Am Rande einer Ausstellungseröffnung

Dienstag, 30. April 2013

Dr. Felicia Quint, Primarius der Ophthalmologie, Leiterin der augenärztlichen Abteilung im Kreiskrankenhaus Reschitza“ Foto: Werner Kremm

Bei der Eröffnung der letzten rumänischen Etappe der Wanderausstellung von sieben Museen aus vier Ländern im Museum des Banater Montangebiets in Reschitza gab es einen Überraschungsmoment. Generalmajor a.D. Ioan Ion, Ex-Staatssekretär im Verteidigungsministerium, bat, einen Brief folgenden Inhalts vorlesen zu dürfen:

„Liebe Zuhörer,

Wie der Herrgot und das Schicksal es manchmal so fügen, hatte ich Gelegenheit, früher als so manche(r) unter Ihnen den Katalog der Ausstellung „Migration im Donauraum. Die Ansiedlung der Deutschen im 18.Jahrhundert und ihre Folgen“ in die Hand zu bekommen. Und weil meine Hauptaufgabe zur Stunde der Ausstellungseröffnung im Augenoperieren im OP-Saal des Krankenhauses besteht, wende ich mich in Form eines Briefes zum Thema an Sie.

Ich bin die Tochter der Dosia aus Slatina Timiş und des Pavel/Paul Quint, ein Nachkomme deutscher Kolonisten aus Elsaß-Lothringen. Als Nachfahrin jener Mutigen wende ich mich heute an Sie.

Ich meine jene Mutigen, die, getrieben von Nöten und absolutistischer Gesetzgebung – und keinesfalls von Abenteuergeist – ihre Heimat verlassen haben und hunderte Kilometer donauabwärts hier hin kamen, wo ihnen vor 300 Jahren „bessere Zeiten“ winkten. Sie sind nicht fehl gegangen. Kein Fehler für sich selber, keiner für jene, von deren Seite sie gingen und denen sie den außerökonomischen Druck verringerten, auch keinen für die Orte und Gemeinschaften, wo sie sich niederließen, wie es Zeiten, Order, Möglichkeiten und Gewohnheiten erforderten. Sie brachten Nöte mit sich, aber auch Disziplin, sie brachte Bedürfnisse mit sich, aber auch Ehrlichkeit, sie brachten mit sich den Traum vom besseren Leben für sich und ihre Gemeinschaften. Ein bisschen Zivilisation brachten sie mit sich, als Exponenten des Abendlands, ein bisschen Offenheit, Umgänglichkeit, Freiheit und Mut.

Sie kamen auch ins Banat, diese unsere Vorfahren, in jenes Banat, das, auch dank ihnen, multiethnisch, multikulturell und multikonfessionell wurde. Bloß die Politiken „allzu hoher Häuser“ haben vorübergehend die Atmosphäre zwischen den Bewohnern dieses Raums getrübt, Menschen mit vielfältigstem Ursprung und buntester persönlicher Geschichte.

Irgendwie kann auch ich als „Fallstudie“ in diesem Sinn dienen. Der Wind der Geschichte hat meine Verwandten und die mir Nahestehenden mal nach Westen getrieben, mal in Arbeits- und Externierungslager des Ostens.

Ich bin hiergeblieben. Wie mich gibt es noch eine Menge andere. Ich blieb hier und setze fort, was meine Vorfahren begonnen haben. Ich bin und fühle mich dabei nicht allein. Hier bin ich mit allen, die denken, fühlen und arbeiten wie ich, unabhängig ihres Ursprungs, ihrer Kultur und ihres Glaubens.

Für das, was Sie mit dieser Ausstellung bewirkt haben, fühle ich mich Ihnen - als eine, die sich ihrer Her- und Ankunft in Raum und Zeit und als Nachfahrin Mutiger bewusst ist - zu Dank verpflichtet. Danke, dass es solche Veranstaltungen gibt, die Hommage und Erinnerung bezwecken und die zeigen, wie das Banat zu „Europa im Kleinen“ wurde, wie wir und unsere Vorfahren es uns erträumt und erwünscht haben.

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