„Astronomie sollte in der Schule unterrichtet werden“

Temewarer Schülerin erhielt Bronzemedaille bei Olympiade

Mittwoch, 07. Mai 2014

Die ehemalige Lenauschülerin Paula Gherghinescu beteiligte sich vor Kurzem an der Astronomieolympiade.

Viel Arbeit, um in den Sternen zu lesen. Das macht die junge Temeswarer Astronomiebegeisterte Paula Gherghinescu. Schon seit ihrer Kindheit ist sie von der Wissenschaft der Himmelskörper fasziniert.

Wenn man das Schlafzimmer der 16-Jährigen betritt, taucht man sofort in eine besondere Welt ein. Die hellblau gestrichenen Wände hinterlassen den Eindruck eines klaren Himmels an einem Sommertag. Über ihrem Bett hängt das Sonnenstystem – Miniaturplaneten und die Sonne bewegen sich im leichten Luftzug des Zimmers. Das möchte Paula jeden Morgen, wenn sie aufwacht, als Erstes sehen. Ihr Einzelbett liegt am Fenster. Die dunkelblauen Vorhänge bieten einen nächtlichen Eindruck – Halbmonde und Sterne bedecken das undurchsichtige Material. Vor dem Fenster thront, jedoch nur als „Dekormobiliar“, mit ausgebreiteten Füßen, ein Teleskop. Durch das Fernrohr beobachtet Paula den Himmel an klaren, wolkenfreien Nächten auf dem Feld, fern von den Lichtern der Stadt. Von ihrem Fenster aus kann sie zumindest den nächsten Baum im Garten oder das Dach des Nachbarhauses beobachten. Die besondere Welt von Paula Gherghinescu dreht sich, wie die Planeten in der Galaxie, rund um das geheimnisvolle Weltall.

 

Unzählige Stunden mit Mathematik- und Physikübungen

Astronomie: Ein ungewöhnliches Hobby für ein Kind, mittlerweile für einen Teenager. Paula wirkt beim ersten Blick eher schüchtern und zurückhaltend, man muss sie bloß nach ihrer Leidenschaft fragen. Die Planeten, die Sonne, der Mond und die Sterne, darüber könnte sie stundenlang erzählen. Ihr dunkelblondes Haar ist in einem Zopf gebunden, dabei kommt das Gesicht besser zum Ausdruck, vor allem, wenn ihre braunen Augen diesen besonderen Funken bekommen, wenn sie über diese spannende „Welt“ erzählt. Vor Kurzem ist die ehemalige Lenauschülerin von der Astronomie- und Astrophysikolymiade in Kronstadt/Brasov zurückgekehrt. Und nicht mit leeren Händen – die schwere Arbeit während den unzähligen Stunden mit Mathematik- und Physikübungen hat sich ausgezahlt. Die Schülerin erhielt die Bronzemedaille seitens der Rumänischen Physikgesellschaft. Drei Proben musste sie bestehen. Erstens eine theoretische Probe, dann eine Beobachtungsprobe und am Ende eine Probe für die Bestimmung der Landesauswahl bei den internationalen Astronomiewettbewerben.

Dafür hat sie viel arbeiten müssen – etwa zwölf Stunden am Tag – sagt sie. „Während der Schulzeit teile ich mir die Zeit zwischen den Hausaufgaben für die Schule und der Extrarbeit für Astronomie“, sagt Paula. Doch das macht ihr nichts aus. Vor allem, da sie diese Aufgaben gerne löst. „Vor allem die Physikaufgaben“, sagt sie lächelnd. „Diese kann man dann auch tatsächlich anwenden und man kann sie auch mit Hilfe von verschiedenen Astrophysiktheorien überprüfen“, fährt Paula Gherghinescu fort.

 

Ambitionierte Zielsetzung: Landesauswahl für Senioren

Die Schülerin wollte unbedingt eine gute Leistung bei der diesjährigen Auflage der Olympiade schaffen. Dafür hatte sie eine zusätzliche Motivation. Sie wurde vor zwei Jahren bei der Landesphase der Astronomieolympiade gerade am Tag der Prüfung krank. Die Röteln brachen bei ihr nur wenige Augenblicke vor dem Prüfungsstart aus. Sie musste sofort die Prüfung verlassen und nach Hause fahren. „Ich wollte unbedingt in die Landesauswahl der Junioren geraten, das war damals meine letzte Chance. Nun ziele ich auf die Landesauswahl für Senioren hin – dieses Jahr schaffte ich es nicht, aber im kommenden Jahr kriege ich das noch hin“, sagt die junge Astronomiebegeisterte überzeugt.

Die Leidenschaft für Sterne entwickelte Paula schon als Kleinkind. „Ich war vier Jahre alt, als mir mein Vater verschiedene Dokumentarfilme im Fernsehen über Astronomie zeigte. Die Kinder im Kindergarten lachten und glaubten mir nicht, als ich sagte, dass die Welt eine Kugel ist und sie sich um die Sonne dreht“, erinnert sich die 16-Jährige. Erst, nachdem sie zu lesen anfing, informierte sie sich mehr über diese astronomischen Phänomene. In der vierten Klasse bekam sie zu Weihnachten das viel gewünschte Fernrohr.

 

Amateurastronomie – als Hobby weit verbreitet

Da sie ihrer Leidenschaft näher rücken wollte, wechselte sie in der neunten Klasse auch die Schule. Nach acht Jahren an der deutschen Nikolaus-Lenau-Schule besucht sie nun das Grigore-Moisil-Informatiklyzeum, wo eine Physiklehrerin sie auch in Astronomie betreut. Seit einigen Jahren leitet ihre jetzige Klassenlehrerin ihre Schritte in die Astronomie, sodass die Zehntklässlerin nun komplizierte Mathematik- und Physikaufgaben lösen kann. Die meiste Zeit aber übt sie alleine.

Obwohl Astronomie nur an wenigen Schulen weltweit ein Unterrichtsfach ist, erfreuen sich diese Wissenschaft und ihre Forschungsergebnisse eines großen Interesses seitens der Öffentlichkeit. Als Amateurastronomie ist sie ein weit verbreitetes Hobby. „In Rumänien gibt es jedoch nur wenige Leute, die von Astronomie begeistert sind. Grund dafür ist wahrscheinlich der schwache Zugang an Informationen. Ich finde, es wäre wichtig gewesen, diese Wissenschaft in der Schule zu studieren. Es ist wichtig, zu verstehen, wie unsere Welt funktioniert und auch nach einem Verständnis des Universums als Ganzes, seiner Entstehung und seines Aufbaus zu streben“, sagt Paula. „Schade, dass man Astronomie nicht allen Kindern zugänglich macht“, schließt sie.

 

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