An West-Uni einzige deutsche Schauspielabteilung außerhalb des deutschsprachigen Raumes

ADZ-Gespräch mit Dr. Eleonora Ringler-Pascu über die Deutsche Schauspielabteilung in Temeswar

Mittwoch, 18. März 2015

Universitätsprofessorin Dr. Eleonora Ringler-Pascu Foto: Zoltán Pázmány

Die Deutsche Schauspielabteilung an der Hochschule für Musik und Theater der West-Universität Temeswar/Timişoara soll in Kürze neue Räumlichkeiten zugeteilt bekommen. Dies, nachdem die Schauspielabteilung jahrelang mehrere Hürden nehmen musste, wie u. a. Mangel an einem eigenen Haus, an Unterrichtsräumen und Lehrkräften. Gegründet wurde die deutschsprachige Ausbildungsstätte für Schauspieler 1992 von den Temeswarer Schauspielerinnen Ida Jarcsek-Gaza und Ildikó Jarcsek-Zamfirescu, da nach der Wende sehr viele Schauspieler vom Deutschen Staatstheater Temeswar (DSTT) ausgewandert waren und somit ein Personaldefizit entstand. Univ.-Prof. Dr. Eleonora Ringler-Pascu unterrichtet seit mehreren Jahren an der Schauspielabteilung der West-Uni, war zwischen 2010-2011 Leiterin der Abteilung, und ist seit 2012 für das Erasmus-Programm und die Auslandsbeziehungen an der Hochschule für Musik und Theater zuständig. Über die Perspektiven der Absolventen, die Lehrkräfte und die Erasmus-Partnerschaften sprach ADZ-Redakteurin Iulia Sur mit der Hochschullehrerin Dr. Eleonora Ringler-Pascu.


Woher kommen die meisten Kandidaten  für die Deutsche Schauspielabteilung? Sind das größten-teils Absolventen der Lenauschule?

Teilweise kommen sie von der Lenauschule. Es sind die Theaterbegeisterten, die in der NiL-Gruppe von Isolde Cobeţ schon in diese Richtung erzogen oder begeistert wurden, anderer-seits aus dem Banat. Wir haben aber auch noch Studenten aus Bukarest bzw. hatten aus Hermannstadt und Sathmar. Wo es deutsche Schulen gibt, versuchen wir, Studenten für die Deutsche Schauspielabteilung heranzuziehen.

Inwiefern gibt es Interesse für die Deutsche Schauspielabteilung?

Es sind nicht so viele Absolventen, die in diese Richtung kommen. Es ist zu spezifisch, dass man Schauspieler wird. Ich würde eher sagen, dieser Beruf verlangt nun mal, dass man sich das wirklich überlegt, in Zukunft diesen Beruf weiterzuführen. Die meisten haben auch Angst, dass sie noch einen Job als Unterstützung brauchen, um ausreichend zu verdienen. Schauspieler zu sein, verlangt eben sehr viel Arbeit.
Wie gut sind diese Kandidaten vorbereitet?

Es sind alles Kandidaten, die erstens die deutsche Sprache sehr gut beherrschen. Sie kommen aus den deutschen Schulen und zum anderen lieben sie Theater, und das ist auch für sie die Motivation, das zu studieren. Es ist auch sehr wichtig, dass es begeisterte Studenten sind, die in diese Richtung kommen und das machen wollen.

Ist das die einzige deutsche Schauspielabteilung landesweit?

Es ist die einzige deutsche Schauspielabteilung landesweit, europaweit, weltweit – außerhalb des deutschsprachigen Raumes. Es ist ein Unikat. Es ist eine Überraschung für sehr viele, wenn sie erfahren, dass es hier in Rumänien eine Schauspielabteilung gibt, wo man sich als Schauspieler in deutscher Sprache ausbilden kann.

Wer sind die Lehrkräfte, die an der deutschen Schauspielabteilung vortragen?

Die Lehrer sind Absolventen dieser Schauspielabteilung. Anfangs waren es die zwei Schauspielerinnen, Ida Gaza und Ildikó Zamfirescu, die die Schauspielabteilung in Temeswar gegründet und die Studenten im Schauspiel ausgebildet haben. Von der Germanistik-Abteilung der West-Uni unterrichtete Peter Kottler hier und nachher kam ich. Die DAAD-Lektorin Katharina Keim hatte Stunden hier übernommen und über das Herder-Programm kam Horst Fassel aus Tübingen/Deutschland für längere Zeit als Gastlektor zur Deutschen Schauspielabteilung. In der Zwischenzeit unterrichten hier die Absolventen dieser Schauspielabteilung. Am Anfang sind sie Schauspieler gewesen: Enikö Benczö und Ecaterina Căpraru (auch Karina Reitsch), der Regisseur Ştefan Darida, der auch Hausregisseur am Deutschen Staatstheater war und jetzt exklusiv hier unterrichtet. Das sind die Lehrkräfte für die praktischen Unterrichtsfelder, d. h. Schauspiel, Szenen- und Rollenstudium, Improvisation. Für theoretische Fächer bin ich zuständig, d. h. Theatergeschichte, Theaterästhetik und Theorie des Dramas.

Welche Perspektiven haben denn die Absolventen der Deutschen Schauspielabteilung?

Das ist eigentlich ein glücklicher Fall für die Absolventen der Deutschen Schauspielabteilung, dass sie das Deutsche Staatstheater in Temeswar aufnimmt.

Alle Absolventen?

Nein, nur diejenigen, die sich bewerben. Es gibt dann immer ein Casting, einen Wettbewerb, wenn die Stellen ausgeschrieben werden, aber jedes Jahr gibt es ein bis zwei Absolventen, die dann am Deutschen Staatstheater angestellt werden. Einige unserer Absolventen spielen in der experimentellen Auăleu-Theatergruppe, andere, wie Colin Buzoianu, am Nationaltheater in Temeswar, Ethelka Magyari am Ungarischen Theater „Csiky Gergely“ in Temeswar und Mircea Dragoman am Jüdischen Staatstheater in Bukarest. Dann haben wir noch Ramona Olasz, die das Theaterlaboratorium in Bukarest gegründet hat. Eine ehemalige Studentin aus Ungarn, Ildiko Frank, ist jetzt Intendantin der Deutschen Landesbühne in Sechshard/Szekszárd. Nicht zuletzt sind mehrere unserer Absolventen bei der deutschen Abteilung des Radu-Stanca-Theaters in Hermannstadt tätig.

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Staatstheater Temeswar?

Die Zusammenarbeit besteht darin, dass unsere Studenten vor allem an den Sommerschulen, die in Wolfsberg organisiert werden, mitmachen dürfen, da unterstützt uns das Deutsche Staatstheater Temeswar finanziell. Ich hoffe, dass wir auch andere Formen der Zusammenarbeit finden. Ich würde sehr gerne sehen, dass vielleicht einige der Schauspieler, die unsere Absolventen sind, bereit wären, ab und zu mit unseren Studenten Miniworkshops zu organisieren. Es wäre sehr wichtig, weil die Studenten, die wir jetzt haben, die Schauspieler des Deutschen Staatstheaters Temeswar von morgen sind, und da möchte ich sogar mit dem Intendanten ein Gespräch führen, um zu sehen, in welcher Form sie uns noch unterstützen können.

Haben sich Studenten aus dem Ausland, aus Deutschland, um ein Schauspielstudium in Temeswar beworben?

Aus Deutschland hatten wir auch Studenten, die jetzt auch am Deutschen Staatstheater Temeswar tätig sind. Zum Beispiel Anne-Marie Waldeck, die aus Rumänien ausgewandert ist, in Deutschland gelebt und bei uns studiert hat. Jetzt arbeitet sie am Deutschen Staatstheater. Wir haben mehrere Ansuchen für nächstes Jahr bekommen.

Wer ist für die Sprecherziehung zuständig?

Es gibt eine Sonderdisziplin sozusagen. Die Sprecherziehung, die Bühnensprache, wird von den Schauspielern, die hier absolviert haben, unterrichtet. In Rumänien gibt es keine speziell ausgebildeten Erzieher für die Bühnensprache. Wir haben dafür Hilfe von unseren Erasmus-Partnern bekommen, die mit Workshops hier gewesen sind.

Sie sind für das Erasmus-Programm an der Hochschule für Musik und Theater zuständig. Welche Erasmus-Partner hat die Schauspielabteilung?

Seitdem ich hier bin, haben wir mehrere Erasmus-Partner. Einmal das Konservatorium Wien Privatuniversität, von dort hatten wir eine Sprecherzieherin, Eva Tacha-Breitling, die eine Woche hier gewesen ist und mit den Studenten gearbeitet hat. Ein anderer Erasmus-Partner ist die Kunstuniversität Graz. Von dort hatten wir im Herbst einen der Professoren, Martin Woldan, der Bewegung, Bühnengang und diese spezifischen Übungen sowohl mit den Studenten der rumänischen als auch mit denen der deutschen Schauspielabteilung gemacht hat. In diesem Sommersemester werden wir ebenfalls von der Kunstuni Graz einen Professor zu Gast haben, der einen Schauspielworkshop mit ihnen durchführen wird. Über die „Anton Bruckner“-Privatuniversität in Linz veranstalten wir ebenfalls einen Schauspielworkshop.

Gibt es auch Erasmus-Partner aus Deutschland?

Aus Deutschland haben wir eine Partnerschaft mit der Folkwang Universität der Künste aus Essen, der zweitbesten in Deutschland. Von da haben wir Professor Thomas Buts, der schon mit unseren Studenten während eines vom Deutschen Staatstheater Temeswar organisierten Workshops in Wolfsberg gearbeitet hat. Er wird wahrscheinlich über Erasmus kommen. Dann hatten wir junge Professoren, Absolventen von Niky Wolcz an der Columbia University New York. Letzten Sommer waren einige Professoren aus Rumänien hier, mit denen die Studenten gearbeitet haben, u.a. mit Miklos Bacs von der Kunstuniversität aus Klausenburg, ein sehr guter Professor und Schauspieler, er hat mit den Schauspielern und mit den Studenten gearbeitet. Ein anderer Partner ist die neue Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg. Wir haben ein Ansuchen seitens einer Studentin bekommen, die Sozialpädagogik studiert und sich zugleich im Schauspiel bei uns ausbilden will. So ist dann diese Partnerschaft zustande gekommen und wahrscheinlich werden wir mit der Zeit noch andere abschließen.

Welche neuen Projekte stehen in nächster Zukunft an?

Wir wurden vom spanischen Konsulat angesprochen, ob wir nicht für das Cafékultour Festival, das im April stattfindet, ein Projekt mit Schauspielstudenten über Sport in Spanien für sie machen wollen. Wir sagten zu. Dann wurden wir von einem Theater in Chemnitz kontaktiert und gefragt, ob wir an einem Theaterfestival für Studenten im Mai teilnehmen möchten, denn es kommen noch Studenten der Schauspielschulen aus Zürich und Graz. Wir fahren dann Mitte Mai hin. Es kam dazu, da wir ein bisschen Werbung für uns gemacht haben. Die Erasmus-Partner sind die beste Werbung für uns. So erfährt man, dass wir existieren. Es entstehen Kontakte zu verschiedenen Schauspielschulen und sie sind daran interessiert, uns kennenzulernen. Auch das Feedback von den Professoren, die hier gewesen sind, ist sehr gut.

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