Architekturprojekte, rund um den ganzen Erdball

Eine Fachausstellung, aus welcher jeder etwas lernen kann

Donnerstag, 16. Februar 2017

Professor Adrian Lăcătuş, Dekan der Fakultät für Sprachwissenschaften und des multikulturellen Zentrums, Kulturassistentin Flaviana Enache vom Deutschen Kulturzentrum Kronstadt, (halb verdeckt, Architekt Johannes Bertleff, Vorsitzender der Filiale Kronstadt der Rumänischen Architektenkammer und Kuratorin der Ausstellung, Romana Schneider bei einem Rundgang, vor der Eröffnung der Ausstellung.
Foto: der Verfasser

„Auslandsbeziehungen – Junge Architekten aus Deutschland“ nennt sich die in der vergangenen Woche eröffnete Ausstellung in der „Sergiu Chiriacescu“-Aula der Kronstädter Transilvania- Universität. Sie ist ein ifa-Werk in Zusammenarbeit mit der Bundesarchitektenkammer und wurde von Kuratorin Romana Schneider 2008, für den 23. Weltkongress der International Union of Architects, in Turin zusammengestellt.

Seit damals konnte sie in vielen europäischen Ländern, aber auch in Asien und Afrika besichtigt werden. Nun kann sie auch in Kronstadt bis zum 20. März besichtigt werden. Sie wurde über das Deutsche Kulturzentrum, auf Anregung von Leiterin Roxana Florescu, durch Kulturassistentin Flaviana Enache in dem Foyer der Aula eingerichtet.

Worum handelt es sich dabei? Erstens ist es keine Ausstellung über neue deutsche Architektur, sondern über Architekturprojekte, welche von in Deutschland arbeitenden Architekten realisiert wurden. „Junge Architekten“ bedeutet in diesem Fall ein Höchstalter von 45 Jahren um in die Auswahl der Jury zu kommen, wobei es in dieser Branche in Deutschland üblich ist, dass Architekten eher erst ab 40 Jahre eigene Projekte umsetzen können. Die in der Ausstellung vertretenen Architekten gehören demnach zu einer Minderheit von etwa 5 Prozent, die Projekte übernehmen, welche nicht in Deutschland umgesetzt werden.

Diese Besonderheit stellt das zweite wichtige Merkmal der Ausstellung dar, da sich die Architekten auf lokale Gegebenheiten einstellen mussten, in schon vorhandene Komplexe einfügen oder gar an strenge stilistische oder finanzielle Auflagen des Auftraggebers halten mussten. Die Auswahl in der Ausstellung umfasst alle Bereiche, in denen Architekten tätig sind: Hochbau, Innenarchitektur, Neubau, Wiederaufbau und Landschaftsarchitektur. Als Besonderheit sind auch zwei Projekte erfasst, welche nicht als Stadtplanung, sondern als Stadtumplanung bezeichnet werden (Autoren: Planwerk/plan&werk). Es handelt sich dabei um zwei Pilotprojekte, welche 2002 begonnen wurden und zwar in Klausenburg und Hermannstadt, die als Hauptziel Strategien zur Verbesserung postsozialistischer Strukturen hatten. Die beiden Projekte setzen sich von den restlichen auch dadurch ab, dass an ihnen auch einheimische, also rumänische Studenten der Architektur und lokale Stadtplaner nebst natürlich den beiden Stadtverwaltungen beteiligt waren. Die Aufgabe, geerbte Strukturen so umzugestalten, dass uninteressante Stadtbereiche wieder attraktiv werden, bzw. verkehrstechnisch heutigen Anforderungen gerecht werden, kann etappenweise – wie bei allen anderen Projekten auch – auf einem in die Ausstellungsmodule eingebauten Monitor verfolgt werden.

Für den erwähnten Bereich neuer Hochbau oder Bürobau steht ein Projekt in den USA, wo in einem Gewerbegebiet ein Hauptsitz entworfen wurde, der optisch den Besitzer, eine Firma für schwere Maschinen, darstellt, gleichzeitig aber auch typisch amerikanischen Vorstellungen entspricht.

Für Wohnungsbau stehen gleich drei Projekte auf drei Kontinenten: Amsterdam in Europa mit strengen Bauvorgaben, Taichung auf Taiwan mit der ausdrücklichen Auflage der Abtrennung von der lauten und trubeligen Nachbarschaft und Santiago de Chile in Lateinamerika auf einem großzügigen Grundstück mit Low-Budget Auflage.

Als typisches Wiederaufbauprojekt wird die umfassende Kampagne vorgestellt, welche ein Stadtviertel von New Orleans betraf. Die Kampagne umfasste eine Sponsorenanwerbung und auch eine Studie der Ortskultur mit Einzug der Wohngepflogenheiten, woraus architektonische Vorgaben hervorgingen. Entworfen wurde ein Niedrigpreishaus welches für einkommensschwache Familien, die durch den Hurrikan Katrina 2005 alles verloren hatten, bestimmt war.

Doch nicht nur durch Katastrophen zerstörte Wohngebiete im Stadtbereich fordern Architekten, sondern auch der technologische Wandel. Stellvertretend für Projekte solcher Art steht der totale Umbau eines Wolllagers in Manchester zu einem gastronomischen Anziehungspunkt in einem denkmalgeschützten Gebäude und Viertel. Ein von Innenarchitekten durchgeführtes Projekt mit experimentellem Charakter, welches viel Spielraum für kreative Lösungen ermöglichte.

So gut wie keinen kreativen Spielraum hatten die Architekten des Umbauprojektes in der Hauptstadt Kasachstans Astana, wo die technischen Vorgaben und logistische Probleme zu berücksichtigen waren.

In ähnliche Richtung, d.h. sich an vorhandenen Bauelementen anpassen, gehen auch drei andere Projekte und zwar eine Kongresshalle in Zell am See in Österreich, dem Ferry Porsche Center, die Lauder Business School in Wien, wo eine Verbindung zwischen Alt und Neu hergestellt werden musste und ein Erweiterungsbau in der Schweiz an zwei Kantonsschulen.
Vertreten sind in der Ausstellung auch besondere architektonische Aufgaben wie die Gestaltung – diesmal ohne Budgetvorgaben – einer Etage in einem Luxushotel in Madrid, für welche als Baustoff Edelstahl gewählt wurde, um ein besonderes Raumkontinuum zu schaffen.

Ebenso war bei einem anderen Projekt in der Schweiz Einfallsreichtum gefragt, als ein herkömmlicher Transportcontainer zu einem mobilen Ausstellungsraum umgebaut wurde, welcher auch noch allen Sicherheitskriterien für wertvolle Kunstobjekte entspricht.

Das mit Abstand spektakulärste Projekt, welches in der Ausstellung vorgestellt wird, bleibt der Landschaftspark des Geschichtsmuseums in Hangzou, China. Hier wurde eine Anlage erschaffen,welche den Gebäudekomplex des Museums umgibt und den Besucher durch nachgestellte archäologische Ausgrabungsstätten auf das Innere vorbereitet und gleichzeitig durch die natürlich geschwungenen Formen das Gegenstück der strengen Linienführung der Gebäude darstellt.

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