„Alles, was besprochen wurde, wurde gleich verwendet“

Der Ostkurs wendet sich an junge Journalisten aus Südosteuropa

Sonntag, 20. August 2017

Osteuropäische Journalistinnen beim Filmdrehen

Besonders wichtig war das Treffen mit Profis aus der deutschen Medienlandschaft. Hier das Modul „Pressefoto“
Foto: privat

Es ist ein angenehm kühler Morgen, als ein Paar Leute auf der Terasse sich allmählich an den Tisch setzten. Es ist ruhig und die Gebäude rund um den Hof scheinen der Stille zu lauschen. Innerhalb von ein paar Minuten wird die Stimmung munter. Junge Leute erzählen sich, was sie am Vorabend unternommen haben – manche sind ins Freibad gegangen, andere haben eine Ausstellung besucht, einen Einkaufsbummel gemacht oder einfach gearbeitet. Es ist ein buntes Geschehen, das von ein paar „Erwachsenen“ vervollständigt wird. Sie kümmern sich um das Wohl der anderen: War alles in Ordnung beim Seminar? Wie sind die Dozenten? Und: Was ist der Plan für heute? Um neun Uhr  leert sich die Terasse. Der gutgelaunte Menschenschwarm strömt zurück ins Gebäude, die Dozenten warten schon in den Sälen. Die Fenster sind auf, eine frische Brise ist spürbar. Der Tag kann beginnen.

Neun Journalistinnen aus Weißrussland, Russland, der Slowakei und Rumänien nahmen am intensiven Programm teil: Das ifp (Institut für Förderung des publizistischen Nachwuchses e.V.) in der Münchner Kapuzinerstraße organisierte dieses Jahr das 25. Seminar für Deutsch sprechende Journalisten aus Mittel- und Ost-europa – den Ostkurs. Zwei Wochen lang haben sie sich mit den Grundlagen des Printjournalismus, in der dritten Woche mit dem Thema „Interview in Hörfunk und Fernsehen“  beschäftigt. Die Schwerpunkte des Seminars lagen auf Themen wie die Nachricht, der Bericht, die Recherche, die Reportage, das Pressefoto und das Interview. Besucht wurden im Rahmen des Seminars die Süddeutsche Zeitung, die größte deutsche Tageszeitung, den Bayrischen Rundfunk und den Bayrischen Landtag. 

Nicht nur Theorie, sondern auch Praxis

Zu den Teilnehmerinnen dieses Jahres gehörte auch Oana Eremie (20) aus Temeswar. Eine junge Frau mit Interessen in vielen Bereichen. Eremie studiert  an der West-Universität Germanistik und Latein und ist begeistert von Geschichte,  Architektur, Jazz-Musik und Kunst. Eremie hat unlängst ein Praktikum bei der ADZ absolviert. Zwei ihrer damaligen Kolleginnen aus der Lokalredaktion in der Stadt an der Bega hatten ihr empfohlen, am Ostkurs teilzunehmen. „Sie haben beide an vergangenen Auflagen des Ostkurses mitgemacht, waren ganz begeistert darüber und als der Brief vom Ostkurs kam, gaben sie mir den Brief und haben mir ganz viel darüber erzählt“, erinnert sich Eremie. Die Studentin findet, dass man durch den Ostkurs einen Blick nicht nur auf die deutschen Medien, sondern auf  Medien im Allgemeinen bekommt. „Ich persönlich darf jetzt sagen, ich kann eine Nachricht von einer Reportage unterscheiden und kann selbst beide schreiben oder ein Interview durchführen. Ich achte auf die Art und Weise, wie ich Fragen stelle, und was für Fragen ich stellen soll, da ich keine journalistische Ausbildung vorher gemacht hatte“, sagt Eremie.

Aber wie hat die junge Studentin den Ostkurs in der Bayrischen Landeshauptstadt erlebt? Am meisten gefiel ihr die Tatsache, das der Schwerpunkt nicht auf der Theorie lag, sondern auch auf  der Praxis. „Alles, was besprochen wurde, wurde gleich verwendet. Eines meiner Lieblingsprojekte in den drei Wochen, war die Reportage, als wir eine Geschichte aus dem Alltag in eine Reportage umwandeln sollten.“ Oana Eremie kann das Seminar nur weiterempfehlen und nicht nur Leuten, die neugierig sind zu erfahren, wie die Medienlandschaft in Deutschland aussieht, oder Leuten, die am Anfang einer journalistischen Karriere stehen, sondern auch den Leuten, die schon in der Branche arbeiten. „Sicher werden sie durch die drei Seminarwochen ganz viele interessante und hilfreiche Tipps bekommen.“

Über die Anfänge dieser Seminarreihe und die ersten zwölf Ostkurse informiert der Beitrag „Bernhard Rude: Ein Beitrag für freie Medien. Die Ostkurse des ifp zwischen dem Fall der Mauer und der EU-Osterweiterung“, erschienen in der Zeitschrift „Communicatio Socialis. Internationale Zeitschrift für Kommunikation in Religion, Kirche und Gesellschaft“: „Mit den Ostkursen hat das ifp ein europäisches Netzwerk aufgebaut, das längst die Grenzen zwischen Ost und West überwindet. Ganz selbstverständlich sind Ostkurs-Absolventen, zu denen das ifp nach der Fortbildung Kontakt hält, bei Veranstaltungen des ifp in Deutschland dabei. Auch tauschen sich deutsche Absolventen mit den Kollegen aus Mittel- und Osteuropa bei den Journalistenreisen und Recherchen aus.“

------

Das ifp hat sich als Ziel gesetzt, unabhängige, kritisch denkende Journalistinnen und Journalisten aus- und weiterzubilden. Seit dem Start der Seminarreihe Ostkurs im Jahr 1993 haben mehr als 330 Journalisten aus 21 Ländern daran teilgenommen. Diese kamen aus den EU-Mitgliedstaaten Bulgarien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn, aus Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Serbien sowie den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion.

------

Da das ifp eine katholische Journalistenschule ist, gibt es zwei Direktoren – den Journalistischen Direktor Bernhard Remmers und den Geistlichen Direktor Monsignore Wolfgang Sauer. Beide Direktoren stehen den Auszubildenden und Absolventen mit Rat und Tat zur Seite. Seit 2011 ist Monsignore Wolfgang Sauer Geistlicher Direktor des ifp. Ihm liegt das spirituelle Wohl der Menschen im ifp am Herzen. Bernhard Remmers ist Journalistischer Direktor des ifp seit 2013. Seit Februar 2000 ist Bernhard Rude Studienleiter für die Ausbildung von Volontären an Tageszeitungen, die Seminarreihe für Deutsch sprechende Journalisten aus Mittel- und Osteuropa sowie Fortbildungsseminare.

--------

Das ifp kümmert sich um eine  Ausbildung für junge Journalisten und bietet Trainings für erfahrene Journalisten an. Hier kann man viele Angebote finden: Volontariate, Stipendien in der Studienbegleitenden Journalistenausbildung, Kurse für Volontäre an Tageszeitungen und im Privatradio, eine Sommerschule für junge Journalisten aus Osteuropa, Weiter- und Fortbildungsangebote für Journalisten und vieles mehr. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen des ifp sind unter der Startseite http://www.journalistenschule-ifp.de abrufbar.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*