Als Praktikantin in Rumänien

Vera Limbrecht arbeitete ein halbes Jahr am Deutschen Kulturzentrum Temeswar

Sonntag, 23. Februar 2014

Bei der Arbeit mit Kindern: Vera Limbrecht half überall im Deutschen Kulturzentrum aus und scheute sich vor keiner Herausforderung.
Foto: Privat

Sie machte mit zwei bewegenden Veranstaltungen auf sich aufmerksam: Die Praktikantin Vera Limbrecht, 20, musste sich mit einem der dunkelsten Kapitel der europäischen Gegenwartsgeschichte auseinandersetzen. Im November präsentierte sie im Auftrag des Deutschen Kulturzentrums Temeswar „Verunsicherungen – eine Ausstellung in Gedenken an die Reichspogromnacht vom 9. bis zum 10. November 1938“. Zwei Monate später stand sie vor dem Temeswarer Publikum, um „Gerdas Schweigen“ sowie „Zeitabschnitte des Werner Bab“ vorzustellen – zwei Dokumentarfilme über Holocaustüberlebende. Die Schoah wurde ihr Pflichtthema während ihrer Praktikumszeit am Deutschen Kulturzentrum.

Die Studentin, die in Cottbus Soziale Arbeit studiert, sah sich vor die Herausforderung gestellt, zwei Veranstaltungen zu organisieren, die ein schwieriges Sujet behandelten. Zudem wollte sie Schüler an dem Entstehungsprozess beteiligen, denn es ging ihr in erster Linie um Aufklärung. Jugendliche waren auch das Zielpublikum, ein Grund weshalb die Ausstellung „Verunsicherungen“ im Festsaal des Nikolaus-Lenau-Lyzeums stattfand. Auch der Filmabend im Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus sollte junge Zuschauer anlocken, wenngleich ihre zweite Veranstaltung sich nicht ausschließlich an diese Zielgruppe wandte. Es nahmen auch deutlich weniger Jugendliche an den Filmvorführungen teil als an der Ausstellung, doch nichtsdestotrotz schaffte es Limbrecht, Hunderte Besucher anzulocken.

Es war ein kleiner Erfolg sowohl für das Deutsche Kulturzentrum, das sich in den letzten zwei Jahren immer wieder darum bemüht hat, seinen Beitrag zur Aufarbeitung der nationalsozialistischen Zeit in Europa zu leisten, als auch für die 20-jährige, die, wie sie selber sagt, dadurch gelernt hat, wie man ein Projekt alleine auf die Beine stellen kann. Trotz der Unterstützung seitens ihrer Kolleginnen aus der Kulturabteilung musste die Praktikantin vieles alleine stemmen und sicherstellen, dass die Ausstellung „Verunsicherungen“ rechtzeitig eingerichtet ist und die Vernissage wie geplant stattfinden kann.

Und die Ausstellung konnte sich sehen lassen. Das Ausmaß der Verstrickungen visualisierte Limbrecht durch ein wirres Bindfadennetz, wovon Fotografien aus der Zeit baumelten. Die Bilder demaskierten nicht nur Täter sondern auch Mitläufer und fingen das Grauen der Pogrome ein. Es heißt ja bekanntlich, „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, doch wer die beiden Zeitzeugenfilme gesehen hat, würde widersprechen. Besonders wenn man bedenkt, dass der eine Film davon handelt, wie eine Überlebende nach Jahrzehnten das Schweigen bricht und über ihre fürchterliche Zeit in Auschwitz erzählt.

Eine unterstützende Rolle

Doch Vera Limbrecht leistete besonders hinter den Kulissen jede Menge Arbeit. Als Praktikantin unterstützte sie die Mitarbeiter des Deutschen Kulturzentrums bei der Vorbereitung der Veranstaltungen. Sie legte selbst Hand an, wenn es darum ging, Ausstellungen aufzustellen, kümmerte sich um die Betreuung vor Ort und musste nebenbei Finanzpläne erarbeiten sowie die typischen Praktikantenaufgaben erfüllen. Sie war sich für keine Aufgabe zu schade, weil man ja aus jeder Erfahrung etwas lernen könnte. Und die Zeit am Kulturzentrum hat sie auch dazu bewogen, die Möglichkeit zu erwägen, später im Kulturbereich zu arbeiten.

Künstlerisch ist sie ohnehin schon aktiv. Die talentierte junge Frau spielt seit Jahren verschiedene Percussion-Instrumente, ist in Deutschland Mitglied in einer Samba-Band und hat auch in Temeswar ihre Leidenschaft mit ihrer Arbeit verbunden. Im Rahmen des Projektes „Junge Donaubrücken“ stellte sie zusammen mit anderen ausländischen Freiwilligen und Studenten eine Musikgruppe zusammen, die man schlicht „Vera und Co.“ taufte und die Coverlieder Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren vorspielte. Es war einer der Höhepunkte der Abschlussveranstaltung.

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