oder wenn ein gefährlicher Tiger einen anzuspringen scheint, man aber klar weiß, dass es sich nur um eine 3D Fotografie handelt.

Alle drei unterschiedlichen Täuschungstypen, die das Museum bilden, finden ihr Publikum: die verformenden Spiegel, die optischen Illusionen, wo über 50 Bilder in kleinem und großem Format für Erstaunen sorgen und die Objekte, die ausprobiert werden können und einzigartige Erlebnisse vermitteln. Eine empfehlenswerte Erfahrung, die für die ganze Familie nicht nur spaßig, sondern auch lehrreich ist.

Wissenschaft, keine Magie

Heute ist David Museumsführer. Nicht David Copperfield, obwohl er Tricks aus dessen Repertoire zeigt und mit verschiedenen Stäben und Geräten wie ein Illusionist aussieht. David ist ein junger Mann mit Bart, der sich wirklich gut mit „Magie“ auszukennen scheint. Auf einem langen Tisch stehen zahlreiche Objekte, die man nicht tagtäglich sieht und anhand derer er erklärt, wie Täuschung funktioniert. Denn eines der Hauptziele dieses Museums ist „einen Anreiz zum Denken zu geben und die logischen und natürlichen Mechanismen zu verstehen, auf denen die Illusionen aufbauen“, wie Adrian Filpișan, einer der Gründer des Museums, erklärt.

So wirkt eine Kugel, in der kleine Funken zappeln und die einem Mädchen die Haare  elektrisiert, nach Davids Erklärungen und Demonstration nicht mehr wie das verzauberte Instrument einer Hexe, sondern wie ein schlichtes elektrisches Gerät. Die Kinder machen große Augen, klatschen vor Freude und dürfen die Hexerei mit dem Van der Graaff-Bandgenerator selber ausprobieren. Dass der Apparat hohe elektrische Gleichspannung erzeugt, die allerdings einen sehr geringen Wirkungsgrad hat und nicht gefährlich ist, haben vielleicht nicht alle verstanden, es sind sehr viele Kindergartenkinder dabei, doch ist ihnen klar, dass es etwas mit Wissenschaft zu tun hat und von jedem kontrolliert werden kann. Noch spannender ist natürlich das Schweben in der Luft. Die im Fernsehen oder bei Live-Shows gesehenen Levitationen, über die man nur staunen kann, werden im Nullkommanichts für jedermann enthüllt, ausprobiert und selbstverständlich mit dem Handy verewigt.

Dass einige der Objekte oder Tricks für manche Besucher schon bekannt sind, wie beispielsweise das Kaleidoskop oder die täuschenden Bilder mit starren Punkten, die bei genauem Anblick zu tanzen beginnen, kann vielleicht enttäuschend sein. Nichtsdestotrotz sind über 100 unterschiedliche Gegenstände und Illusionen hier alle an einem Ort anzutreffen, in Kategorien aufgeteilt und sogar erklärt, was einen Überblick in Sachen Illusionen schafft. Ein Kartenspiel mit optischen Täuschungen wurde zum Verkauf angeboten und von vielen der tausenden Besucher gekauft.

Geschichte des Täuschungsmuseums

Die Idee, ein Museum der Sinnestäuschungen zu gründen, ist relativ neu. Vor drei Jahren hat der Kroate Roko Zivkovic das erste derartige Museum in Kroatiens Hauptstadt Zagreb ins Leben gerufen. Ein Jahr später öffneten Illusionsmuseen in Zadar, an der kroatischen Adriaküste und in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana, gefolgt von Wien (Österreich). Täuschungsmuseen sind auch in anderen europäischen Städten, aber auch in Moskau oder Los Angeles anzutreffen.

In Rumänien haben einige Freunde das einzige mobile Museum der Illusionen gegründet. Es ist das zweite interaktive, lehrreiche Projekt des „Astronomischen Vereins Pluto”, gebildet aus von Physik, Astronomie und  Wissenschaft begeisterten Klausenburger Ingenieuren, die mit dem mobilen Planetarium seit dem Vorjahr durch das Land reisen. Dort lernen die Besucher unter anderem etwas über Sternenkonstellationen, Sonnenfinsternis, die Entstehung der Jahreszeiten oder astronomische Geräte. „Wir versuchen, an so viele Leute wie möglich heran zu kommen und stellen unsere mobilen Museen in Großstädten aus, bei großer Nachfrage sogar mehr-mals“, sagt Dan Colțea, einer der Gründer des Museums. Nachdem das Illusionsmuseum in den vergangenen Monaten schon in Städten wie Großwardein/Oradea, Galatz/Galați, Jassy/ Iași oder Klausenburg/Cluj-Napoca war, folgen Temeswar/ Timișoara, Suceava, Baia Mare, Râmnicu Vâlcea, Buzău und wieder Jassy, sowie weitere Großstädte Rumäniens. Parallel laufen auch Vorführungen mit dem Planetarium in anderen Städten.

Der Besuch eines Museums, das die Sinne verwirrt, ist eine tolle Aktivität für den Sommer, aber nicht nur. Die Experimente, die von den Besuchern mit so viel Neugier und Interesse durchgeführt wurden und auf spannende Art und Weise Groß und Klein erhellen, wären bestimmt auch in Schulen sehr willkommen, „eine unkonventionelle, aber sehr nützliche Ergänzung der Erziehung“ wie Adrian Filpișan, ebenfalls Gründer des Museums, weiß.

Nähere Informationen zu den Events sind in der Lokalpresse oder auf Facebook unter „Muzeul Iluziilor Optice“ und dem Namen der Stadt zu finden. Der Besuch ist anmeldepflichtig, dauert eine Stunde und kostet 15 Lei pro Person, ausgenommen Kinder unter drei Jahren.

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