Alpenrosen oder sengende Wintersonne

Hohe Rinne und Zibinsgebirge als Wochenend-Ausflugsziele für jede Jahreszeit

Donnerstag, 31. Mai 2018

Einem grauen Wolkenhimmel trotz weitem Sichtfenster nachgeben und umkehren. Wiederkommen ist jederzeit möglich.

Alpenrosenblüte im Zibinsgebirge vor weitem Horizont des Hermannstädter Umlands. Wird Siebenbürgen auch in Zukunft unzählige Hektar Wald an den Holzhandel verlieren?
Fotos: der Verfasser

Wenn man in Hermannstadt/Sibiu wohnt oder über einen längeren Zeitraum im südwestlichen Zipfel Siebenbürgens weilt, geht auf der Suche nach Ausflugsmöglichkeiten nichts ohne die Wanderwege auf dem Gelände der Hohen Rinne/Păltiniș und des Zibinsgebirges/Munții Cindrel. Hermannstadt hält große Stücke auf seine Nähe zur Hohen Rinne und zu Rășinari, dem Geburtsort des Politikers und Dichters Octavian Goga. Doch wird manchmal leise zugegeben, dass man sich am Wochenende nach Kronstadt/Brașov wünscht, da im Burzenland spektakuläre Wanderrouten fast von der Haustüre weg beginnen.

Von Hermannstadt aus muss man eine beträchtliche Anfahrt einplanen, um beispielsweise in die höheren Lagen des Fogarascher Gebirges zu gelangen. Dadurch enden sportliche Tagesausflüge nicht selten mit einer abendlichen Heimfahrt, auf die man gerne verzichten könnte.

Vielleicht ist die Hohe Rinne für Hermannstadt nicht ganz das, was Zinne und Schulerau für Kronstadt bedeuten. Weder Klettersteige noch felsige Wanderrouten, dafür aber schier endlose Bergwiesen in etwa 2000 Metern Seehöhe bietet das Zibinsgebirge seinen Gästen. Unabhängig von der Jahreszeit kommen Wochenendausflügler und sportlich Begeisterte gleichermaßen auf ihre Kosten. Im Frühsommer sind die Bergwiesen entlang des Hauptkammes im Zibinsgebirge mit Alpenrosen übersät. Im Winter kann man unweit von der Hohen Rinne ausgedehnte Skitouren unternehmen.


Es muss nicht immer mit dem Auto sein

Die Strecke Hermannstadt-Hohe Rinne und zurück wird dreimal täglich von Großraumbussen der Hermannstädter Verkehrsbetriebe (Tursib, Linie 22) befahren. Eine einfache Fahrt kostet 9 Lei pro Person. Noch günstiger ist es, ein Ticket für Hin- und Rückfahrt zu lösen (16 Lei). Der Linienbus 22 startet vom Hermannstädter Bahnhof, hält an mehreren Haltestellen in und außerhalb der Stadt und erreicht nach etwa einer Stunde Fahrtzeit die Endhaltestelle an der Talstation des Sesselliftes der Oncești-Skipiste. Abhängig von Ausflugsziel und Tagesplan kann man sich dafür entscheiden, entweder gemütlich mit dem Bus um 11 Uhr vormittags oder doch frühmorgens um 7 Uhr Richtung Hohe Rinne aufzubrechen. Für sportliche Pläne kommt wohl allein die frühe Uhrzeit infrage, da man bis zur letztmöglichen Rückfahrt nach Hermannstadt um 17.30 Uhr gute neun Stunden Zeit hat.

Bergauf am Gretchenweg

Am raschesten gelangt man von der Hohen Rinne auf den Hauptkamm des Zibinsgebirges, indem man den Markierungen rotes Kreuz und blauer Punkt folgt, die auf einem Wegweiser unweit der Talstation des Sesselliftes angezeigt werden. Man geht durch den kurzen Straßentunnel der Oncești-Skipiste an der Nora-Schutzhütte und einem Parkplatz vorbei und entdeckt nach wenigen Minuten den Wegweiser, der die Richtung des Gretchenwegs und der Găujoara-Alm vorgibt. Winterliche Stammgäste des klassischen Skitourengebiets wissen nur allzu gut, dass die ersten paar Schritte auf dem Gretchenweg es oftmals in sich haben. Der kurze Einstig in den Pfad, der dann gemütlich auf der Höhenlinie verläuft, ist knackig. Nach etwa einer halben Stunde führt der Gretchenweg an der Quelle des Dăneasa-Gebirgsbaches vorbei, wo die Wasserflaschen aufgefüllt werden sollten.

Waschechte Hermannstädter wissen, dass man auf der Hohen Rinne Tannen wie Nadeln im Heu suchen wird. Hier wachsen mehrheitlich Fichten. Wenn sich auf dem Gretchenweg nach einigen Kehren der Fichtenwald lichtet, den Blick auf die Hänge der Găujoara-Alm freigibt und die Sonne strahlt, sind Sonnenhut und Sonnenbrille unverzichtbar. Ein Wegweiser deutet an, dass der mit blauem Punkt markierte Weg hier nach links quer über die Alm abzweigt und, am Zaun einer Baumschule der Forstwirtschaft entlang, zu dem unbewirtschafteten Forsthaus auf der Muncel-Alm führt. Diese Wegvariante bietet sich als gute Alternative für den Rückweg zur Hohen Rinne an.

Trügerische Teufelsplatte

Auch bei weniger guten Wetterbedingungen ist ein Weitermarsch entlang der mit rotem Kreuz markierten Route möglich. Sie umgeht den 1911 Meter hohen Bătrâna-Gipfel auf der nördlichen Seite und erreicht hinter diesem den gleichnamigen Gebirgssattel am Hauptkamm des Zibinsgebirges, der mit rotem Band markiert ist. Winters ist es bei guten Bedingungen nebensächlich, zwingend der Markierung zu folgen, da ein blauer und wolkenloser Himmel die Konturen des Hauptkammes klar nachzeichnet. Hingegen ist bei ungünstigen Wetterbedingungen auf dem Bătrâna-Gipfel, spätestens aber im Bătrâna-Sattel, Umkehren angesagt. Nicht umsonst verdankt die natürliche Plattform des 2244 Meter hohen Cindrel-Gipfels ihren Beinamen „Teufelsplatte“ dem Nebel, der einem im Zibinsgebirge schnell die Orientierung nimmt. Auf diesem weitläufigen Gelände sanfter Berghänge ist bei aufziehenden Wolken große Vorsicht geboten.

Alpenrosen und Panoramablick

Die Hänge des Zibinsgebirges sind im Frühsommer leicht zu Fuß zu erreichen und stehen während der Alpenrosenblüte in kräftig roter Farbe in der Landschaft. Ist man im Winter auf Tourenskiern und bei günstigen Schnee- und Wetterbedingungen unterwegs, bringt der Weitermarsch auf den Rozdești-Gipfel (1954 Meter) einen wunderschönen Rundumblick mit sich. Zusätzlich zum Bătrâna-Gipfel, der das Panorama auf das Fogarascher und das Lauterbach-Gebirge/Munții Lotru eröffnet, bietet die Mittagspause auf dem Rozdești-Gipfel auch einen Weitblick auf Umrisse des Mühlbacher Gebirges/Munții Șureanu und des Parâng-Gebirges. Natürlich ist das Erreichen des Rozdești-Gipfels an einem Tagesausflug während der Skisaison eine Frage der Kondition und überhaupt nur lohnend, wenn man das Glück hat, bei wirklich perfekten Bedingungen unterwegs zu sein. Der Aufstieg ist etwas für Ausdauernde, die sich gerne in der sengenden Wintersonne verausgaben und sich das landschaftliche Schmankerl auf der halben Strecke der Luftlinie zwischen Hoher Rinne und Cindrel-Spitze nicht entgehen lassen wollen. Für den langen Rückweg zur Hohen Rinne auf Skiern muss man auf ein Vielfaches an Kraftreserven zurückgreifen können.

Ausdauernde Wanderfreunde können in der warmen Jahreszeit problemlos eine Tageswanderung von der Hohen Rinne zu dem Großen Iezer-Gletschersee unterhalb der Cindrel-Spitze und zurück unternehmen. Wartet der eigene PKW am Parkplatz auf der Hohen Rinne, steht man nicht unter Zeitdruck. Spielen die Wetterbedingungen und das eigene Schuhwerk mit, ist die Tagestour auch für Fahrgäste der Linie 22 der Hermannstädter Verkehrsbetriebe in den angeführten neun Stunden durchaus zu erlaufen.

Gemütlicher Rückweg

Für den Rückweg zur Hohen Rinne kann man denselben Weg zurücklegen, was bei aufziehenden Niederschlagswolken und ungenauer Kenntnis des Geländes weitere Schwierigkeiten verhindert. Doch bietet sich ab dem Bătrâna-Sattel ein mit rotem Band markierter Karrenweg an, der gemütlich in eine Forststraße mündet und in linker Richtung zum erwähnten Muncel-Forsthaus führt. Von hier an ist jede weitere Orientierung ein Leichtes, die Forststraße (rotes Dreieck)endet nach einem längeren Fußmarsch an der Talstation des Sesselliftes der Oncești-Skipiste.

Eine weitere Option steht ab dem Muncel-Forsthaus offen, wenn es die Zeit erlaubt, den längeren Waldweg einzuschlagen, der rechts hinter dem Forsthaus beginnt und mit rotem Band markiert ist. Skifahrer müssen auf dieser Route kräftig schieben, können aber auf dem abschließenden Teilstück ihre gefühlte Reizschwelle in Sachen Geschwindigkeit erleben. Hier geht es nochmal richtig zur Sache. Während der kurzen und rasanten Schussfahrt, die auf die Oncești-Wiese führt, lässt sich das Tempo in dem engen, aber geschützten Korridor nur bedingt drosseln. Auf der Oncești-Wiese angekommen, biegt man schräg nach links ab, um die Forststraße zu erreichen, die nach wenigen hundert Metern geradeaus zu der Bergstation des Sessellifts führt. Übersichtlich ist der Weg von hier aus zur Bushaltestelle an der Talstation des Sesselliftes, wo man müde und zufrieden im Großraumbus der Linie 22 Platz nehmen kann. Abschalten und Einnicken erlaubt, da am Steuer des Fahrzeugs ein Berufschauffeur für die Sicherheit aller Ausflügler verantwortet.

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