Athen im August

Abkühlung in den klimatisierten Museen

Freitag, 12. Oktober 2012

Akropolis: Die Karyatiden am Erechtheion.

Der Sitz des griechischen Parlaments am Syntagma-Platz.

Hohe Palmen beim Haupteingang zum Nationalgarten.

Die goldene Totenmaske des Agamemnon (Archäologisches Nationalmuseum)
Fotos: Ralf Sudrigian

Dieser August war auch in Athen ein heißer Monat. Wer unter den Athenern – als Großraum zählt die griechische Hauptstadt rund 4,5 Millionen Einwohner, das eigentliche Zentrum, ohne den Hafen Piräus, hat fast 750.000 Einwohner – es sich leisten konnte, und das sind doch viele, heißt es, verlässt im Urlaubsmonat die Metropole zugunsten der Ferienwohnungen in den Bergen oder eines Aufenthaltes auf einer der zahlreichen Inseln des Landes.

Touristen aus aller Welt besuchen Griechenland, trotz Hitze und trotz andauernder Krise. Im Vorjahr waren es gut über 15 Millionen, was der durch die Staatsschulden stark gebeutelten Wirtschaft des Landes nur gut tun kann, denn touristische Dienstleistungen sind eine Haupteinnahmequelle für Griechenland, wo die Industrie nur eine nebensächliche Rolle spielt.

Sorgen wegen Krise
 

Die hohe Staatsverschuldung, das plötzlich fehlende Geld im Staatshaushalt hat die Griechen mächtig überrascht. Diese Meinung bekomme ich von mehreren Seiten zu hören: Eine griechische Reiseführerin spricht über die allgemeine Verwunderung der Öffentlichkeit: „Wo ist das Geld geblieben?“ Die Politiker zucken mit den Schultern. Die Griechen sind empört über ihre Führer, die keinen anderen Ausweg wissen als Aufrufe zum Sparen und Kürzen von Löhnen, Renten, Kosten. 

Neuwahlen stehen an und fast würde man glauben, dass inzwischen die Spitzenpolitiker eher bemitleidet als zur Verantwortung gezogen werden sollten. Rumänen, die nach wie vor in Griechenland arbeiten, da selbst ein „Krisenlohn“ im Balkanland weiterhin weit über dem rumänischen Durchschnittslohn liegt, sprechen von den neuen und unbekannten Herausforderungen, vor denen nun die Griechen stehen und die die Zukunft recht düster erscheinen lassen.

Selbst im Tourismus wird gespart – für die Reiseführerin eher ein Zeichen der Hilflosigkeit und nicht der Effizienz. Reduzierte Öffnungszeiten in den meisten staatlichen Museen und weniger Personal soll Geld einsparen – aber fallen dabei nicht auch viele Besucher und somit Einnahmen weg?

Akropolis und erstrangige Museen

Am Vormittag die Akropolis besuchen und am Mittag in einem Museum verweilen, scheint die  Überlegung vieler Touristen und Reisegruppen zu sein. Denn bei Temperaturen um 35-36 Grad Celsius sucht man eher Schatten und Erfrischung, als Tempelruinen und Statuen zu bewundern oder den Erklärungen der Reiseführer zu folgen. Um die Mittags- und frühe Nachmittagszeit ist in Griechenland (allerdings weniger in Athen) nicht viel los. Geschäfte, Banken und Behörden schließen für eine verlängerte Mittagspause, die vielen sehr willkommen ist; dafür gibt es oft Öffnungszeiten bis in die späten Abendstunden.

Wer von Athen nicht viel weiß und auf eigene Faust die Sehenswürdigkeiten der Stadt erkunden will, kann das Angebot der Stadtrundfahrten mit einem offenen Doppeldeckerbus wahrnehmen. Es funktioniert nach dem Prinzip „Hop On & Hop Off“. Für 18 Euro kann man eine Fahrkarte für eine 90-Minuten-Stadtrundfahrt erwerben. Die Fahrkarte ist 24 Stunden lang gültig. Der Fahrgast kann bei jeder der 15 Stationen aus- und einsteigen. Per Kopfhörer erhält man Erklärungen in elf Sprachen, die auf Geschichte, Sehenswürdigkeiten und den Athener Alltag hinweisen.

Die Busse verkehren im 30-Minuten-Takt von April bis Oktober zwischen 9 und 21 Uhr, in der Winterzeit bis 18.30 Uhr. Für 22 Euro umfasst das Angebot zusätzliche 70 Minuten und 12 Stationen für eine Rundfahrt, die auch den Hafen von Piräus einschließt, wofür man bei der Akropolis-Haltestelle auf einen der Busse der „Blauen Route“ umsteigt.

Der Eintritt zur Besichtigung der Akropolis kostet 12 Euro. Mit der Karte kann man aber auch weitere Museen im Umfeld besichtigen (nicht aber das Neue Akropolis-Museum) – ein Detail, das den meisten leider unbekannt bleibt, weil nicht extra darauf hingewiesen wird. Der Eingang zur „Oberen Stadt“, wie sinngemäß Akropolis aus dem Griechischen übersetzt wird, erfolgt durch die Propyläen. Zusammen mit dem Parthenon, dem Nike-Tempel und dem Erechtheion sind sie weltbekannte Symbole der griechischen Klassik, im fünften Jahrhundert v. Chr. errichtet, als Athen unter Perikles an den Höhepunkt seiner kulturellen und politischen Macht gelangt war.

Die Akropolis ist Teil des Weltkulturerbes und gilt den Griechen als heilige Stätte, sodass da kein Steinchen weggenommen werden darf, kein Schmutz hinterlassen, und selbst unangemessene Fotos nicht zugelassen werden.
Das Archäologische Nationalmuseum, eines der renommiertesten Museen über griechische Antike in der Welt, hat Abteilungen für die prähistorische Zeit, für Skulptur, Keramik, Bronzearbeiten und eine Sammlung alter ägyptischer Artefakte und Kunstgegenstände. Bis April 2013 zeigt das Museum eine Sonderausstellung über das Antikythera Schiffswrack.

Dieses Wrack wurde zufällig Anfang des vorigen Jahrhunderts von Schwammtauchern entdeckt. Es war praktisch die erste gelungene Aktion von Unterwasser-Archäologie. Das Schiff war in der Zeitspanne 60 bis 50 vor Chr. bei der Insel Antikythera, nahe von Kreta, gesunken. Es beinhaltete kostbare Fracht – Statuen aus Bronze und Marmor, Schmuck, Keramik und eine astronomische Rechenmaschine mit Zahnradmechanismus,  die zum Teil bereits drei Jahrhunderte älter war. Offenbar Kunsthandel mit Italien, wohin das Schiff segeln sollte.

Ein weiteres, empfehlenswertes Museum ist das Benaki-Museum, nicht weit entfernt vom Syntagma-Platz, wo sich auch das griechische Parlament befindet. In diesem Museum ist vor allem die byzantinische Sammlung sehenswert, wie auch die zahlreichen Volkstrachten aus den verschiedenen Regionen und Inselgruppen Griechenlands und die Nachstellung von Innenräumen der Wohnungen vor allem wohlhabender Bürger aus dem 18. und 19. Jahrhundert. In beiden Museen kann ohne Restriktion und ohne Sondergebühr fotografiert werden (ohne Blitzlicht).

Nationalgarten und Panathinaikon-Stadion

Gegenüber dem Benaki-Museum, auf der anderen Seite des Königin Sofia-Boulevards, liegt der Nationalgarten. Da gibt es auch Abkühlung, nicht dank Klimaanlagen wie in den Museen, sondern dank der schattigen Alleen. Der Park umfasst eine Fläche von 154.000 Quadratmetern und entstand Mitte des 19. Jahrhunderts auf den freien Flächen nahe der Residenz der griechischen Könige Otto und Amalia. Auch hier zirpen ununterbrochen die Zikaden; man kann sogar Schildkröten begegnen, die langsam auf den Alleen von einem Teich zum anderen unterwegs sind.

In der Nähe des Parks liegt eines der bekanntesten Stadien: das Panathinaikon. Es wurde errichtet mit Unterstützung der Mäzene Evangelos Zappas (der seinen Reichtum in den rumänischen Fürstentümern erwerben konnte) und Georgios Averoff, um 1896 die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit abhalten zu können. Der Standort ist nicht zufällig gewählt worden – hier, ein Kilometer östlich von der Akropolis, gab es in einer Mulde bereits im dritten Jahrhundert v.Chr. ein Stadion, wo jährlich die Panathenäischen Spiele abgehalten wurden. Unter Hadrian, in der Zeit der römischen Herrschaft, erlangte das Stadion sein heutiges hufeisenförmiges Aussehen mit Marmortribünen.

Griechenland bleibt vorläufig weiterhin ein beliebtes Reiseland, obwohl es inzwischen eher als Krisenland in den Medien vorgestellt wird. Die illustren Vorfahren helfen ihren in Bedrängnis geratenen Nachkommen auch Jahrtausende nach ihrem Tod: durch das einmalige in Kunst, Wissenschaft und Politik hinterlassene Erbe – eine der Grundlagen des weltweiten Griechenland-Tourismus.

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