Alte Kinosäle in Kronstadt werden saniert

Anderthalb Millionen Euro für das ehemalige „Modern“

Montag, 11. April 2016

Vor 20 Jahren waren in Kronstadt sieben Kinos in Betrieb: „Patria“, „Astra“, „Modern“, „Bulevard“, „Cosmos“, „Popular“ und „Arta“. Das sollte sich aber schnell ändern. Anfang der 2000er Jahre wurden die Kinosäle einer nach dem anderen geschlossen. Im Januar 2010 gab es nur noch das „Modern“-Kino auf der Griviţei-Straße. Es war eigentlich ein Disco-Saal, der während des Tages zum Kino umfunktioniert wurde. Die wenigen Zuschauer, die kamen, um Filme zu sehen, nahmen auf einer braunen, abgewetzten Leder-Couch Platz. Im Saal roch es stark nach Zigarettenrauch. Es dauerte nur noch wenige Wochen, bis auch bei „Modern“ der letzte Spielfilm über die Leinwand lief.

RADEF, der Autonome Regiebetrieb für Filmvertrieb, überließ das Gebäude den lokalen Behörden. Seitdem wurde nichts für das ehemalige „Modern“ unternommen. Jetzt gibt es endlich eine gute Nachricht: In der letzten Sitzung des Kronstädter Lokalrates hat man beschlossen, mit den Sanierungsarbeiten am Gebäude des „Modern“ anzufangen. Auch für andere zwei Kinos im Stadtzentrum („Popular“ und „Astra“) gab es während der letzten Jahre verschiedene Pläne. Wegen Geldmangel wurde die Sanierung der Gebäude jedoch jedes Mal aufgeschoben. Inzwischen sind die Gebäude, in denen früher Filme über die Leinwand liefen, fast zu Ruinen geworden.

Gebäude dringend sanierungsbedürftig

Die Kosten des Projekts für die Sanierung des „Modern“-Kinos werden auf 6,7 Millionen Lei  (ungefähr anderthalb Millionen Euro) geschätzt. Die Arbeiten werden 18 Monate dauern und das Bürgermeisteramt hat vor, einen Kino-saal und einen Saal für Kulturveranstaltungen einzurichten. Die beiden Säle werden laut Projekt 114, beziehungsweise 190 Sitzplätze haben. Auch für die Kinos „Popular“ in der Klostergasse/Str. Mureşenilor und „Astra“ auf der Postwiese gibt es Projekte. Aber leider nur auf dem Papier. Beide Gebäude sind in einem sehr schlechten Zustand und dringend sanierungsbedürftig. Jahrelang waren in den Räumen Klubs oder Spielotheken in Betrieb, nun stehen sie leer und sind fast zu Ruinen geworden. Für die Restaurierungsarbeiten gab es bisher kein Geld. Vor ein paar Jahren hatten Vertreter der Theater-und Filmuniversität „Ion Luca Caragiale“ in Bukarest den Plan, eine Studienabteilung für Film in Kronstadt zu gründen. Sie hatten vor, den Saal des Kinos „Popular“ zu renovieren und für die studentischen Aktivitäten zu nutzen. Das Projekt wurde aber aus unbekannten Gründen aufgegeben.

Für das „Astra“-Kino standen, laut den Presseberichten der letzten Jahre, eine Million Lei aus dem Stadthaushalt zur Verfügung. Jedoch hat man bis jetzt nichts für die Renovierung unternommen. Das Gebäude wurde vor einigen Jahren von der Stadt in Verwaltung genommen und in den Haushaltsplan 2016 aufgenommen. Der Stadtrat hat voriges Jahr beschlossen, die Fassade zu erneuern. Dafür wurden 300.000 Lei bewilligt, von denen auch eine Statikstudie ausgearbeitet werden soll, die später als Grundlage für die Innenarbeiten dienen wird. Man müsste dringend mit den Arbeiten anfangen, da sich das Gebäude in sehr schlechtem Zustand befindet: Deutlich sichtbare Risse ziehen sich durch die Fassade, der Putz bröckelt, Farbe löst sich von der Wand. Ein guter Teil des Gebäudes ist von Graffiti und Postern für Veranstaltungen bedeckt. Nichts erinnert mehr daran, dass man früher hier Schlange stand, um die neuesten Filme zu sehen.

Die beliebteste Freizeitbeschäftigung der Kronstädter

Kronstadt hat eine lange Filmtradition – 1896 wurde sie zur ersten Stadt Siebenbürgens, in der ein Film gezeigt wurde. Die Projektion fand in der Villa Kertsch (heute steht an dieser Stelle das Modarom-Gebäude) statt, bewegte Bilder liefen über die Leinwand. Die Tradition hat sich über die Jahre erhalten. Zwar stehen die Leute nicht mehr wie früher vor der Kasse Schlange, Kino gehört aber zu ihrer beliebtesten Freizeitbeschäftigung außer Haus. Das besagt jedenfalls die Studie  „Kulturkonsum der Bevölkerung des Munizipiums Kronstadt“, die im Herbst des Jahres 2015 an die Öffentlichkeit gebracht wurde. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass in Kronstadt 11,6 Prozent der Befragten wenigstens einmal im Monat ins Kino gehen. Für Filmliebhaber gibt es inzwischen auch eine relativ gute Auswahl: Zu den acht Kinosälen in der Shoppingmall „Coresi“ kommt auch die im Jahr 2014 mit europäischen Mitteln vom Bürgermeisteramt Kronstadt eröffnete „Patria“-Kinemathek hinzu, die inzwischen ein loyales Stammpublikum gewonnen hat.

Darüber hinaus gibt es auch in manchen Bars und Cafés der Stadt ein interessantes Kino-Angebot. Bei HOF Café (Marktplatz 14) wird jeden Montag, um 19 Uhr, im Rahmen der sogenannten „Artburg-Abende“, ein Dokumentarfilm gezeigt. Initiatorin des Programms ist die Kronstädter Regisseurin Laura Căpăţână-Juller. Nach dem Film gibt es jedes Mal eine Diskussion mit dem Publikum. Bei „Jar“ (Purzengasse 42) findet jeden Dienstag, um 20 Uhr, die „Filmothek“ statt. Es werden meist ältere Filme gezeigt, die inzwischen zum Kult geworden sind. Organisiert werden die Events von „CineClub Braşov“. Im Sommer werden auf dem Marktplatz und auf der Promenade unter der Zinne Filme unter freiem Himmel gezeigt.

Auch werden in der Stadt seit einigen Jahren das Horror und Fantasy-Festival „Dracula Film“ und das „48 h Film Project“ organisiert. Letztere ziehen auch Touristen an. Junge Filmemacher und Kino-Liebhaber aus anderen Städten kommen, um einige Stunden in der Dunkelheit des Kinosaals zu verbringen.
Ob sich auch das „Modern“-Kino bei den Kronstädter Filmliebhabern großer Beliebtheit erfreuen wird, ist noch nicht sicher. Auf jeden Fall wird es nicht leicht sein, ein Stammpublikum zu gewinnen. Im Februar 2016 wurden die drei Kinosäle in der Eliana Mall geschlossen, da es immer weniger Publikum gab.

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