Als Journalist über das Bischofsbuch

Mittwoch, 29. Januar 2014

Das Umschlagbild für Christoph Klein „Über Bitten und Verstehen“  wurde von Anselm Roth in Kerz aufgenommen, es strahlt viel Wärme aus. Mich erinnert es an frühe Drucke, dort steht der Buchtitel auch oft zwischen Säulen, wie hier auf dem Kirchenportal.

20 Jahre Kirchengeschichte, 20 Jahre Zeitgeschichte. Bei uns in Großpold wurde die Geschichte so eingeteilt: Wer von wann bis wann Pfarrer war. Bevor ich von Fürsten und Königen gelernt habe, konnte ich mir die Pfarrer merken. Das habe ich mit Großmutter beim Graben im Weingarten geübt: Im Ersten Weltkrieg Pfarrer Piringer, dann Pfarrer Möckel, dann Pfarrer Schaser...
Noch komplizierter ist es natürlich mit der Kirche als Ganzes, und besonders kompliziert ist die Periode nach 1990, als Christoph Klein zum Bischof gewählt wurde, er ist bis 2010 im Amt geblieben. Das Buch bietet einen Rückblick auf diese 20 Jahre.

Unglaublich, was Christoph Klein und seine Mitarbeiter geleistet haben, nachdem ja 1990 alles in Auflösung begriffen war, ganze Dörfer mit ihren Pfarrern weggezogen sind. Auf gepackten Koffern gesessen waren die Leute  schon vorher, aber als die Grenzen geöffnet wurden, gab es kein Halten mehr.
Ein Vorgänger hatte den Slogan geprägt: Die Kirche wandert nicht aus, Bischof Klein hat sein 10-Punkte-Progamm entworfen und die Umwandlung der Volkskirche in  eine Diaspora-Kirche vollbracht. Das muss eine Unmenge von Arbeit bedeutet haben.

In der Gesellschaftsordnung bis 1989 wurden die meisten Dinge, die unsere deutsche Bevölkerung hier betrafen, vom „Neuen Weg“ erledigt, denn der sogenannte Rat der deutschen Werktätigen bestand sowieso mehr „pro forma“. Nach 1990 wurden diese Angelegenheiten vom deutschen Forum und von der Kirche übernommen. Wie die Dinge aber in der Kirche gemacht wurden, wie die Entscheidungen getroffen wurden, das erfährt man in diesem Buch. Alles wird von innen her erzählt, es sind Nachrichten aus erster Hand.

Es kommen eine Unmenge von sächsischen Dörfern mit ihren Pfarrern vor, da sieht man ein, dass man vieles kennt, aber bei Weitem nicht alles. Christoph Klein hat als Bischof auf seinen Visitationen  alle einmal oder mehrere Male besucht, er sagt auch, dass er diese Visitationen  vielleicht in einem weiteren Buch beschreiben wird. Die Anzahl der Kirchenmitglieder ist zwar wesentlich kleiner geworden, die Aufgaben jedoch haben sich verzehnfacht.

Wann hatte Christoph Klein neben seinen zahllosen Verpflichtungen als Bischof auch noch Zeit, wissenschaftlich zu arbeiten und Bücher zu schreiben? Er hat dafür seine Urlaube verwendet, zuerst im Elimheim in Michelsberg, dann im  eigenen Sommerhaus. So hat er in zwei Sommerurlauben das Buch über seinen  Vater Gustav Adolf Klein und die Hermannstädter Allgemeine Sparkassa geschrieben („Anvertraute Pfunde“). Es ist Familiengeschichte und siebenbürgische Wirtschaftsgeschichte zugleich.
Nachdem er sein Amt als Bischof beendet hatte, wollte ihm die evangelische Kirche in Deutschland einen Urlaub schenken, Christoph Klein hat dankend angernommen und in den paar Wochen das hier vorliegende Buch geschrieben.

Die Ereignisse in der Kirchen- und Zeitgeschichte werden so festgehalten, wie sie tatsächlich waren.Dieser Eindruck der Echtheit entsteht auch durch die Sprache: Christoph Klein schreibt in einem Deutsch, so wie wir es uns hier erarbeitet haben, auch Begriffe zur Zeitgeschichte setzt er so ein, wie das durch die ADZ zum Standard geworden ist.

Besonders aufschlussreich ist die Geschichte des Teutsch-Hauses in Hermannstadt, also die Entstehung des Begegnungs- und  Kulturtzentrums „Friedrich Teutsch“, das alles liest sich spannend wie ein Krimi: Mehrere Jahre haben die Prozesse gedauert, die um die Rückerstattung des Waisenhauses neben der Johanniskirche geführt wurden und die die Kirche alle gewonnen hat. Das war also das Vorgehen auf der rumänischen Seite. Aber auch die deutsche Seite musste überzeugt werden, die Gelder, die für die Renovierung  und den Neubau bereitstanden, von einem Jahr auf das andere zu überschreiben, bis es dann soweit war. Das alles kommt einem noch im Nachhinein wie ein Wunder  vor.

Christoph Klein – Über Bitten und Verstehen. Zwanzig Jahre im Bischofsamt der Evangelischen Kirche Augsburger Bekenntnisses in Rumänien 1990 – 2010
Schiller Verlag Hermannstadt

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