Arader gedenken der Russlandverschleppung

Nur ein ehemaliger Deportierter wohnte der Veranstaltung bei

Montag, 15. Februar 2016

Im Kreis Arad leben nur noch etwa 20 ehemalige Russlandverschleppte. Vor Kurzem fand in Schimonidorf eine Gedenkveranstaltung statt
Foto: Adrian Ardelean

Arad - 71 Jahre ist es her: Anfang 1945, noch vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wurden 75.000 arbeitsfähige Rumäniendeutsche zur Zwangsarbeit in die damalige Sowjetunion verschleppt. Einer von fünf starb an Unterernährung, Erschöpfung und den miserablen Lebensbedingungen dort, die anderen kehrten fünf Jahre später, krank und geschwächt, nach Hause zurück. Heute leben nur noch wenige davon. An ihr Leid erinnern aber einige Denkmäler, die in den vergangenen 25 Jahren in verschiedenen Gemeinden aufgestellt wurden. Ein derartiges Denkmal befindet sich in der Arader Ortschaft Schimonidorf/ Satu Nou. Errichtet wurde es im Jahr 2008 aus Spenden sowie aus Mitteln der Gemeinde Mişca und des Arader Kreisrates. Der Verein der ehemaligen Russlandverschleppten aus dem Kreis Arad organisierte vor Kurzem eine Gedenkveranstaltung in Schimonidorf. Sie begann mit einem ökumenischen Gedenkgottesdienst in der katholischen Ortskirche. Die Predigt hielt auf Deutsch der evangelische Pfarrer Walter Sinn aus Semlak. Nach dem Gottesdienst begaben sich die Teilnehmer zum Denkmal der ehemaligen Russlandverschleppten, wo eine weitere Gedenkminute mit Kranzniederlegung abgehalten wurde.

Mit dabei waren der Bürgermeister der Gemeinde, der Leiter der Dorfschule, der katholische und der evangelische Ortspfarrer sowie mehrere Dorfbewohner und ein paar Gäste aus dem Kreis Arad. Anwesend war diesmal ein einziger ehemaliger Russlandverschleppter, Alois Weil aus Sigmundhausen/ Mureşel. Auch wenn inzwischen 71 Jahre seit seiner Verschleppung vergangen sind, kann er sich an die damalige Zeit gut erinnern. Die Deutsche Magdalena Kontras konnte damals der Zwangsarbeit entkommen, ihre Familienangehörigen aber starben in der Sowjetunion. Seit nun rund 25 Jahren kümmert sie sich um die Belange der ehemaligen Russlandverschleppten aus dem Kreis Arad. Mittlerweile leben nur noch etwa 20 ehemalige Russlandverschleppte im westrumänischen Verwaltungskreis. Magdalena Kontras besucht sie jährlich und bringt ihnen etwas Taschengeld mit. Das ist eine jährliche Geldhilfe vom deutschen Bundesministerium des Inneren im Wert von 25 Euro bzw. umgerechnet 112 Lei pro Person. Die ehemaligen Russlandverschleppten wurden in Rumänien nach 1992 den ehemaligen politisch Verfolgten des kommunistischen Regimes gleichgestellt und nutznießen entsprechende Rechte. Für die meisten war es aber viel zu spät.

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