Armenier und Rumänen: eine tausendjährige Beziehung

Ausstellung im Nationalen Bauernmuseum Bukarest

Donnerstag, 30. April 2015

Bei der Ausstellungseröffnung (v. l.): der Autor und Politiker Varujan Vosganian, der Erzbischof der armenischen Kirche in Rumänien, Datev Hagopian, der Botschafter Armeniens Hamlet Gasparian und der Direktor des Nationalen Bauernmuseums, Virgil Ştefan Niţulescu.

Am 24. April wurde in vielen Staaten der Erde des Völkermords an den Armeniern im Jahr 1915 gedacht. Aus diesem Anlass wurde im Saal „Irina Nicolau“ des Nationalen Bauernmuseums in Bukarest eine Ausstellung zur Geschichte der Armenier in Rumänien eröffnet.

Der Genozid an den Armeniern wurde während des Ersten Weltkrieges unter der jungtürkischen Regierung des Osmanischen Reiches verübt. Die Schätzungen der Todeszahlen liegen zwischen 300.000 und 1,5 Millionen Menschen.

Lange war dieses Verbrechen nicht als Völkermord anerkannt worden. Doch im Vorfeld des 100-jährigen Gedenkens bezogen etliche Parlamente und Staatsoberhäupter eindeutig Position. Auch wenn dabei zum Teil die historische Wahrheit nicht zu genau genommen wurde. So geißelte Papst Franziskus den Genozid an den Armeniern als den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Dem ist aber nicht ganz so. Der grausame Reigen der Völkermorde des 20. Jahrhunderts wurde vom Deutschen Reich eröffnet: 1904 ging General von Trotha gegen aufständische Herero und Nama in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia) vor.

Zwischen 75.000 und 95.000 Menschen fielen seinen vom Kaiser gebilligten Maßnahmen zum Opfer.
Weder hat die deutsche Regierung ihre Verantwortung für dieses Verbrechen anerkannt, noch anerkennt die türkische Regierung die Geschehnisse von 1915 als Völkermord. Reagierte sie schon immer verschnupft, wenn die Rede auf die Massaker an den Armeniern kam, spitzte sich die Situation im Vorfeld des Gedenkens weiter zu. So wurde sogar der türkische Botschafter aus Österreich abgezogen, nachdem das dortige Parlament in einer Gedenkproklamation von Völkermord sprach. Die türkische Regierung lehnt nach wie vor die Bezeichnung Völkermord und jede damit einhergehende politische und rechtliche Verantwortung strikt ab.

Das Thema ist also hochbrisant und birgt politischen Sprengstoff. Von der aufgeheizten internationalen Stimmung aber war bei der Eröffnung der Ausstellung im Bauernmuseum nichts zu spüren. Die Vernissage glich mehr einer Gedenkveranstaltung. Zwar fand der armenische Botschafter Hamlet Gasparian in seiner Eröffnungsrede auch scharfe Worte gegenüber der türkischen Position, nicht aber ohne die Hoffnung zu formulieren, dass die Türkei ihre Verantwortung anerkennt und ein neues Verhältnis zwischen Armeniern und Türken begründet werden könne.

Erste Zeichen sähe er schon, denn immer mehr türkische Intellektuelle, Geistliche und Journalisten würden sich des Themas annehmen und auf Aufarbeitung der Vergangenheit drängen. Gemeinsam mit dem ebenfalls bei der Ausstellungseröffnung gegenwärtigen Erzbischof der armenischen Kirche in Rumänien, Datev Hagopian, betonte der Botschafter die Dankbarkeit des armenischen Volkes gegenüber dem rumänischen Volk und der rumänischen Regierung. Denn diese war 1915 eine der ersten Regierungen, die Armeniern politisches Asyl gewährten und ihre Schwarzmeerhäfen für die Flüchtlinge öffnete.

Doch beginnt die Geschichte des Verhältnisses zwischen Rumänen und Armeniern nicht erst mit der Aufnahme der Flüchtlinge vor 100 Jahren. Seit mehr als einem Millennium leben Armenier in Rumänien. Die ersten gesicherten Erkenntnisse für armenische Niederlassungen datieren auf das Jahr 967; mit der Gründung von Gherla im 18. Jahrhundert gab es sogar eine prosperierende armenische Stadt auf dem heutigen Territorium Rumäniens. Aber auch jenseits dieses Zentrums armenischer Kultur finden sich viele armenische Einflüsse in der rumänischen Kultur und Gesellschaft. Nicht zuletzt Künstler wie Theodor Aman, Wissenschaftler wie Spiru Haret oder, noch in jüngster Zeit, Politiker wie Varujan Vosganian entstammen der Minderheit.

Nach den Ergebnissen der Volkszählung von 2011 leben derzeit nur noch 1361 Personen in Rumänien, die sich der armenischen Minderheit zuordnen. Die größten Gemeinschaften gibt es in Bukarest mit 656 und Konstanza mit 263 Personen.

Wer mehr über die Geschichte der Armenier in Rumänien erfahren will, dem sei der Besuch der Ausstellung „Istorisiri armene de la Ararat la Strada Armenească“ empfohlen. Neben Fotos von Andrea T²nase, die Einblicke in das aktuelle Leben der armenischen Minderheit geben, findet sich eine erlesene Auswahl an Dokumenten und Fotos aus der Vergangenheit. Gegenstände des täglichen Gebrauchs, aber auch religiöse Requisiten ergänzen das Bild. Bei vielen der Exponate handelt es sich um Leihgaben des Vereins des armenischen Museums in Bukarest.

Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Mai 2015 dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Sie wird flankiert von einem umfangreichen Kulturprogramm. So findet am 8. Mai um 18 Uhr die Präsentation des von Andrea Tănase herausgegebenen Bildbandes „Armenians in Romania. The Stories of the People Close to Us“ statt. Im Anschluss wird Florin Kevorkians Film „Armenopolis, suflet armenesc“ gezeigt. Höhepunkt der Veranstaltungen bildet der armenische Markt vom 22. bis zum 24. Mai, bei dem es auch einen Kaligrafie-Workshop für Kinder und zwei Filmvorführungen geben wird.

Kommentare zu diesem Artikel

ernst, 03.05 2015, 11:49
Warum unterschlagen Sie das ?
Die Herero beanspruchen Wiedergutmachung von Deutschland. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat das damalige Massaker als Völkermord verurteilt und sich bei der Volksgruppe im Namen Deutschlands entschuldigt. Finanzielle Entschädigung hat sie allerdings ausgeschlossen. Sie versprach bei ihrem Besuch in Namibia 2004 jedoch eine Fortsetzung der Wirtschaftshilfe. (APA/AP)

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