Als Geschichte unter unseren Augen geschrieben wurde

Festakt zum Gedenken an 25 Jahre deutsche Wiedervereinigung

Mittwoch, 07. Oktober 2015

Festakt im Nationaltheater

Deutsche Flagge zum Aufessen: Die effektvoll drapierte Trikolore aus Marzipan verhüllt eine Torte.
Fotos: George Dumitriu

Zum Anlass des 25. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung lud die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland zu einem Festakt ins Bukarester Nationaltheater ein. Ehrengäste waren Staatspräsident Klaus Johannis, die Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten des hessischen Landtags, MdB Lucia Puttrich, der Bundesvorsitzende des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Bundestagsmitglied Bernd Fabritius sowie der hessische Landtagspräsident Norbert Kartmann. Nach einer feierlichen Intonation der Hymnen Deutschlands, Rumäniens und der Europäischen Union durch das Orchester folgten die Ansprachen des deutschen Botschafters Werner Hans Lauk, von Staatspräsident Klaus Johannis und ein Grußwort von Ministerin Puttrich. Anschließend leitete ein Konzert des Kammerorchesters „Virtuozii din Bucureşti“ unter Dirigent Horia Andreescu, mit Stücken von Beethoven, George Enescu und Grigoraş Dinicu, zum anschließenden Empfang im Foyer über. Für die junge Generation in Deutschland sei die Einheit längst selbstverständlich, stellt Botschafter Lauk in seiner - auch in perfektem Rumänisch vorgetragenen - Rede fest. Und erinnert: „doch sie kam nicht selbstverständlich!“ Er wolle die Gelegenheit nutzen, all jenen Dank auszusprechen, die diesen Weg in den letzten 25 Jahren unterstützt und wohlwollend begleitet haben.  Nun stehe man jedoch vor neuen Herausforderungen - Menschen, die auf der Suche nach Schutz und Unterkunft vor Krieg und Verfolgung nach Europa flüchten. Eine Herausforderung, die nicht nur wenige solidarische Länder betrifft, sondern gemeinsames Handeln erfordert. Und die die im Rahmen der EU angenommenen Regeln und Werte auf die Probe ihrer Anwendung stellt, mahnt Lauk. Er strich aber auch die guten bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien heraus, die sich 2015 weiter intensiviert haben: beim Besuch von Staatspräsident Johannis im Februar in Berlin, wo er Gespräche mit Kanzlerin Merkel und Präsident Gauck führen konnte, beim Besuch von Außenminister Steinmeier im März in Bukarest und Hermannstadt/Sibiu. Einen wichtigen positiven Beitrag für die engen politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Beziehungen leiste auch die deutsche Minderheit in Rumänien, schloss Botschafter Lauk.

„Es gibt Tage, in denen Geschichte unter unseren Augen geschrieben wird. Es gibt Momente, wo sich nicht nur die Schicksale einiger Individuen verändern, sondern die ganzer Nationen. Es gibt Augenblicke, die nicht nur im Jetzt etwas bewegen, sondern für Generationen danach. Der Mauerfall war so ein Moment: Die Mauer, die Deutschland symbolisch geteilt hat, ist gefallen - und mit ihr die politische Barriere, die unseren Kontinent gespalten hat.“ Mit diesem kraftvollen Statement leitete Präsident Johannis seine Ansprache ein. Und warnt, dass wir vor den aktuellen Herausforderungen allzu leicht vergessen, wie sehr sich unser Kontinent bereits verändert hat: „Diesen Fehler sollten wir nicht begehen!“ In Bezug auf die guten deutsch-rumänischen Beziehungen - Deutschland ist Rumäniens Hauptpartner sowohl wirtschaftlich als auch politisch - sprach er von einer weiteren Öffnung, von Momenten besonderen Vertrauens, die im Februar 2015 anlässlich seines Berlin-Besuches deutlich zu spüren gewesen seien. Doch nicht nur landespolitisch, nicht nur im Rahmen der bilateralen Kooperation innerhalb NATO und EU, sondern auch zwischen Bundesländern, Städten, Gemeinden, Bildungseinrichtungen und Menschen gäbe es enge Bande. Sie reichen bis in die Tiefe, und es gibt Unterstützungsmechanismen dafür, in denen die deutsche Minderheit in Rumänien, die nach Deutschland ausgewanderten Rumäniendeutschen und die in Deutschland lebenden Rumänen eine wichtige Rolle spielten. All jenen, die an der Entwicklung und Vertiefung dieser Beziehungen beteiligt waren, wolle er zu diesem Anlass danken, betont der Präsident. Doch auch weiterhin gäbe es Potenzial: „Wir sind in einem günstigen Moment, alle Bedingungen sind vorteilhaft – wir müssen nur mit Hingabe und Nachdruck arbeiten!“ fordert Johannis auf.

Ministerin Puttrich erinnerte daran, dass die Wiedervereinigung Deutschlands und die folgenden politischen Umschwünge heute Dinge möglich machen, die man niemals für möglich gehalten hätte: „Allein, hier an diesem Ort reden zu können, wäre vor 25 Jahren undenkbar gewesen.“ Die Wiedervereinigung sei noch immer ein besonderes Wunder: Heute ist es selbstverständlich, eine Kanzlerin und einen Bundespräsidenten zu haben, die beide aus der ehemaligen DDR stammen. Das zeigt, dass die Vereinigung nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern auf allen Ebenen erfolgreich war. Für eine ganze Generation ist es längst selbstverständlich, sich nicht mehr über die Herkunft aus Ost oder West, sondern einfach als Deutsche zu identifizieren. Die Ereignisse vor 25 Jahren flochten aber auch ein festes Band zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union - in ihrer Unterschiedlichkeit und ihrer Vielfalt. Gemeinsam müssen nun die Fragen zu den aktuellen Herausforderungen beantwortet werden: wie einerseits aus Flüchtlingen Mitbürger werden, aber auch, dass nicht alle, die gerne in Europa leben würden, dies können. „Und erstmal zuhören, um zu verstehen, warum welches Land welche Position bezieht“, fordert die Ministerin und appelliert an das Bewusstsein, dass die EU nicht nur eine wirtschaftliche, sondern vor allem eine Wertegemeinschaft sei. Neben aus dem Rheingau mitgebrachtem Wein, bayrischen Brezeln, Würsten, deutschem Bier und anderen landestypischen Spezialitäten besiegelte der Anschnitt einer als deutsche Flagge getarnten Torte den Erfolg des festlichen Abends.

Kommentare zu diesem Artikel

Don Emilio, 16.10 2015, 21:45
Lieber Tourist,
weil die ihre Nachbarn kennen. Und weiter entfernte Nachbarn kennt man eben nur vom hörensagen. Vom Onkel der schon da ist.
Und diese Nachbarn haben auch keine Mutti die sagt: "Kommt her in meine Arme, mein Busen wird euch nähren". Nein, die Nachbarn sagen: "Haut blos ab, sonst gibt´s was in die Fresse".
Aber jetzt abgesehen davon, ein- oder zwei, auch drei Millionen Flüchtlinge werden Deutschland nicht umbringen. Zur Rettung der deutschen- und französischen Banken (nicht die Griechen) waren ja, rubbel die Katz, und wir die Augen, hunderte Milliarden da.
Und, dies war ja schon lange abzusehen.
Wir haben schon ziemliche Vollpfosten von Politikern in Brüssel und Berlin.
Nix für ungut, Don Emilio.
Tourist, 07.10 2015, 20:31
die arabische Welt reicht von Casablanca weit im Westen an der Atlantikküste bis an die Ufer des Euphrat und Tigris ganz im Osten und bis an den Golf von Aden ganz im Süden. Eine Landfläche die größer ist als die EU. Wieso noch einmal müssen Araber, die in einem dieser Länder verfolgt sind, gerade nach Europa fliehen, warum nicht nach Marokko, Kuweit, Tunesien, die Emirate, den Oman, Bahrain, Ägypten, den arabischen Nordsudan. Nein Deutschland muss es sein. Wieso?
dan, 07.10 2015, 09:48
Die Flüchtlinge sollten von den Ländern aufgenommen werden, die deren Leid (mit-)verursacht haben:
die arabischen Bruderstaaten, die USA zuallererst, die in Nahost und Nordafrika Krieg begonnen haben.
Danach deren Allierten England, Frankreich etc.
Die Türkei will auch einen Teil von Syrien erobern..
Von engen Banden in der EU kann keine Rede mehr sein..
Die EU-Politik gehorcht und handelt nach den Interessen nationaler Staaten.. nach dem Motto: von der EU das Maximum an Subventionen erhalten, aber gegenüber den Geberstaaten (Vor allem Deutschlands) keinerlei Danke, sondern noch mehr fordern.
Das kann nicht gutgehen.
dan, 07.10 2015, 09:44
Brot und Spiele... und viele Worte... sonst nichts.
Die Mächtigen mit den Politikern essen sich voll, während es den Völkern Europas immer schlechter wird.
Und der einfache Zivilist in Europa wird von den gutverdienenden Politikern schon lange nicht mehr wahr- geschweige denn ernstgenommen.
Diese 25 Jahre haben dem rumänischen Volk nicht das gebracht, was das Volk sich erhofft hatte: mehr Freiheit für den einfachen Menschen...
Im Land herrscht noch zu offt Armut, Willkür der Staatsvertreter und weniger korrupter "Bojaren", Arbeitslosigkeit und soziale Probleme.
Wer kann, hat Rumänien verlassen... um das zum Überleben notwendige Geld an die Familie nach RO zu senden, oder als besser qualifizierter Mensch RO für immer zu verlassen.
Deutschland selbst kämpft momentan mit Problemen, welche von den aktuell herrschenden Politikern dort nicht wahrgenommen, geschweige denn angegangen oder gelöst werden.
Fazit: Die Politik repräsentiert immer weniger den Souverän= das Volk, sondern nur noch die eigenen (egoistischen, persönlichen) Interessen. Auch in Deutschland.

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