Amateurhaftes Vorgehen hat in der Restaurierung nichts zu suchen

Zweite Fachtagung über die Kronstädter Innenstadt

Samstag, 29. Juni 2013

Architekt Edmund Olsefszky (Mitte) bietet fachliche Erläuterungen zu der durchgeführten Restaurierung des Gebäudes in der Purzengasse Nr. 4 in Anwesenheit auch des Initiators der Tagung Christian Macedonschi (links).
Foto: Hans Butmaloiu

Ein Teil der Referenten und der Moderator der Tagung: Caroline Fernolend, Silvia Demeter Lowe, Winfried Senker, Thomas Şindilariu (von links nach rechts).
Foto: der Verfasser

Blick auf den historischen Stadtkern von Kronstadt, eingebettet in das natürliche Umfeld
Foto: Ralf Sudrigian

Ohne Zweifel hat die Initiative, das Problem der Stadtentwicklung und Sanierung des historischen Stadtkerns von Kronstadt/Braşov in die Aufmerksamkeit der Stadtverwaltung und der breiten Öffentlichkeit zu bringen, ergriffen vom Vertreter des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), Christian Macedonschi, als gewähltes Mitglied des Stadtrats,  ein positives Echo ausgelöst. Auf die erste diesem Thema gewidmete Tagung, die am 27. Februar im Bürgermeisteramt iM Beisein des Stadtrats, von Architekten, Finanzberatern und dem Vertreter der evangelischen Honterusgemeinde, als einem der bedeutendsten Immobilienbesitzer in der Innenstadt, stattfand, folgte am 6. Juni eine zweite Fachtagung mit internationaler Beteiligung in der Redoute. Dort nahm man sich dieser dringend erforderlichen Maßnahmen an, machte auf die Gesetzgebung aufmerksam und zeigte die Erfahrung anderer Städte in ähnlichen Unterfangen auf.

Doch wie geht es nun weiter? Das ist die berechtigte Frage, die sich die Organisatoren stellen müssen. Wie kann die erforderliche Finanzierung gewährleistet werden? Wer wird der Projektträger? Denn die Eigentumsverhältnisse der zu restaurierenden Gebäude allein in der Innenstadt sind vielfältig. Und nicht nur da, denn, wie Mihai Pascu, der stellvertretende Vorsitzende des Kronstädter Kreisrates, betonte, gibt es im Kreisgebiet rund 1000 Denkmäler und Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen. „Kronstadt ist heute eine Stadt, auf die man stolz sein kann. Restauriert wurden bisher die staatlichen Gebäude, weniger jene in Privatbesitz. Dieses Gebiet, das viel früher europäisch wurde, als unser Land in die EU aufgenommen wurde, muss weiterhin so bleiben. Dazu tragen auch die Restaurierungen bei. Die Konferenz dient auch dazu, aus der diesbezüglichen Erfahrung anderer zu lernen“, stellte er einleitend fest. Das Kronstädter Bürgermeisteramt stehe allen Initiativen in dieser Angelegenheit offen, bekräftigte George Scripcaru, der Bürgermeister der Stadt. Dabei wies er auf eine der Schwierigkeiten hin, nämlich die des Eigentums der jeweiligen Gebäude. Obwohl gesetzlich die Eigentümer verpflichtet sind, die unter Denkmalschutz stehenden Bauten instand zu halten, tun sie das trotz der Steuerermäßigung, die sie erhalten würden, nicht und drohen sogar mit gerichtlichen Klagen gegen den Stadtrat.
Von einer gelungenen Zusammenarbeit zeugt jedoch der Vertrag zwischen Bürgermeisteramt und Stadtpfarramt der Honterusgemeinde bezüglich einiger Projekte, wie die gegenwärtige Sanierung des Honterushofes. Zudem wurde des Öfteren bei beiden Konferenzen die Restaurierung des Blauen Hauses, dem gegenwärtigen Verwaltungsgebäude der Honterusgemeinde, unter deren Leitung als erfolgreich bezeichnet.

Christian Macedonschi, nachdem er die in- und ausländischen Referenten, Architekten und die Bürgermeister der Städte Sathmar/Satu Mare und Freck/Avrig begrüßt hatte, erklärte: „Der Bau des historischen Stadtkerns war kostspielig und aufwendig für unsere Vorfahren. Die Restaurierung ist bedeutend billiger und die müssen wir vornehmen“. In diesem Kontext hob der Historiker Thomas Şindilariu hervor: „Die Situation vieler Baudenkmäler, errichtet von unsern Vorgängern, ist uns nicht gleichgültig. Doch an einigen wurden auch unerlaubte Eingriffe vorgenommen, was nicht mehr geschehen darf. Ich glaube an den Erfolg dieser Initiative, da zu viele Zukunftschancen für unsere Stadt bestehen, um uns einen Misserfolg zu erlauben“. In diesem Zusammenhang wird auch die  DenkmaltopograFie für den Kreis Kronstadt, von der bisher vier Bände erschienen sind und die von Dr. Christoph Machat koordiniert wird, ein wichtiges Arbeitsinstrument darstellen. Der nächste Band soll 2014 mit der großzügigen Unterstützung der deutschen Bundesregierung erscheinen. Er ist wie auch die vorherigen zweisprachig angelegt und umfasst über 600 Seiten. Als Beispiel für eine gelungene Restaurierung erwähnte er das Haus Nr. 14 in der Purzengasse/Str. Republicii, das mit Hilfe von Selgros und dem Bürgermeisteramt renoviert wurde. „Vielleicht findet sich ein Schuhproduzent, der das wunderschöne, im Jugendstil daneben errichtete Gebäude des Kronstädter Schuhfabrikanten Bahmüller  restauriert“. Er bot die Unterstützung des Deutschen Ortsforums in allen weiteren Initiativen an und glaubt: „Das Zentrum muss vital bleiben und nicht nur Banken und Cafés beherbergen“.

Auf eine reiche Erfahrung als Architektin blickt Silvia Demeter Lowe zurück, die von den 15 Jahren ihrer Tätigkeit zehn in Großbritannien verbrachte und auch auf das dort gesammelte Know-how zurückgreift. Sie machte darauf aufmerksam, dass die bestehende Bausubstanz sehr wichtig für die Erhaltung des lokalen Charakters ist. Auch zeigt sie sich besorgt wegen der schädlichen Einwirkungen auf die Gebäude, wie Regen, Verwendung der falschen Baumaterialien und dem Ersetzen der Fenster- und Türrahmen aus Holz mit Kunststoffmaterialien. Was die bestehende Gesetzgebung betrifft, äußerte sie die Meinung, diese sei nicht schlecht, schlecht sei jedoch deren Durchführung. Eine weitere Schwierigkeit, die Restaurierungsarbeiten voranzutreiben, ist die Tatsache, dass in der Innenstadt zum Großteil finanzschwache Senioren wohnen, die kaum auch nur eine Restauration der Fassaden ihrer Häuser bezahlen können. Allein die Dokumentation für derartige Vorhaben ist kostspielig für die Betroffenen.

Über die Erfahrungen in der Wiederbelebung der traditionellen Handwerke und Techniken innerhalb des Mihai Eminescu Trust berichtete Caroline Fernolend. Die bisherigen Ergebnisse zeugen von Erfolgen sowohl bei den durchgeführten Restaurierungen als auch im sozialen Bereich. Durch die Ausbildung von Dorfbewohnern zu Handwerkern wurden Arbeitsplätze geschaffen. Weitere konkrete Fakten bot Michael Engel als Vertreter der Heritas-Stiftung Hermannstadt, der auf die Restaurierung der historischen Stadtkerne von Hermannstadt und Temeswar einging. In den Jahren, die er seit 2005 in Rumänien verbracht hat, konnte er viel Erfahrung sammeln, auch bezüglich des hiesigen Arbeitsmarkts, wobei er betonte, dieser sei herausfordernd. Es gebe zu wenig praxisorientierte Ausbildung. Fachkräfte zögen weg und hinterließen schwer zu schließende Lücken. Auch sei die Bildungslandschaft unübersichtlich. Selbst hat die Stiftung, die 2007 gegründet wurde  und die die Tätigkeit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) fortsetzt, Ausbildungskurse organisiert. Ziel der GIZ war und ist der Erhalt des Kulturerbes und die Verbesserung der Lebensbedingungen in der Altstadt. Zwölf Architekten wurden beauftragt, den Bewohnern der Altstadt Auskunft über die Bedeutung der Restaurierungen zu geben und diese davon zu überzeugen.

Eine wichtige Rolle in dem Vorhaben kann die Kronstädter Metropolitanagentur spielen, die von deren Generaldirektor Dragoş David vorgestellt wurde. Diese hat bisher beispielsweise bei der thermischen Isolierung der Wohnblocks, aber auch bei der Restaurierung einiger Gebäude mitgewirkt. Diesbezüglich müsste der Kronstädter Stadtrat mehr tun; eine Arbeitsgruppe müsste gegründet werden, die sich dieser Aktion annimmt, um die nächsten Schritte mit Unterstützung von Stiftungen, des Architektenordens, und der Eigentümer einzuleiten. Dr. Götz von Thadden von der Europäischen Investmentbank stellte klar, dass in dieser Zeit niemand Geschenke macht. Und trotzdem muss das architektonische Erbe erhalten bleiben. Diesbezüglich gibt es das Programm JESSICA der EU, über das an Finanzierungen herangekommen werden kann. Dafür muss eine gut dokumentierte Verfahrensweise für die Sanierung ausgearbeitet werden und, wenn die Banken nicht investieren wollen, so könne JESSICA hilfreich eingreifen. Als Beispiel nannte er den Palast der Stadtverwaltung von Lissabon. Dank der Zusammenarbeit zwischen Brandenburg und der Region Zentrum konnten fünf große  Projekte in diesem Bereich entwickelt werden, unterstrich Dr. Birgit Schliewenz von Mancom Centru SRL, die seit mehreren Jahren in Rumänien lebt und sich für die Durchführung von EU-Projekten einsetzt. Für die fachkundige Moderation der Beratung sorgte Winfried Senker, Leiter der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit. Nach den Debatten konnten die Teilnehmer eine fachkundige Restauration am Beispiel des Gebäudes in der Purzengasse Nr. 4 begutachten. Edmund Olsefszky, Projektleiter und attestierter Architekt für Restaurierungen, bot den Teilnehmern Details zu den durchgeführten Arbeiten an dem Privateigentum.

Auch informierte Architekt Olsefszky in schriftlicher Form über seine Ansichten zu bestimmten Aspekten bei der Stadtentwicklung und Sanierung historischer Stadtkerne. Dabei baut er auch auf seine Teilnahme an mehreren internationalen Fachtagungen auf diesem Gebiet auf. Der Schutz, die Restaurierung und Revitalisierung eines historischen Stadtkerns müssen sich in die gesamte Entwicklung der Stadt eingliedern, um deren Authentizität zu bewahren. Dabei muss die Konservierung des Kulturerbes Priorität haben. Die Restaurierung allein auf die Fassaden  zu beschränken, sei der falsche Weg, denn wertvolle Baudenkmäler müssen als eine Einheit betrachtet und gepflegt werden. Desgleichen müsse den Schutzprogrammen unbedingt auch eine professionelle und soziale Dimension eingeräumt werden. Unbedingt erforderlich sei auch eine Beratung mit diesbezüglich erfahrenen Fachleuten, wie mit jenen aus Hermannstadt oder Temeswar. Auch besteht Architekt Olsefszky darauf, dass bei einer solchen Aktion die Beziehung zwischen dem historischen Stadtkern und dem natürlichen Umfeld beibehalten werden muss, die im Falle von Kronstadt einzigartig in Europa ist. Nicht zuletzt hat das Amateurhafte nichts in einem solchen Unterfangen zu suchen.
Die ersten Schritte in diese Richtung wurden durch die beiden Tagungen getan. Sicher haben diese auch die Aufmerksamkeit eines Teils der Stadtbewohner auf die nötige Sanierung des Stadtkerns gelenkt. Es bleibt nun den Organisatoren überlassen, die konkreten Schritte einzuleiten, da dafür ein enges Zusammenwirken aller entscheidenden Faktoren nötig ist.

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