Arno Fischer Fotoausstellung

Eine Retrospektive auf das Werk eines der bedeutendsten deutschen Fotografen

Donnerstag, 18. Februar 2016

Bartha Árpád, Direktor des Kunstmuseums, Gitta Seiler, Fotografin, und Flaviana Enache vom Deutschen Kulturzentrum Kronstadt bei der Vernissage
Foto: Hans Butmaloiu

Ein Foto, das Geschichte machte: Riss in der Brandmauer, eine Aufnahme, die Anfang der 50-er Jahre in Berlin entstand und die Rückwand eines typischen Berliner Mietshauses zeigt.

Am 11. Februar wurde im Kunstmuseum Kronstadt eine neue Ausstellung eröffnet, welche einen Teil der vom Autor selbst zusammengestellten Sammlung dem Besucher vorstellt. Arno Fischer (1927-2011) studierte in Ost- und West-Berlin Bildhauerei und lebte nach 1953 in Ost-Berlin. 1954 begann er als Fotolaborant um später als Assistent und Oberassistent mit Lehrauftrag für Fotografie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee zu arbeiten. Während seiner Lehrtätigkeit in Leipzig, Dresden und Dortmund prägte er mehrere Generationen deutscher Fotografen in Ost und West.

Flaviana Enache, Kulturassistentin beim Deutschen Kulturzentrum Kronstadt, erklärte uns über die Ausstellung: „Wir suchen immer etwas Neues und konzentrieren uns auf Fotografie, weil es hier bei uns sehr viele Leute gibt, welche sich für gute Fotografie interessieren. Die Ausstellung wurde uns von dem Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart empfohlen und im Rahmen unserer langfristigen Zusammenarbeit ist es uns gelungen, diese Ausstellung nach Kronstadt zu bringen. Die Ausstellung hat ihren künstlerischen Wert, doch sie ist gleichzeitig auch ein geschichtlicher Bericht über Deutschland, seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis 2011, dem Jahr in welchem Arno Fischer verstarb.“

Über die Person von Arno Fischer berichtete uns sehr ausführlich seine ehemalige Studentin, Gitta Seiler, freiberufliche Fotografin und Dozentin an der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin.

„Arno Fischer war kein studierter Fotograf, er hat alles selbst gelernt und sich selbst beigebracht. Er hat die Kamera genommen und ist auf die Straße gegangen um zu fotografieren. Als er damit begonnenen hat, es war gleich nach dem Krieg, da fotografierten alle anderen Fotografen die Aufbruchstimmung, doch er hielt die Isolation, die Einsamkeit der Menschen fest. Er arbeitete etwa zehn Jahre an solchen Bildern, welche den Alltag Berlins in den Jahren festhalten und es sollte ein Band werden, eben „Situation Berlin“. Er machte Bilder in Ost und West und in dem Berlin der Jahre war die Atmosphäre bedrückend, was andere Fotografen nicht zeigen wollten. Diese Atmosphäre erfasste Arno Fischer hervorragend und um nur ein Beispiel zu geben: hier stehen wir vor seinem berühmten Foto mit dem Riss in der Brandmauer. Als sein Projekt endlich gereift war, begann man aber mit dem Mauerbau 1961 und der Fotoband wurde nicht mehr gedruckt. Die Politiker damals sagten Berlin ist keine „Situation“ mehr, also brauchen wir das nicht. Der „Riss in der Mauer“ war aber schon in irgend einer Zeitschrift in den USA abgedruckt worden und damit bekannt geworden. Er, Arno Fischer war bekannt geworden. Nach 1961 hörte er damit auf, Ost und West zu fotografieren und musste sich erstmals selbst neu definieren. (...)

Als Mensch war er sehr schüchtern, charismatisch und bescheiden. Er hielt sich immer im Hintergrund auf und pushte seine Studenten in den Vordergrund. Wenn ihn ein Galerist besuchte , so zeigte er diesem eher Arbeiten seiner Studenten als seine eigenen. (...) Das wichtigste, was ich von Arno Fischer gelernt habe, ist, meinen eigenen Weg zu finden“

Neben den Schwarz-Weiß-Arbeiten von Arno Fischer, Bilder, welche der Autor selbst noch zu Lebzeiten zu der eröffneten Fotoausstellung zusammengestellt hat, gibt es noch einen separaten Teil, der aus Polaroid-Aufnahmen besteht, welche seinen Garten zeigen. Zu deren Entstehung gab uns Gitta Seiler bereitwillig Auskunft: „Arno war von dieser Polaroid-Technik fasziniert! Er lebte zwar im Osten und die Technik kam aus dem Westen, aber im Unterschied zu vielen, durfte er oft reisen, er hatte dieses Privileg und konnte so an diese Technik herankommen. Als er mit Polaroid zu arbeiten angefangen hat, da lehrte er ja schon. Dieser Bereich, sein Garten und diese Bilder waren etwas Eigenes, sein Eigentum und mit Hilfe der Polaroid-Aufnahmen hat er begonnen seinen eigenen Garten – den ich übrigens selber öfters gesehen habe – einfach neu zu entdecken“
Die Ausstellung kann im Kunstmuseum, Rudolfsring Nr. 21/Bdul. Eroilor Nr. 21 bis zum 27. März besichtigt werden.

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