Eine Schwäbin auf Weltreise

Sierra de Guadarrama – Wandern vor den Toren Madrids

Mittwoch, 20. September 2017

Burg von Manzanares el Real

UFO-Bunker aus dem spanischen Bürgerkrieg
Fotos: die Verfasserin

Madrid hört sich eigentlich eher nach einer Wochenend-Städtereise an. Das muss aber nicht unbedingt so sein. Wizzair bietet zweimal pro Woche günstige Direktflüge aus Temeswar/Timi{oara nach Madrid an und öffnet damit die spanische Hauptstadt für rumänische Touristen. Natürlich gibt es in Madrid unzählige Museen, Parks, wunderschöne Plätze, die zum Bummeln und Verweilen einladen, aber es ist eben ein Großstadt-Dschungel. Nur eine halbe Stunde von Madrid entfernt, schnell und günstig mit dem Zug erreichbar, liegt das Sierra de Guadarrama Gebirge. Auf der Webseite Wikiloc findet der begeisterte Naturliebhaber zig Tausend Wanderrouten verschiedener Länge mit GPS-Track für das Handy. Angefangen mit fünf Kilometer langen Rundwegen ohne Höhenunterschied, ideal für Anfänger und den zahlreichen Anhängern des „Sport-ist-Mord“-Glaubens bis hin zu anspruchsvolleren zweistelligen Kilometerrunden mit bis über Tausend Metern Höhenunterschied findet hier jeder das Seine.

Auch Geschichtsbegeisterte kommen hier auf ihre Kosten. Aus dem Dorf Cercedilla starten Wanderrouten, die über 2.000 Jahre alte römische Heerstraßen führen, die so gut erhalten sind, dass sie so manche Landstraße im heutigen Rumänien in den Schatten stellen. Alle Wanderstrecken sind deutlich sichtbar und in leicht folgbaren Abständen farblich markiert und auch ohne Handy und GPS-Track bewältigbar. Der „Camino de Agua“-Weg durch die uralten Pinienwälder ist rechts und links mit Brombeersträuchern gesäumt. Im August ist es eine herrlich leckere Sache, bei jedem Schritt im Vorbeigehen eine dicke, süße, reife Brombeere mitnehmen zu können! Am Dorfrand lädt der eine oder andere ausgewilderte Feigenbaum am Waldrand zum Naschen ein.

Der strategisch wichtigste Punkt am Fuße des Sierra de Guadarrama ist die Burg von Manzanares el Real, die den Stausee Navacerrada überblickt. Die Burg ist sehr gut erhalten und kann besichtigt werden. Abends ist sie eine lebendige Theaterbühne. Hinter der Burg liegt der interessanteste Teil der Gebirgskette: die Granitfelsenberge „La Pedriza“. Sie sehen so aus wie die Felsen auf den Seychellen, als ob Märchenriesen ihre überdimensionierten Spielsachen unaufgeräumt liegen gelassen haben. La Pedriza ist ein Naturreservat, das nicht mit dem Auto sondern nur mit einem (kostenlosen) Bus zugänglich ist. Von Parkplatz Canto Cochino aus startet der vierstündige La Gran Canada (der große Canyon) Rundweg durch diese einzigartige Landschaft, an reißenden Bergflüsschen und wilden Bergziegen entlang. Erfahrenere Bergsteiger können auch zum Gipfel El Yelmo aufsteigen. Da aber klettern mit Händen und Füssen dafür notwendig ist, sollte dieser Gams-Pfad eher nicht von unfitten Anfängern begangen werden.

Das gegenüberliegenden Ufer des Navacerrada-Stausees bewacht das massive katholische Kloster von San Lorenzo de El Escorial. Ein Rundgang hier dauert zwei Stunden, so riesig ist das Kloster! Ein Wanderweg mittleren Schwierigkeitsgrades führt auf den Gipfel des Berges hinter dem Kloster. Die Pinienwälder sind hier so alt, dass die Pinienzapfen fast so groß wie ein Kinderkopf sind! Der erste Teil des Weges führt über die Ruinen eines alten römischen Aquädukts, dessen geordneten Steinplatten einen starken Kontrast zu dem wilden Wald rundherum bilden. Vom Gipfel Pinar de Abantos aus ist nicht nur das Kloster von San Lorenzo de El Escorial und der Navacerrada-See gut zu sehen, sondern bei gutem Wetter, auch die vier Wolkenkratzer von Madrid.

Wer sich eher für neuere Geschichte und weniger für das römische Vermächtnis interessiert, der sollte die Wanderrouten rund um Paredes de Buitrago begehen. Der 17 Kilometer lange Rundweg ist in fünf Stunden locker bewältigbar und hat nur einen ganz gemächlichen Höhenunterschied. Die perfekte Vorbereitung für diese Wanderung ist übrigens ein Besuch im Reina Sofia-Museum wo Picasso´s berühmtes, riesiges, schwarz-graues Gemälde „Guernica“ ausgestellt ist. Das Gemälde wurde für den spanischen Pavillon der Pariser Weltausstellung von 1937 angefertigt und ist eine künstlerische Verarbeitung des ersten Bombenkrieges und der ständigen Angst der Zerstörung aus der Luft, der die späteren Gräuel des zweiten Weltkrieges erahnen ließ. Die mit einem rosa Punkt markierte Wanderroute „Frente de Aqua“, die in dem fast verlassenen Dorf Paredes de Buitrago anfängt, führt mitten durch die Fronlinien des spanischen Bürgerkrieges vom Ende der 1930er. Die runden Beton Bunker sehen aus wie UFOs und sind alle akribisch ausgegraben und beschriftet. Der Teil der Route, welcher durch den Wald führt, ist von Brombeersträuchern gesäumt, aber für den Teil, der über die Wiese führt, sollte man reichlich Wasser und etwas Proviant für ein kleines Stärkungspicknick mitnehmen. Jamon natürlich, was denn sonst in Spanien? Zusammen mit einer Tortilla Espanola und spanischen Oliven ist Jamon auch das perfekte Souvenir, um einen Wanderurlaub in Madrid zu Hause noch etwas nachwirken zu lassen.

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