Anschauliche Geschichte der Pharmazie

Apothekenmuseum in Hermannstadt wurde vor 40 Jahren eröffnet

Sonntag, 17. Juni 2012

Die alte Bären-Apotheke in Hermannstadt aus Holz, im Wiener Stil gefertigt.

Homöopathische Wandapotheke, gefertigt von Samuel Hahnemann für Baron Samuel von Brukenthal, Gouverneur vom Fürstentum Siebenbürgen, ca. 17.-18. Jahrhundert.
Fotos: Sabin Adrian Luca

Das der Geschichte der Pharmazie gewidmete Apothekenmuseum in Hermannstadt befindet sich am Kleinen Ring Nr. 26. Seine Eröffnung erfolgte 1972 aus zweierlei Motiven: einerseits existierte genau hier die erste Apotheke Siebenbürgens (1494 geschichtlich erwähnt), andererseits entwickelte sich in der Hermannstädter Gegend eine reiche pharmazeutische Tradition.

Das Haus, in dem das Apothekenmuseum untergebracht ist, befindet sich im historischen Ortskern der Altstadt. In diesem Gebäude wurde um 1600 die „Apotheke zum schwarzen Bären“ eröffnet. Die Sammlungen des Museums umfassen über 6600 Objekte, die wertvolle Hinweise liefern für die Entwicklung von pharmazeutischen Medikamenten und Techniken über mehr als dreieinhalb Jahrhunderte. Die Ausstellung ist nach dem Vorbild traditioneller Apotheken organisiert: Offizin, Laboratorium, Homöopathie.

Gegenstand der Offizin-Pharmazie sind die Tätigkeiten in einer öffentlichen Apotheke. Dazu gehören Entwicklung, Herstellung, Prüfung und Abgabe der Arzneimittel, Information und Beratung. Die Möbel der Hermannstädter Offizin sind in Wien im Jahre 1902 hergestellt worden und gehörten der früheren „Apotheke zum schwarzen Bären“. Ausgestellte Exponate, wie pharmazeutische Vasen aus Holz, Keramik, Steingut, Porzellan, Glas sowie Mörser mit Stößel aus Bronze und Eisen, Waagen und Gewichte zeigen die Entwicklung von Medikamenten und pharmazeutischen Instrumenten.

Die ausgestellten Exponate belegen eine ständige Beschäftigung mit Ästhetik und Optimierung. Besondere Aufmerksamkeit erzielen die hölzernen Gläser bzw. Gefäße, die aus dem 17. Jahrhundert stammen und die mit einer gemalten Signatur versehen sind. Betrachtet man diese Exponate genau, kann man die vorhandenen alchemischen Symbole erkennen. Das Laboratorium ist der wichtigste Sektor der pharmazeutischen Tätigkeit. Aufgrund der reichen Vielfalt der präsentierten Objekte erhält man Einblick in die komplexen Entwicklungsprozesse der Medikamente sowie der pharmazeutischen Wissenschaft.

Unter den ausgestellten Exponaten befinden sich auch Laborwaagen, Mörser aus Bronze, Eisen und Marmor, Maschinen zum Zerkleinern und Pulverisieren, zur Herstellung pflanzlicher Tinkturen, Behälter aus Keramik, Siebe, Filter und Glaswaren. Das Apothekenmuseum besitzt eine homöopathische Sammlung, die von Samuel Hahnemann (1755-1843) stammt. Dies ist weltweit die älteste Sammlung ihrer Art.

Der Begründer dieser therapeutischen Lehre, Samuel Hahnemann, lebte und arbeitete zwischen 1777 und 1779 als Leibarzt, Berater und Sekretär des Barons Samuel von Brukenthal, Gouverneur des Fürstentums Siebenbürgen, in der österreichisch-ungarischen Monarchie. So sind die homöopathischen Globuli entstanden. Die berühmte homöopathische Sammlung umfasst über 2900 Museumsstücke, Taschen, Flaschen, homöopathische Präparate, die noch aus der alten Hermannstädter „Apotheke zum Engel“ übernommen wurden.

Die vormalige „Apotheke zum schwarzen Bären“ führte auch der Apotheker Robert Guido Fabritius (1865-1949). Dessen Sohn Guido Fabritius wurde am 27. Oktober 1907 in Hermannstadt geboren. Nach dem Abitur an der Brukenthalschule folgte eine zweijährige Praktikantenzeit in der Apotheke in Sălişte, in deren Folge er Pharmazie an der Universität in Klausenburg studierte und sein Fachwissen an der Universität in Berlin vervollständigte.

Nach Hermannstadt zurückgekehrt, trat er hier als angestellter Apotheker in die väterliche Bären-Apotheke ein, die er 1936 auf eigenen Namen vertragsmäßig vom Vater übernahm. Im Herbst 1936 war Guido Fabritius Mitbegründer des „Vereins deutscher Apotheker in Rumänien“. Er hat auch an der Herausgabe der „Apotheker-Mitteilungen“, die ab 1937 als Beilage in der „Medizinischen Zeitschrift“ in Hermannstadt erschienen sind, mitgewirkt.

Einige der Ausstellungsstücke im Apothekenmuseum stammen aus der Großauer Apotheke, die der Apotheker Sigerus führte. Dessen Tochter Martha Henning, geb. Sigerus, schenkte diese Exponate dem Apothekenmuseum in dessen Gründungsjahr 1972.


Kontaktadresse des
Apothekenmuseums
in Hermannstadt:
Generaldirektor des
Museums Professor
Sabin Adrian Luca,
Kleiner Ring/Piaţa Mică
Nr. 26, Ro-550163
Hermannstadt,
Telefon:(00 40-269)
217691, oder (00 40-3 9)
101780,
Telefax: (00 40-269)
211545,
E-Mail: sabin.luca@brukenthalmuseum.ro.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*