Anerkennung einer langjährigen Forschungs- und Leitungstätigkeit

Sammelband der Ethnologin Dr. Ligia Fulga anlässlich ihres 65. Geburtstages gewidmet

Samstag, 20. Mai 2017

„Identitate şi alteritate. Valenţe ale patrimoniului etnologic în cercetarea actuală. In honorem Ligia Fulga la 65 de ani“, Transilvania Expres Verlag, Braşov 2016.

Band Nr. 12/2016 der Publikation des Vereins für Volkskunde-Wissenschaften Rumäniens, die unter der Bezeichnung „Caietele ASER“ erscheint, wurde der Direktorin des Kronstädter Ethnographie-Museums Dr. Ligia Fulga anlässlich ihres 65. Geburtstages gewidmet. Eingeleitet wird dieser mit einer ausführlichen Bibliographie über die Tätigkeit als Forscherin, als Autorin, über deren Zusammenarbeit mit siebenbürgisch-sächsischen Forschern, der Teilnahme an wissenschaftlichen Tagungen, als Leiterin des Kronstädter Volkskundemuseums und dessen Filialen. Es folgen weitere 15 Studien zu verschiedenen Themen, gezeichnet von namhaften Ethnologen aus dem In- und Ausland. Jedem Beitrag folgt eine Zusammenfassung in englischer Sprache sowie ein Bildanhang. Abschließend findet man einen Index der Autoren der im Band enthaltenen Studien. Veröffentlicht wurde der über 350 Seiten umfassende Band im Kronstädter Transilvania Expres Verlag und wurde von dem Ethnologen und wissenschaftlichen Forscher Dr. Emil Ţârcomnicu koordiniert.

Die am 10. November 1951 in der Gemeinde Mesentea, Kreis Alba, geborene Ligia Fulga, hat nach Abschluss des Lyzeums in Karlsburg die Fakultät für rumänische Sprachwissenschaften der Bukarester Universität (1971 – 1975) besucht. Nach dem Studienabschluss wurde sie der Ethnographieabteilung des Kronstädter Kreismuseums zugeteilt. Nach der Ernennung als Leiterin der Sektion (1985) gelingt es ihr, diese als selbstständiges Museum zu organisieren und seither dieses als Direktorin zu leiten. In diesen Jahren hat sie einen Deutschkurs des Goethe-Instituts in Berlin absolviert, 1994 konnte sie sich eines DAAD-Stipendiums erfreuen, hat sich an Dokumentationsaufenthalten in Frankreich, den Niederlanden, an dem Metropolitan Museum in New York beteiligt. 2001 hat sie an der Klausenburger „Babeş-Bolyai“-Universität mit der Dissertation „Das siebenbürgische Glas aus den XVII. - XVIII. Jahrhunderten“ promoviert. Drei Jahre später erschien diese als Buch und wurde 2007 auch ins Deutsche übersetzt.

Innerhalb von zehn Jahren (2000 – 2010) wurde das Museum durch die Eröffnung von zwei Ethnographie-Filialen außerhalb Kronstadts bereichert u.zw. der von S²cele und der in Reps. In dem Museum von Săcele wird besonders die Tradition der Schafzucht im Gebiet dokumentiert, in dem von Reps die Beziehungen der da seit Jahrhunderten lebenden Rumänen, Sachsen und Ungarn. 2010 wurde die Restaurierung des Gebäudeteils am Kronstädter Marktplatz Nr. 15 abgeschlossen und darin das Museum der städtischen Wohnkultur eröffnet. Allerdings wurde von den Nachkommen der ehemaligen Besitzer der Rechtsanspruch als Eigentümer erhoben und gerichtlich vorgegangen, was noch nicht zu einer endgültigen Lösung führen konnte.

Dr. Ligia Fulga und das von ihr geleitete Kollektiv widmete sich den Forschungen in Dörfern des Kronstädter Kreisgebietes, aber auch außerhalb dieses, hat in Zusammenarbeit mit den Museen Gundelsheim, Feldforschungen in den nach der Wende verlassenen Ortschaften durch die Aussiedlung der Sachsen vorgenommen. Sie ist Mitglied mehrerer internationaler und einheimischer Museums-Gremien, erhielt mehrere wissenschaftliche Prämien. Auch ist sie Autorin oder Mitherausgeberin mehrerer Fachbücher: „Die Siebenbürger Sachsen über sich selbst“ Band I, 2008 und Band II, 2015 (beide zweisprachig), „Das Siebenbürgische Glas im 17. und 18. Jahrhundert. Technische Lösungen, künstlerische Tendenzen“ (2007), der Katalog „Wandsprüche, Gebet und Arbeit“ 1995, gemeinsam mit Anca Crăciun.

Sie ist auch Verfasserin mehrerer Studien beispielsweise über die Kunstfotografen Emil und Josef Fischer, über „Aktuelle Veränderungen in der Kulturlandschaft der Siebenbürger Sachsen“, präsentiert 1995 in Bautzen, „Ethnologische Forschungen im Harbachtal“, 1996 vorgestellt bei der Tagung des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde in Köln, u.a.

Die weiteren Studien in dem Ligia Fulga gewidmeten Band umfassen unterschiedliche Themen. Univ.-Prof. Dr. Ferenc Pozsony geht auf Traditionen und Bräuche bei Sterbefällen unter den Sachsen ein und bezieht sich besonders auf den Friedhof von Tartlau. Dr. Dorel Marc, der auf wirtschaftliche und kulturelle Interferenzen eingeht, unterstreicht die Rolle von Joseph Frank oder Carl Wolff für Siebenbürgen. Dr. Beate Wild (Deutschland) bezieht sich in ihrer Studie „Häuser machen Leute. Identitäten rumänischer Arbeitsmigranten“ auf die repräsentativen Bauten, die sich diese in ihren Herkunftsorten, beson-ders im Norden des Landes errichten. Ana Grama befasst sich mit der Persönlichkeit von Candid Muşlea, der aus Rohrbach bei Fogarasch stammte und eine besondere Rolle als Lehrer am Andrei-Şaguna-Kolleg und als Kulturvertreter spielte. Architektin Marina Iliescu bietet Aufschluss über die Restaurierungen am Gebäude Marktplatz Nr. 15, in dem sich das Museum der städtischen Wohnkultur befindet.
Zusammenfassend - ein Dokumentationsband, der besonders für Fachleute im Bereich der Ethnographie aufschlussreich ist, und der auch weniger bekannte Aspekte für die breite Öffentlichkeit nun vergegenwärtigt. Dieser kann beim Verkaufsstand des Kronstädter Ethnographiemuseums am Rudolfsring/Bv. Eroilor Nr. 21 erworben werden.

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