Anregungen für die Schulerau als attraktives Reiseziel

Auf der Suche nach einem Entwicklungskonzept für den beliebten Kronstädter Winterferienort

Dienstag, 09. Dezember 2014

Die Experten aus dem Ausland bei der Schlusspräsentation im Bürgermeisteramt Kronstadt; stehend Vincent Neumayer (Projektmanager tinna vienna)
Foto: Ralf Sudrigian

Die Schulerau auf einer Ansichtskarte aus der Volksrepublik Rumänien in den 50er Jahren, als es da nur wenige Hotels gab.
Foto: Editura Meridiane

Experten aus den Niederlanden, Österreich und der Ukraine folgten der Einladung mehrerer Kronstädter Behörden (Kronstädter Metropolagentur, Bürgermeisteramt, Verein zur Förderung des Tourismus im Kreis Kronstadt, die Nichtregierungsorganisation „Casa Verde a Dunării“, Siebenbürgischer Karpatenverein u. a.), um erstmals in Rumänien in einer CUPA-Veranstaltung über ein Entwicklungskonzept der Schulerau/Poiana Braşov zu beraten. CUPA steht für „co-operative urban planning approaches“, auf Deutsch: eine Zusammenarbeit aufgrund städtebaulicher Überlegungen. Alles war als „implementation lab“ also als ein „Umsetzungslabor“ gedacht, dessen Schlussbericht öffentlich vorgestellt und den Nutznießern zur Verfügung gestellt wurde. Im September erfolgte ein erster Besuch vor Ort dreier Experten (die ADZ berichtete). Vom 26. bis zum 28. November wurden im Kronstädter Bürgermeisteramt Workshops abgehalten mit Beteiligung weiterer aus dem weltweiten CUPA-Netzwerk hinzugezogener Experten zusammen mit ihren Kronstädter Partnern.

Vergleiche mit anderen ähnlichen Reisezielen

Am ersten Tag stellte Huibert Haccou (international intervision institut, Niederlande) kurz die Ziele vor, wie auch die Vorteile, die diese Arbeitsweise mit sich bringt. Kreative Impulse, ein neues Denken sollten die Prozesse beschleunigen – alles von außen, von unparteiischer Seite kommend, ohne jedwede ideologische Beeinflussung.

Nach einer kurzen Schilderung des touristischen Potenzials, das die Schulerau vorweisen kann, folgten Präsentationen von Reisezielen, in denen Neugestaltungen vorgenommen wurden, mit dem Ziel, eine nachhaltige Entwicklung anzustreben. Mark Pavliv (Ukraine) sprach über Ausbauprojekte von Skigebieten im Umfeld von Lwow/Lemberg – einer der Austragungsorte der Fußball-Europameisterschaft 2012. Sandra Gassner (Österreich) stellte einen Kurort vor (Hochficht Böhmerwald in Oberösterreich, nördlich von Kronstadts Partnerstadt Linz gelegen), der auch von der Größenordnung und Höhenlage der Schulerau ähnelt. Auch dort wurde mit Erfolg angestrebt, nicht ausschließlich auf Ski und Wintersport zu setzen, sondern das ganze Jahr über Touristen heranzuziehen mit Angeboten wie Aktivurlaub, Wandern, Golf, Spa, Lokalgastronomie, Kulturevents. Nicht Massentourismus sei das Ziel, sondern vor allem Familien mit höheren Einkommen auch in ihrer zweiten oder dritten Urlaubsperiode (in der sogenannten Nebensaison) ein Wohlfühlen („relaxing“) mitten in einer schönen, sauberen Naturlandschaft zu bieten.

Joep de Roo, ein holländischer Experte, der seit einigen Jahren in Bukarest lebt und erfolgreich bei aus EU-Mitteln finanzierten Projekten mitarbeitet, stellte ein neues Tourismuskonzept für die nordgriechische Stadt Kavala vor. Er prägte auch zwei kurze, aber aussagekräftige Begriffe. Die Schulerau habe ein einzigartiges Angebot („unique selling proposition“): die Berge und die Nachbarschaft Kronstadts, wobei Kronstadt als Tor Siebenbürgens gelte. Nicht direkt auf Tourismus bezogen, aber wichtig, weil sie die Einbindung der Endverbraucher, der breiten Bevölkerungskreise, verdeutlichte, war die Präsentation von Femke Haccou, die als Landschaftsarchitektin in Amsterdam tätig ist.

Schulerau soll „Poiană“ bleiben

Poiană heißt auf Rumänisch Waldwiese. Dieser Bezeichnung sollte die Schulerau auch in Zukunft gerecht werden. Das heißt, den mittleren Teil dieses Landschaftsgebiets frei von Bauten zu halten und auch den Straßenverkehr zu drosseln. Wer unbedingt mit dem Auto fahren will, sollte dafür eine Extragebühr zahlen, lautete ein Vorschlag. Straßen gehören zum öffentlichen Raum und müssen vor allem Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung stehen. Das Zentrum soll zum Treffpunkt werden, es soll Orte geben, wo Kulturevents abgehalten werden, Freizeitangebote vorliegen, Einkaufsmöglichkeiten bestehen usw. Alles könnte dann auch wie ein kleines, ruhiges Städtchen aussehen – soweit die Umwelt geschützt ist und die Natur alles problemlos verkraftet. Das heißt nicht, die Schulerau als eine Verlängerung oder ein Stadtviertel Kronstadts anzusehen; aber auch nicht, diesen Kurort lediglich als eine Anhäufung von Hotels zu gestalten, wobei manche Hotels eher wie Burgen aussehen und nicht gerade ein Willkommen für jeden beliebigen Touristen signalisieren.

Die Angebotsliste in der Schulerau kann und muss erweitert werden; der Winter und Skifahren bleiben wichtig, aber die Schulerau soll das ganze Jahr über attraktiv sein und nicht nur auf die kalte Jahreszeit setzen, wobei es, trotz Schneekanonen, in Anbetracht der globalen Erwärmung keine Schneegarantie gibt. Beim Abschlussbericht, zu dem auch die Presse eingeladen war, wurden stichwortartig viele Vorschläge genannt: Im Winter kämen hinzu Skilanglauf, ein Kids Snow Park, Eislauf; das ganze Jahr über: ein Camping am Rande der Schulerau, ein Bikepark, Trassen für Mountainbiking, ein Erlebnis- und Fun-Park, Wandermöglichkeiten in der Umgebung mit herrlichen, besser einzurichtenden Aussichtsstellen.
Klettermöglichkeiten gibt es auch. Hinzu kommen noch „exotische“ Angebote wie Paragliding und Luftballonfahrten. Reiten kann man bereits jetzt und bald wohl auch Golf spielen. Die Nähe Kronstadts ist ein Pluspunkt für die Schulerau, wobei auch das Umgekehrte gültig ist. Von der Schulerau aus sind Fahrten ins nahe Burzenland unkompliziert mit Sehenswürdigkeiten zu verbinden, wie die sächsischen Kirchenburgen, das nahe Rosenau, die Törzburg. Nicht zu vergessen die Rolle, die die Schulerau bereits jetzt als Tagungsort für Geschäftsleute und nicht nur spielt.

Die nächsten Schritte

Um die Dinge kurz- und mittelfristig zu bewegen, sei es wichtig, nicht nur den Tourismusbereich anzusprechen, sondern ein Netzwerk zur Unterstützung dieser Entwicklung zu haben, in dem die Gemeinschaft auch vertreten ist. Ein Ausschuss könnte gegründet werden, der öffentliche und private Interessen vereint. Junge Unternehmer müssen herangezogen werden; sie schaffen Arbeitsplätze und stellen eine Hilfe dar – nicht nur für die Schulerau, sondern für die gesamte Region. Geld könnte somit auch aus eigenen Mitteln locker gemacht werden, damit man nicht ausschließlich auf ausländische Investoren oder Hilfe angewiesen ist. Der für die Marktwirtschaft charakteristische Wettbewerb setze auch ein Teilen und eine Zusammenarbeit voraus, unterstrich Huibert Haccou. Das Bürgermeisteramt, das bereits die Skipisten verwaltet, soll stärker eingeschaltet werden, wie auch die Zivilgesellschaft und die Universität, wobei Etappenziele gesetzt werden und Transparenz in allen Bereichen (z. B. Baugenehmigungen) herrscht. Ein „Area Manager“ könnte eingesetzt werden.

Auch der Vorsitzende des Kronstädter Fördervereins für Tourismus (APDT), Christian Macedonschi, unterstrich die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit und Solidarität der Hotel- und Gaststättenbetreiber in der Schulerau. Zur Zeit herrsche eher Individualismus, wenn nicht sogar Misstrauen vor. Alle müssten verstehen, dass die Schulerau eine gemeinsame Vision benötige und in Konkurrenz stehe mit ähnlichen Reisedestinationen im nahen Bulgarien oder sogar im eigenen Land (z. B. Sinaia). Zurzeit ringe jedes Hotel um seine eigenen Touristen, obwohl eher gemeinsame Interessen, Strategien und Veranstaltungen Erfolgschancen hätten. Eine bessere Infrastruktur, qualifizierte Fachkräfte und gute Dienstleistungen – das betreffe alle und nütze allen.

Seitens der Veranstalter dankten Vertreter des Bürgermeisteramtes (Vizebürgermeisterin Alina Durbacă, Chefarchitektin Marilena Manolache), der Präsident der Metropolagentur Braşov, Dragoş David, der Präsident von „Casa Verde a Dunării“, Ovidiu Slimac, den ausländischen Gästen und allen Beteiligten für die nützlichen Anregungen und wertvollen Vorschläge. Ein Teil sei bereits in Angriff genommen worden, ein weiterer Teil werde mit Sicherheit berücksichtigt. In der Schulerau müsse man nun deren guten Ruf bestätigen und auch für neue Ideen offen sein – die Teamarbeit, so wie sie sich bei dieser CUPA-Veranstaltung bewährt habe, sei eine Grundvoraussetzung zum Erfolg.

Weitere Infos auf Englisch unter www.iiinstitute.nl

Kommentare zu diesem Artikel

dan, 09.12 2014, 10:19
Bisher ist die Schulerau ein Dschungel von diversen Bausünden und Attraktionen für Massentouristen. Herr Macedonschi hat sich bisher auch nur mit medienwirksamen Aktionen für Massentouristen und die Menge ausgezeichnet.
Präsentationen von irgendwelchen ausländischen "Experten" sind schön und gut... und bleiben Theorie, solange sie nicht umgesetzt werden in der Schulerau. Der Name Schulerau hätte im Ausland mehr Zugkraft als "Poiana" Brasov.
Es wäre an der Zeit, daß man auch in Kronstadt das sb.-sächsische Erbe als Schatz entdeckt und nicht weiterhin vernichtet und verleugnet!
Aus diesem Artikel geht nicht hervor, daß sich etwas zum Positiven ändern wird.
Es werden keinerlei Aktivitäten genannt, die sowas vermuten lassen.
So bleibt Kronstadt weiterhin hinter dem viel kleineren Hermannstadt als Touristenattraktion zurück, obwohl sein Potential eigentlich größer ist.
Doch scheint es, daß auch in Kronstadt nur das schnelle Geldverdienen um jeden Zweck wichtig ist bei den Akteuren vor Ort...
Wenn man sich die Umgebung, und auch die "Poiana" ansieht, dann noch mehr.
Auch der SKV din Brasov ist nur ein jämmerlicher unwürdiger Abglanz des sächsischen SKV.

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