Am Pranger: Österreichische Holzverarbeiter

Schweighofer Holzindustrie soll illegalen Holzeinschlag in Rumänien fördern

Mittwoch, 13. Januar 2016

Im Banater Bergland und in den angrenzenden Massiven Poiana Ruscă und Ţarcu – dem eigentlichen Buchenland Rumäniens - gedeiht die Buche in anderswo kaum für günstig gehaltenen Hanglagen von bis zu 60 Grad

Die Holzmafia macht vor keinem Naturschutzgebiet halt: hier ein Kahlschlag im Schutzgebiet Semenik - Nera-Quellen - Karasch-Klamm. Bis heute ist dafür niemand zur Verantwortung gezogen worden.
Fotos: Werner Kremm

„Transsilvanien“ – mit diesem Begriff verbinden viele einen Hauch von Vampirglaube rund um den legendären Grafen Dracula. Wörtlich übersetzt heißt der Begriff „Transsilvanien“ allerdings: „Jenseits der Wälder“. Und er bezeichnet Regionen, wo nach forstwissenschaftlicher Erkenntnis die letzten europäischen Urwälder wachsen; ein Teil davon ist schon seit den 1930er Jahren als Nationalpark geschützt. Doch der Schutz scheint nicht sehr effektiv zu sein: illegale Waldrodungen, auch Kahlschlag, so heißt es seitens der Umweltschutzorganisationen immer wieder, sind in Rumänien an der Tagesordnung. Deren jüngste Anschuldigung allerdings: Ausgerechnet das führende Holzverarbeitungsunternehmen Europas, nämlich die österreichische Schweighofer-Gruppe, fördere den illegalen Holzeinschlag. Das Unternehmen selbst weist die Vorwürfe ziemlich harsch zurück, kann damit aber die Umweltschutzorganisationen nicht wirklich überzeugen.

„Dieses Video zeigt ganz klar: Es kommt ein Kunde zu einem Holzwerk und sagt:  Sind Sie mir bereit, diese Tausend zusätzlichen, ungesetzlichen Kubikmeter abzunehmen? Und aus diesem Video geht dann offensichtlich hervor, dass man gesagt hat: Ja, wir wären bereit, dass zu machen“: Peter Bayard, Vorstandsmitglied im Deutschsprachigen Wirtschaftsclub Banat in Westrumänien, beschreibt ein Video, das die Nichtregierungsorganisation  „Environmental Investigation Agency“ (Kürzel: EIA) verdeckt gedreht hat.  Darin will die Organisation einen Mitarbeiter des österreichischen Holzverarbeitungs-Konzerns „Schweighofer Industrie“ überführt haben, wie er bewusst in ein Geschäft einwilligt,  bei dem es um Holz aus illegalem Einschlag  geht. Bayard hält das auf keinen Fall für ausgeschlossen. Denn: Sieben Millionen Festmeter Holz dürften in Rumänien pro Jahr legal geschlagen werden. Davon sei etwa bloß die Hälfte zur Weiterverarbeitung geeignet, also etwa 3,5 Millionen Festmeter. Dem stehe der Holzbedarf alleine des immensen  Schweighofer-Konzerns mit seinen drei Sägereien und zwei Verarbeitungswerken  in Rumänien gegenüber: „Er verarbeitet nach unseren Erkenntnissen etwa mit einer Sägekapazität von 3,6 Millionen.  Das kann meiner Ansicht nach nur durch illegale Machenschaften erfolgen.“

Deshalb hat der  „Worldwide Fund for Nature“  (WWF) Beschwerde gegen Schweighofer beim österreichischen Bundesamt für Wald eingereicht. Begründung: Schweighofer habe mit seinen Geschäften in Rumänien gegen die Europäische Holzhandelsverordnung verstoßen. Sollte dabei wirklich illegaler Holzeinschlag gefördert oder wissentlich geduldet worden sein, wäre dies nach Ansicht von Naturschützern eine ernst zu nehmende Bedrohung  für die letzten europäischen Urwaldbestände.

Sie berufen sich auf eine Studie der rumänischen Regierung. Demnach seien in den vergangenen zwei Jahrzehnten 80 Millionen Kubikmeter Holz im Wert von etwa fünf Milliarden Euro in den rumänischen Wäldern illegal gefällt worden, unter anderem auch in Schutzgebieten. Dazu gehören, unter anderem, die „Natura-2000“-Regionen. Und die „Natura-2000“-Region „Muntele Ţarcu“ im Westen Rumäniens. Dort kümmert sich Alin Ciulă von der Temeswarer Umweltschutzorganisation „Associaţia Altitudine“ um die Einhaltung der Schutzauflagen – so gut es eben geht: „Illegal wird es  immer dann, wenn man in Natura-2000-Bereichen  Bäume fällt, ohne dafür die erforderlichen Genehmigungen zu haben. Stets werden dann auch erheblich mehr Bäume als überhaupt genehmigt gefällt und dann auch noch illegal abtransportiert. Und so verschwinden zuletzt ganze Waldflächen aus der Gegend.“ Die entsprechenden Kahlschlag-Schneisen seien  für jedermann sichtbar, nur eben für die rumänischen Behörden nicht, sagt der aus Bokschan gebürtige Ciulă, Sohn einer Biologielehrerin.

„Schuld sind natürlich auch die Rumänen, die es erlauben. Sie bekommen Geld. Man  fällt drauflos. Die Wälder haben zu leiden. Es gibt selbstverständlich Gesetze, aber…naja.“ So beschreibt Florin Arhire, Umweltaktivist im rumänischen Temeswar,  die gängige Praxis. Nach seiner Beobachtung drücke vor allem die rumänische Forstverwaltung „Romsilva“  gerne beide Augen zu. Dass Korruption im Spiel ist, kann und will Florin Arhire nicht ausschließen. Derweil weist die österreichische Schweighofer-Gruppe die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück. In einer schriftlichen Stellungnahme dazu heißt es: „Wir haben immer wieder betont, dass wir über die illegale Abholzung in Rumänien genauso besorgt sind wie die Öffentlichkeit, und wir haben mehrfach darauf hingewiesen, das Holzindustrie-Schweighofer nicht Teil des Problems ist.“

Aus Nationalparks kaufe man erst Mal gar kein Holz an. Das  verdeckt gedrehte Video als Auslöser der Vorwürfe im vergangenen Jahr sei stark gekürzt und damit verfälschend veröffentlicht worden. Dass darauf tatsächlich, wie behauptet, leitende Schweighofer-Mitarbeiter aus Rumänien zu sehen sind, bestreitet das Unternehmen aber nicht...

Wie dem auch sei: Die Umweltschutzorganisationen bauen auf bessere Gesetze gegen den illegalen Holzeinschlag - und geben sich dabei verhalten optimistisch: Denn nach dem Rücktritt der post-sozialistischen Regierung steht nun mit dem parteilosen Ministerpräsidenten Dacian Cioloş ein Mann an der Spitze, der einst EU-Agrarkommissar war – und seinerzeit, so Umweltaktivist Florin Arhire, immerhin der neuen EU-Agrarordnung einen ökologisch geprägten Stempel aufdrücken wollte.

Vielleicht könne so jemand ja wirklich der rumänischen Holzmafia mit all den illegalen Kahlschlägen den Fehdehandschuh hinwerfen. Florin Arhire nennt einige weitere Verdienste, die sich Dacian Cioloş während seiner Zeit als EU-Agrarkommissar erworben habe: Cioloş sei gegen das sogenannte „Land-Grabbing“ (gegen massiven Landankauf durch ausländische Spekulanten) in Ländern wie Rumänien eingetreten, ebenso wie gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen.

Vielleicht, glaubt der Umweltaktivist aus Temeswar,   könne so jemand auch der rumänischen Holzmafia mit all den illegalen Kahlschlägen den Fehdehandschuh hinwerfen:„Ein bisschen Hoffnung gibt es.“


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