Ankommen in Klausenburg

Dienstag, 28. März 2017

Um nach Rumänien zu reisen, braucht es nicht viel. Seit dem EU-Beitritt 2007 reicht der Personalausweis aus. Die Warteschlangen sind kurz und die Passkontrolle macht einen wohlorganisierten Eindruck. Im Land selber jedoch, scheint die Verwaltungsmaschine manchmal noch ein wenig, nun ja, zu stocken. Das beginnt schon mit der offiziellen Registrierung in Klausenburg. Zunächst benötigt man eine Gesundheitsbescheinigung eines Arztes, anschließend ist in der Nähe des Rathauses eine Gebühr von zwei Lei zu zahlen, dann muss der Einzahlungsbeleg ans andere Ende der Stadt getragen werden, um sich dort bei der zuständigen Stelle registrieren zu können. Die jeweiligen Büros haben natürlich nicht täglich geöffnet, sondern immer nur an bestimmten Wochentagen und zu bestimmten Tageszeiten, sodass der gesamte Prozess mit Wartezeiten, Verständigungsproblemen und Fahrtzeiten gerne einige Stunden, wenn nicht sogar Tage in Anspruch nehmen kann. Einige meiner Kommilitonen versuchen nun schon seit mehreren Wochen, sich zu registrieren, scheiterten allerdings bisher mit all ihren Versuchen. Unweigerlich frage ich mich, wie Menschen diesen Marathon überstehen, die beruflich nach Rumänien kommen und eigentlich tagsüber arbeiten müssen.

Im Vergleich mit dem Aufwand, den es erfordert, ein studentisches Semesterticket für den öffentlichen Nahverkehr in Klausenburg zu erhalten, ist dies jedoch noch eine leichte Aufgabe. Wenn man als Erasmus-Student an seiner Gastuniversität ankommt, ist das für diese keinesfalls überraschend: Der Erasmus-Vertrag wird bereits ein knappes Jahr zuvor abgeschlossen und man könnte nun erwarten, dass sich die Universität dementsprechend vorbereitet hat – leider ist dem häufig nicht so. Die zuständigen Stellen sind häufig nicht zu erreichen oder widersprechen sich in ihren Aussagen. Zunächst dauerte es zwei Wochen, bis ich überhaupt meinen Studentenausweis erhielt, mit dem ich eigentlich bei den Verkehrsbetrieben ein Studententicket bekommen können soll. Leider wurden die Angestellten der Verkehrsbetriebe über diesen Zustand scheinbar noch nicht informiert und fordern deshalb, weitere Dokumente vorzulegen, die sich die Universität allerdings weigert auszustellen. Stattdessen schlägt man mir vor, ich solle den Fahrkartenverkäuferinnen erklären, dass ich ein Erasmus-Student sei und dann ließe sich das schon regeln. Wenig überraschend scheitert dieser Versuch abwechselnd an der vorhandenen Sprachbarriere oder dem Umstand, dass das Wissen über europäische Studentenaustauschprogramme bei meinem Gegenüber eher spärlich ausgeprägt ist. Einziger Lichtblick: Meine überaus weltoffenen und gastfreundlichen rumänischen Kommilitonen, die immer mit Rat und Tat zur Seite stehen und versuchen zu helfen, wo sie nur können. Ich bin mir sicher: Mit ihrer Hilfe schaffe ich es noch, ein Semesterticket zu erhalten – vielleicht sogar noch vor meiner Rückkehr nach Deutschland!

Markus Kollberg studiert als Erasmus-Student bis Juli 2017 an der Babeş-Bolyai-Universität in Klausenburg Politikwissenschaften und Journalismus. In seinen Artikeln beschreibt er Land und Leute aus der Sicht eines Neuankömmlings in Rumänien.

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