Alte Handelswege von Kronstadt an die Donauhäfen

565 Jahre seit der Erteilung des ersten Handelsprivilegs an Kronstadt

Donnerstag, 28. August 2014

Märchen fangen gewöhnlich mit „es war einmal“ an und setzen sehr oft mit einem Prinzen, einem Königshof und einer Prinzessin fort. Und wenn die Prinzessin blond oder schwarzhaarig beschrieben wird, so kommt ebenso oft auch ihre „Kleidung aus Seide“ vor. War Seide das erstrebenswerte Ideal einer kostbaren Kleidung, dass sie, aus der Ferne gebracht, zu einem Wahrzeichen der Reichen wurde? Vielleicht, sonst wären nicht Bezeichnungen wie die „Seidenstraße“ entstanden. Straßen, Wege oder Routen, auf denen sich Kaufleute bewegten, welche die erwähnte Seide, Gewürze, Pelze, Waffen und was eben gefragt war, auf große Entfernungen transportierten. So entwickelten sich die Handelsstraßen, die Erzeuger mit Kunden verbanden, die sich kreuzten, trennten oder auch verbanden, wenn die Fortsetzung der Route über Berge führte, die nur bedingt passierbar waren. An solchen Treffpunkten entstanden schnell wachsende Orte, die sich zu reichen Städten entwickelten. Kronstadt war eine solche Stadt schon von Anfang des vierzehnten Jahrhunderts.

Schon durch seine Lage bedingt, am Fuße der Berge und am Rande der Ebene des Burzenlandes, bot sich Kronstadt als sicherer Rastplatz an. Wie alt die Handelsrouten, die durch Kronstadt führten, waren, wird vielleicht noch entdeckt, doch die Geburtsstunde der schriftlich vermerkten Geschichte war der 28. Juni 1358. Es war die Bestätigung für die Kronstädter Kaufleute, dass sie die Strecke bis zur Donau, in die Häfen Brăila und Galatz, mit ihren Warenkarawanen nutzen dürfen, und wurde von König Ludwig I. von Anjou (1339-1384) erteilt. Im Privileg von 1358 wurde die Route Kronstadt, Rucăr, Câmpulung, Târgovişte, Gura Ialomiţei, Brăila angegeben. Ein anderer Weg führte entlang des Tömösch/Timiş und setzte sich über das heutige Predeal, entlang der Prahova, im Ialomiţa-Tal bis nach Brăila fort. Der dritte Weg war eine Abzweigung des letzteren und war als Drumul Teleajenului bekannt. Der Historiker Cezar Popescu nannte ihn „den großen Weg nach Kronstadt“ (Drumul cel mare al Braşovului). Er ging über Zeuzon/Zizin, Tabla Buţii, Vălenii de Munte, Bucov, Gherghiţa, Oraşul de Floci bis nach Brăila. Alle drei Routen waren mit Sicherheit schon viel früher von Schafherden zurückgelegt worden, die sich nach Süden oder Südosten bewegten.

Es folgten mehrere Bestätigungen der Privilegien, manche davon mit Erweiterungen: 1368 gewährte diese Vladislav Vlaicu, 1413 Mircea der Alte und bis 1444 alle seine Nachfolger. Ştefan der Große erteilte 1457 auch ein Handelsprivileg, welches besagt, dass „alle Kronstädter und alle Kaufleute sowie das ganze Burzenland sich frei mit ihrer Ware durch Städte und Märkte bewegen dürfen, um ihre Ware zu verkaufen“.

Dabei hatten die Kronstädter Kaufleute noch einen großen Vorteil auf ihrer Seite: 1369 hatte ihnen König Ludwig I. das Stapelrecht für Tuch verliehen, welches ihnen erhebliche finanzielle Vorteile verschaffte. Stapelrecht bedeutete nämlich praktisch das, was man heute als „Handelsbarriere“ bezeichnet. Kaufleute, die mit Tuch handelten und solches transportierten, waren verpflichtet, ihre Ware in Kronstadt abzuladen (stapeln) und diese 30 Tage lang zum Verkauf anzubieten. Diese Ware wurde von den Kronstädter Kaufleuten günstig eingekauft und in Brăila oder Galatz mit gutem Gewinn weiterverkauft, um verschifft zu werden.

Mit diesen Wegen befassten sich mehrere Forscher, unter ihnen auch Vasile Pârvan, der die Entstehung im frühen Mittelalter vermutet und über welche er meinte, dass sich auf ihnen „etwa sieben Jahrhunderte nach Christus Bewohner beider Seiten der Karpaten hin und her bewegten“. Die erwähnten späteren Bestätigungen des Privilegs beziehen sich auf alle drei Routen und geben mehrmals Auskunft auch über die beförderten Waren. Der Woiwode Dan der Walachei bestätigte 1422 für alle seine Untertanen in Märkten und am Zoll, dass „in Einverständnis mit den Kronstädtern von und nach Kronstadt Wachs, Talg, Silber, Gold oder alles andere frei zu führen ist. Und ebenso von Kronstadt alles, was erwünscht ist, zu bringen, sei es Tuch, Silber oder was ihnen beliebe“.

Außer den zahlreichen Bestätigungen des Privilegs zum freien Handel gab es auch viele Unterbrechungen dieser florierenden Tätigkeit, hervorgerufen durch Kriege und Überfälle. Am bekanntesten in diesem Sinne ist Vlad III., genannt der Pfähler, der Kronstädter Kaufleute töten ließ und mehrere Einfälle nach Siebenbürgen verübte.

Auch Fürst Michael der Tapfere nahm 1599 den Weg über den Bosauer Pass/Pasul Buzău, als er nach Siebenbürgen kam. An ihn erinnern noch heute mehrere Standortbezeichnungen: „Der Felsen des Michael“, „Der Tisch Michaels des Tapferen“ oder „Tabla Buţii“, eine Bezeichnung, die als „Fässer-Tisch“ gedeutet werden könnte, ausgehend von den Wein- und Ölfässern, die hier mit Ochsenwagen befördert wurden.

Bevölkerungszuwachs, technische Entwicklungen, Neuerschließungen und Waldrodungen führten dazu, dass entlang der Wege neue Ortschaften entstanden, Streckenabschnitte neu angelegt oder ausgebaut und die Fahrten sicherer wurden. Ältere, schwierige Abschnitte wurden aufgegeben und sind heute nur noch Hobbyforschern oder Einheimischen bekannt. Ladislau Kapitany aus in Săcele, neben Kronstadt, ist begeisterter Wanderer und erforschte mehrere solche vergessene Abschnitte. Dabei entdeckte er die Grundmauern von drei befestigten Anlagen: Királyhegy, eine Burg bei Poiana Strîmba de Sus, Királyko vára oder Cruceburg aus der Zeit der Arpaden (11. Jahrhundert) und Tatárvár, 1223 vom Deutschen Ritterorden gegen die Kumanen erbaut, vernichtet, aufgebaut und wieder vernichtet.
Das Neuerschließen von Streckenabschnitten und Abkürzungen endete 1789, als die Verbindung über das Prahova-Tal von Norden nach Süden hin modernisiert wurde.

Übrig geblieben sind Eintragungen, die heute gruselig klingen, so wie die von Oberst Karl von Götze aus einem Band über Ungarn und Siebenbürgen: „Es ist einer der schwierigsten Wege, der gefährlichsten und schaurigsten, den ich jemals zurückgelegt habe. Es bleibt ein Wunder, wie es die Pferde bis hinauf geschafft haben.“ Selbst 1864 schlug ein französischer Straßenbauingenieur in „La Voix de la Roumanie“ noch vor, die Route durch das Prahova-Tal zugunsten der über das Teleajen-Tal aufzugeben, da die Erweiterung noch schleppend vorankam.

Der Verlauf der heutigen Straße von Kronstadt nach Predeal wurde 1850 vermessen und angelegt. Dieser Verlauf ist mit geringen Abweichungen, hervorgerufen durch Erweiterungen oder Begradigungen, derselbe geblieben.

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