Anspruchsvolles, modernes Kulturangebot

Deutsches Kulturzentrum Temeswar ist 10 Jahre alt geworden

Donnerstag, 15. März 2012

Zu den Ehrengästen zählte auch der deutsche Botschafter Andreas von Mettenheim. Foto: Zoltán Pázmány

„Es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass die Erfolge erkämpft werden müssen“, meinte Andreas von Mettenheim in seiner Festrede zum zehnjährigen Jubiläum des Kulturzentrums aus Temeswar. Niemand stimmte dem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland mehr zu als die Leiterin des Kulturzentrums, Alina Baciu. Schließlich waren die letzten drei Jahre eine Bewährungsprobe für sie gewesen. Als die Robert-Bosch-Stiftung sich als Hauptförderer zurückzog, bedeutete es für die Kulturzentren aus Rumänien die finanzielle Selbstständigkeit. Baciu musste sich 2010 mit Problemen konfrontieren, die ihre Vorgängerinnen nicht hatten. Für sie hieß es oft: Das sinkende Schiff retten.
 

Heute scheint der Sturm überstanden und die Sicht auf eine stabile Zukunft frei zu sein. Zwar griffen die Ehrengäste immer wieder das Krisenjahr auf, stets aber mit der positiven Anmerkung, dass das Kulturinstitut seine Schwierigkeiten mit Erfolg überwunden hat. Finanziell kann man auf eigenen Beinen stehen, wäre grob die Zusammenfassung aller Festreden. Das Deutsche Kulturzentrum Temeswar hält sich durch seine Sprachkursabteilung finanziell über Wasser und kann dadurch genau wie in den Anfangsjahren ein reiches Kulturprogramm anbieten.

Deutsche Kultur nach Temeswar bringen, war schon immer eines der Hauptanliegen des Kulturzentrums gewesen. Bei dem Empfang wurden diverse Plakate aufgehängt, die einen Einblick in die zehnjährige Tätigkeit des deutschen Kulturzentrums gewähren sollten. Die Projekte reichten aus der Zeit der ersten Leiterin Senta Höfer, über ihre Nachfolgerin Johanna Holst und bis hin zu der aktuellen Kulturmanagerin Alina Baciu.

Zahlreiche Lesungen, Ausstellungen, Theaterprojekte und Werkstätten stellten dem Temeswarer Publikum ein aktuelles und modernes Deutschland vor, im Kontrast zum oft veralteten Bild, das die deutsche Minderheit vermittelt. Oft gelang es dem Deutschen Kulturzentrum Temeswar durch ihre Kulturarbeit besonders die Jugend heranzuziehen und für die deutsche Sprache zu begeistern. Ein Vorhaben woran die Minderheit oft scheitert.

 2001 gründeten 17 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens die Rumänisch-Deutsche Kulturgesellschaft. Der gegenwärtige Vorstand besteht aus fünf Mitgliedern mit der ehemaligen Leiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Rumänien, Elke Sabiel, als Vorsitzende. Das Ziel der Gesellschaft war die Gründung eines Deutschen Kulturzentrums für die Region. „Der Stellenwert des Kulturzentrums ist hoch“, findet Sabiel. „ Es mag daran liegen, dass man von der Bundesrepublik eine Kultur mit Inhalt erwartet.“
 

Ein Beweis für das anspruchsvolle, kulturelle Angebot des Kulturzentrums erbrachte auch das Jazzduo „Sternklar“ aus Berlin, das bei der Jubiläumsfeier auftrat. Ihre Musik passte zu dem Abend: Alte, traditionelle Volkslieder, neu interpretiert und modern gespielt.

Die über 150 Gäste bewiesen, wie vernetzt inzwischen das Deutsche Kulturzentrum aus Temeswar ist. Nicht nur mit deutschen Literaturhäusern aus Berlin und Stuttgart oder deutschen Gegenwartskünstlern hat die Kultureinrichtung in den letzten zehn Jahren Kontakte geknüpft. Auch lokale Künstler und Institutionen erhielten die Unterstützung des Kulturzentrums.

Bei der Veranstaltung war auch die Leiterin des Goethe-Instituts Bukarest Beate Köhler anwesend. Die Sprachkurse des Deutschen Kulturzentrums sind vom Goethe-Institut zertifiziert. „Es gab am Anfang dieser zehnjährigen Geschichte zuerst einmal ein richtiges Fieber zwischen den Beteiligten, aber auch Holprigkeiten“, meinte Köhler.
 

Nicht nur die finanzielle Krise meisterte das Kulturzentrum, sondern auch das Problem der Räumlichkeiten. 2011 zog das Deutsche Kulturzentrum in ein neues und größeres Gebäude um. Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland Andreas von Mettenheim redete in seiner Festrede  scherzend auch von einer Neueröffnung, die er feierlich einweihen würde. „Ob zehn Jahre viel oder wenig sind, ist eine Altersfrage des Beschauers“, meinte der Botschafter. „Als ich jung war, waren zehn Jahre viel, jetzt kommen sie mir sehr wenig vor. Und das gilt vielleicht auch für das Alter eines Instituts, also lassen Sie in Ihren Anstrengungen nicht nach.“

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