Allmählich wird´s schmutzig

Der emeritierte UEM-Rektor offensiv gegen Banater Universitätsfusion

Dienstag, 29. September 2015

Die Reschitzaer Hochschule wurde Anfang der 1970er Jahre als „Institut für Betriebsingenieure“ und Außenabteilung der Temeswarer technischen Hochschule „Politehnica“ gegründet und zu Beginn der 1990er Jahre, nach der Wende, in eine eigenständige Hochschule „Eftimie Murgu“ mit auch humanistischen Fakultäten umgebaut.
Foto: wk

Zuerst wollte er anonym bleiben und als „emeritierter Hochschullehrer“ der Reschitzaer Hochschule „Eftimie Murgu“ (UEM) genannt und zitiert werden. Mittwoch vergangener Woche hielt er aber eine Pressekonferenz ab und erklärte: der Hauptopponent der Banater Universitätsfusion ist der Ex-Rektor der UEM, Ion Vela, ein Ex-Senator und korrespondierendes Mitglied der Akademie für Technische Wissenschaften. Und er sagte auch gleich, wer die „aktiven Hochschullehrer“ waren, die zusammen mit ihm bei Bildungsminister Sorin Cîmpeanu eine 45-Minuten-Audienz hatten: Ion Piroi, Ileana Rotaru und Eugen Răduca. Pikant am Rande: Piroi ist ein aus Bokschan stammender und bis 1989 aktiver Securitate-Offizier (so wie auch der tief im Skandal gekaufter Diplome steckende Ex-Senatschef Marian Mihăilă, gegen den die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt).

Auf der Pressekonferenz, die Ion Vela einberufen hat, stellte er aus seiner Sicht die Begegnung beim Bildungsminister dar. Er, Vela, sei ausgegangen vom „Bedarf der Aufrechterhaltung einer eigenständigen Universität in der Region“, die er mitbegründet hat. Jedwelche Auflösung einer Schule – unabhängig, um was für eine Schule auf welchem Niveau es sich handelt – sei ein Schlag gegen die Gemeinschaft, in deren Mitte sie funktioniert: „Die Auflösung einer Universität kann bloß durch ein Gesetz geschehen und nicht, weil das ein Y oder ein X so will. Weder der Minister, noch ich, sind einverstanden mit der Auflösung der Universität, denn Eltern in ärmlichen Verhältnissen haben keine Möglichkeit, ihre Kinder an andere Schulen, an große Universitäten zu schicken.“ Und Vela meinte gleich darauf blauäugig, Schmiergeld werde auch an anderen Universitäten massiv gezahlt, etwa wie jetzt, zum Beginn des Hochschuljahrs, wenn es um die günstigen Unterkünfte in den Studentenheimen geht.

ANAF  nicht, aber Kontrollkorps

Daraufhin ließ sich Vela des Langen und Breiten über die Verwirklichungen der UEM zu den Zeiten aus, als er sie leitete, und vermied es fast gänzlich, auf Gründe des noch immer nicht abgeklungenen Schmiergeld- und Sexskandals an der UEM sowie auf die, von ihm so formulierte, „Hochschulpleite von Reschitza“ einzugehen. Er gab auch zu, vom Minister gefordert zu haben, die Nationale Agentur für Steuerverwaltung ANAF auf die UEM loszulassen, worüber Minister Cîmpeanu ihn aufgeklärt habe, dass er dazu über keine Kompetenzen verfügt. Vela: „Na ja, jeder Minister mit seinem Ressort...“ Hingegen habe der Minister versprochen, sein Kontrollkorps nach Reschitza zu schicken, um zu überprüfen, wie die Subventionen des Bildungsministeriums hier ausgegeben wurden und warum sie nicht reichen, wie es Rektorin Doina Frunzăverde wiederholt öffentlich erläutert hat.

Als Nächstes scharmützelte Vela verbal mit den Universitäten Temeswar und Klausenburg („die Minister, die von dort in die Regierungen berufen wurden, haben schon vor zehn Jahren die Reschitzaer Universität marginalisiert“), wobei er sich vor allem auf den aus Klausenburg gekommenen Ex-Bildungsminister Mircea Miclea und auf den Rektor der Temeswarer West-Universität (UVT), Marilen Pirtea, einschoss, die er als „eine Art Henker“ der kleinen Reschitzaer Universität darstellte. Übrigens erwähnte er mit keinem Wort die gegenwärtig laufenden Fusionsverhandlungen zwischen Temeswar und Reschitza und sprach konsequent von einer „Auflösung der Reschitzaer Hochschule“ – was niemand beabsichtigt, aber im Gassengespräch von Reschitza genauso gehandhabt wird, mit starkem Unterton der Ablehnung. Und er teilte auch Seitenhiebe gegen die Journalisten aus, die „allzu eingehend“ über den Schmiergeld- und Sexskandal des vergangenen Sommers an der Reschitzaer Hochschule berichtet haben und damit das Image der UEM massiv geschädigt haben. Was natürlich eine glatte Umkehrung der Tatsachen ist, denn nicht die Journalisten haben den Ruf der UEM geschädigt, sondern ihre korrupten, geld- und sexgierigen Hochschullehrer und ihre freudig Schmiergeld zahlenden Studenten

Devoter Kotau vor Politikern

Eine besonders devote verbale Reverenz machte der Fusionsopponent vor mehreren Politikern, quer durch die Parteien, die seine Haltung der Zurückweisung des Hochschulzusammenschlusses angeblich unterstützen (in Wirklichkeit haben die meisten unter den Zitierten bloß grundsätzlich gemeint, dass sie gegen eine Auflösung der Reschitzaer Universität seien – eine Auflösung hat allerdings bisher niemand, außer Vela, ins Gespräch gebracht...): Ion Mocioalcă (PSD), Ion Simeon Purec (UNPR), Valeria Schelean (PNL), Liviu Dragnea (PSD), Bürgermeister Mihai Stepanescu (PSD) – befremdlicherweise lauter Politiker, die seit Jahren immer wieder unterstrichen haben, dass sie „alles“ unternehmen werden, um das Reschitzaer Maschinenbauwerk zu retten, das aber dieser Tage wieder 100 Entlassungsbriefe verschickt hat, die ab dem 10. Oktober bewirken, dass bei UCMR noch knapp 1000 Arbeitnehmer bleiben...

Inzwischen ist den Reschitzaer Medien das Papier bekannt geworden, das Vela und seine drei Begleiter, als Mitunterzeichner, dem Bildungsminister überreicht haben. Darin werden viel vehementer und gezielter Forderungen formuliert und quasi-Anzeigen erstattet, die darauf abzielen, die gesamte Universitätsführung in Reschitza abzusetzen und ad interim für die kommenden vier Monate zu ersetzen, weil im Januar 2016 ohnehin an der UEM Neuwahlen anstehen würden: die Rektorin, die drei Prorektoren, die drei Dekane, die drei Prodekane, den Generaldirektor des Administrativen und die Chefbuchhaltung. Denn die UEM sei gegenwärtig „faktisch Pleite“, weil sie schlecht gemanagt wurde, wird im Papier behauptet. Also müssen die „schlechten Manager“ weg.

Fusionsverhandlungen gehen weiter

Dazu zitieren sie eine Reihe der Öffentlichkeit weniger bekannte Vorgänge (bzw. solche, die nur Insidern bekannt sein können), etwa die Umstände, als das Studentenkulturhaus 2009 abgerissen wurde, nachdem dort in den Jahren zuvor massive Investitionen getätigt wurden, die Umstände des Verkaufs des Donauschiffs „371U“, das zur Freizeitanlage der Universität in Coronini gehört hat, die, samt Schiff, von den Grenztruppen übernommen wurde, als diese im Donauengpass – der Grenze zu Serbien – nach Beendigung der Sezessionskriege in Jugoslawien 2000 aufgelöst bzw. reduziert wurden, die lückenhafte Organisierung der Vorbereitungen an der Doktoratsschule oder das Verbergen von Dokumenten vor dem Rechnungshof, bei dessen Kontrollen.

Die Schlussfolgerung der Fusionsopponenten im Papier, das sie dem Bildungsminister überreicht haben: „Die gegenwärtige Universitätsleitung hat die UEM in die Pleite getrieben und muss zur Verantwortung gezogen werden“, bevor sie „irgendwelche Vereinigungsvorhaben“ mit anderen Universitäten umsetzt und damit die Verantwortung von sich schiebt.
Zum Papier und dem Vorgehen der Fusionsopponenten befragt, winkte Rektorin Doina Frunzăverde einfach ab: „Kein Kommentar zu den Aussagen des Herrn Rektors Vela!“ Hingegen sagte sie, die Fusionsverhandlungen zwischen der UEM Reschitza und der UVT Temeswar „haben begonnen und werden weitergeführt“.

„Karascher Agora“ in Aktion

Ion Vela hat inzwischen zusammen mit dem umstrittenen pensionierten Radiojournalisten und Ex-Leiter des Radiostudios Reschitza, des aus Großsanktnikolaus stammenden Doru Dinu Glăvan, einen „Zivilverein“, genannt „Agora Cărăşană“/Karascher Agora, ins Leben gerufen, der „mehrere Intellektuelle“ umfasst und sich „für die Rettung der Identität der Reschitzaer Universität“ einsetzt, die „nicht verurteilt“, „niemand Handschellen anlegt“, aber auch „nicht erlaubt, dass die Verwaltung und einzelne Institutionen chaotisch funktionieren“. In Pressekonferenzen, in welchen sich Glăvan (der nach 1989 seinen Arbeitsplatz im deutsch-rumänischen Jointventure „RRR Reschitza Renk“ verlassen musste, weil ihn die Belegschaftsmitglieder der „intensiven Securitate-Mitarbeit“ beschuldigt hatten) als Saubermann gibt, kommt er mit „Enthüllungen“ zum Nepotismus, dubiosen Anstellungspraktiken und der Beförderungspolitik an der UEM, oder auf „Korruption auch an anderen Hochschulen, beispielsweise an der UVT“ zu sprechen. Und der selbsternannte Vorsitzende eines Journalistenverbands, der um Anerkennung kämpft, spart keineswegs mit Anschuldigungen gegen die Journalisten, die über die Korruption an der UEM geschrieben haben und die „dadurch zum Untergang der Reschitzaer Hochschule beitragen“. Glăvan und Vela haben sich über ihre soeben gegründete „Zivilgesellschaft“ an die Spitze der Opponenten der Banater Hochschulfusion gesetzt und heizen mittels Halbwahrheiten und Gerüchtelancierungen eine ohnehin einer Unterordnung der Reschitzaer Universität gegenüber Temeswar nicht günstige Stimmung an. Zu ihren Mitläufern gehören auch aktive Hochschullehrer der UEM, denen nachgesagt wird, dass sie Ambitionen auf Führungsämter an der Reschitzaer Hochschule haben.

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