Alte und neue Herausforderungen

Das Kronstädter öffentliche Verkehrsamt und der Abschleppdienst

Dienstag, 21. August 2012

Weniger Buslinien und keine Trolleybusse haben direkt vor dem Kronstädter Hauptbahnhof ihre Endhaltestelle. Foto: der Verfasser

Fünf Direktoren des Kronstädter öffentlichen Verkehrsamtes (RATBv) müssen sich vor Gericht verantworten. Generaldirektor Augustin Pulpea und seinen leitenden Mitarbeitern wird Amtsmissbrauch vorgeworfen, wobei für die Stadt ein Schaden von fast 62.000 Euro entstanden sein soll. Es geht dabei um die Vergabe von Verträgen betreffend das Abschleppen der gesetzwidrig geparkten Pkw auf öffentlichen Flächen der Stadt. RATBv, ein Regiebetrieb, der dem Stadtrat unterordnet ist, hatte nämlich auch die Befugnis erhalten, die falsch geparkten Fahrzeuge abschleppen zu dürfen, um sie dann, nur gegen ein saftiges Strafgeld, an ihre Eigentümer wieder freizugeben. Diese zusätzliche, nicht geringe Einnahmequelle sollte mithelfen, die Finanzlage von RATBv aufzubessern. Die Regiedirektoren haben es aber vorgezogen, diese zusätzliche Aufgabe an zwei Privatfirmen abzugeben und sind dabei anscheinend inkorrekt vorgegangen.

Das Verkehrsamt war auch im Wahlkampf der Lokalwahlen eines der Hauptthemen. Es ging dabei um die freien Fahrten der Rentner, die die Stadtverwaltung gestrichen hatte, mit der Begründung, das ließe sich nicht mehr finanzieren. USL warf dieses dem Bürgermeister George Scripcaru und seiner Partei (PDL) vor und versprach den Rentnern, die sich sowieso einer 50-prozentigen Ermäßigung beim Kartenkauf erfreuen, die Gratisfahrten wieder einzuführen. Das ist bislang noch nicht geschehen und wird wohl so bald, wegen der Krise, auch nicht der Fall sein.
In Kronstadt sind nun schon seit geraumer Zeit die RATBv-Fahrkarten nicht verteuert worden. Eine nicht ermäßigte Fahrt kostet 1,50 Lei, eine Doppelfahrkarte 3 Lei. Hinzu kommen Dauerfahrkarten mit Ermäßigungen für Schüler und Studenten. Dafür bietet der Regiebetrieb Dienstleistungen, an denen eigentlich nicht viel auszusetzen ist. Der in den Haltestellen angebrachte Bus-Fahrplan wird eingehalten. Neue Busse wurden angekauft, die zum Teil aus Minsk stammen und demzufolge auch nicht zu teuer waren. Bei den neuesten wird die nächste Haltestelle auch per Mikrophon und elektronisch auf einem laufenden Band angekündigt. Im alten Stadtzentrum und in der Oberen Vorstadt werden Kleinbusse eingesetzt, die in den engen Gassen besser zurechtkommen. Was von den Umweltschützern nicht gern gesehen wurde, die Aufgabe der einzigen Straßenbahnlinie, die in Nord-Süd-Richtung Kronstadt durchfuhr (Rulmentul – Astra-Viertel), hat zu einem flüssigeren Straßenverkehr geführt. Bei dem zunehmenden Kreisverkehr, der viele Ampeln an den Kreuzungen verschwinden ließ, wäre die Straßenbahn überfordert gewesen. Stark reduziert wurden auch die umweltfreundlicheren Trolleybusse. Neue, besser systematisierte Endhaltestellen sind in Bartholomä, auf der Postwiese und im Astra-Viertel entstanden. Ebenso neue Verkehrslinien, die Direktverbindungen zwischen den verschiedenen Stadtteilen ermöglichen. Fahrkartenautomaten sind erschienen, während Fahrkarten immer mehr nur über die eigenen Verkaufsstellen (kleine Blechkioske in den Haltestellen) verkauft werden und nicht bei den benachbarten Zeitungs- oder Tabakläden.

Nun versucht RATBv, auch in den Nahverkehr einzusteigen. Eine Verkehrslinie (17 mit Balken) gibt es bereits. Sie verbindet den Hauptbahnhof mit Untertömösch (außerhalb des Stadtgebietes gelegen). Nach Biengärten/Stupini verkehren gleich mehrere Linien. Kronstadt als Metropolregion will auch den Schienenverkehr besser nützen. Dann könnten Nahverkehrszüge (ähnlich den deutschen S-Bahnen) zwischen Kronstadt und jenen Ortschaften eingesetzt werden, die bereits über Bahnhöfe verfügen, zum Beispiel Rosenau, Zărnești, Zeiden, Weidenbach, Brenndorf, Marienburg, Nussbach. Das würde für RATBv eine Monopolstellung bedeuten, die dem Regiebetrieb bereits heute strittig gemacht wird.
So gesehen, ist es offensichtlich, dass der Regiebetrieb eher Pluspunkte in seiner Tätigkeit der letzten Jahre aufweisen kann und dass er die an ihn gestellten Herausforderungen recht gut meistern konnte. In Sachen Verkehrssicherheit und Pünktlichkeit klappte es.
Dass nun ausgerechnet der aufgehalste Abschleppdienst der RATBv-Führung zum Verhängnis werden kann, ist überraschend. Die Direktoren hatten ihre eigentliche Arbeit gut getan und haben wohl gedacht, beim Abschleppen der Parksünder auch andere verdienen zu lassen. Wohl mit der Erwartung, dass diese so ein Entgegenkommen der Transportregie-Führung auch zu honorieren wissen.

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