Auch gegenwärtig als Stabilitätsfaktor geschätzt

Am Rande der Ausstellung „Die deutsche Minderheit in Rumänien. Geschichte und Gegenwart im vereinten Europa“ anlässlich des 25. Jubiläums des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien notiert

Sonntag, 29. März 2015

An der Eröffnung der Ausstellung im Brukenthal-Museum beteiligten sich Staatspräsident Klaus Johannis und Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier die vom Vorsitzendenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Dr. Paul-Jürgen Porr, herzlich begrüßt wurden.

Ovidiu Ganţ, DFDR-Abgeordneter im Parlament, Vasile Dâncu, ehemaliger Minister des Departements für nationale Minderheiten, der Sportkommentator Cristian Ţopescu, als erster Kirchenburgen-Botschafter von der Evangelischen Kirche A.B. ernannt, bei der Vernissage (v.l.n.r.).

Ein Bild auch der Farbenpracht boten die Rosmarein-Tanzgruppe aus Temeswar und die Enzian-Formation aus Reschitza

Die Gastgeberstadt der Festveranstaltung zum 25-jährigen Jubiläum des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien war durch die Tanzgruppe der Brukenthalschule vertreten.
Fotos: Dieter Drotleff

Die Gründung des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien und seiner regionalen und lokalen Strukturen in den ersten Januartagen 1990 legte den Grundstein  für einen landesweiten Verband,  der das politische Engagement der Deutschen in Rumänien durch sozial-, wirtschafts- und kulturfördernde  Maßnahmen koordiniert. Die vielseitigen Tätigkeiten der deutschen Minderheit haben sich seither ständig weiter entwickelt. Obwohl heute in Rumänien nur noch rund 40.000 Angehörige der deutschen Minderheit leben – bedenkt man, dass es vor dem Zweiten Weltkrieg 800.000 waren –, stellt diese Minderheit heute trotzdem einen Stabilitätsfaktor dar.

„Die Bedeutung der deutschen Minderheit für Rumänien wie für Deutschland ist weiterhin groß, auch wenn die Zahl ihrer Angehörigen geringer geworden ist. Die deutsche Minderheit ist heute aktiver Teil  des politischen und gesellschaftlichen Lebens in ganz Rumänien“, unterstreicht Werner Hans Lauk, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Rumänien, in seinem Grußwort zu dem  Jubiläumsband, der der Ausstellung „Die deutsche Minderheit in Rumänien. Geschichte und Gegenwart im vereinten Europa“ gewidmet worden ist, und vom Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien anlässlich seines 25-jährigen Bestehens und der Deutschen Botschaft Bukarest herausgebracht worden ist.

Dr. Paul-Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), betont einleitend zu dem Katalog, dass die deutsche Minderheit  nur noch eine Katalysatorenfunktion wahrnehmen kann „und diese nimmt sie tatsächlich wahr, sowohl in der Lokalpolitik  Rumäniens und nicht nur, aber auch als Mittler zwischen Rumänien und Deutschland“. Das Logo der Ausstellung, eine stilisierte Brücke, soll diese Brückenfunktion unterstreichen.

Zwei Hauptpunkte standen im Programm der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen  des DFDR, die am 9. März in Hermannstadt stattfanden: die Vernissage der Ausstellung im Brukenthal-Museum und die anschließende Festveranstaltung im Thalia-Saal. Vertreter der Forumsstrukturen aus dem ganzen Land, in- und ausländische Politiker  begrüßten aufs herzlichste die beiden Ehrengäste bei der Eröffnung der Ausstellung: Klaus Johannis, ehemaliger Vorsitzender der DFDR und seit dem 21. Dezember vereidigter Staatspräsident Rumäniens, und den bundesdeutschen Außenminister Frank Walter Steinmeier.

Dr. Paul-Jürgen Porr hieß die beiden hochrangigen Vertreter Rumäniens und Deutschlands herzlich willkommen und unterstrich die immer wieder erwiesene Loyalität unserer Minderheit gegenüber der Mehrheitsbevölkerung und den anderen  Ethnien. Außenminister Steinmeier zeigte sich beeindruckt von der Ausstellung, die auf alle Aspekte der über 850-jährigen Geschichte der deutschen Minderheit in diesem Lande eingeht.

Diese soll in mehreren rumänischen Städten wie auch in Deutschland gezeigt werden. Auch erinnerte er an seinen ersten Besuch in Hermannstadt im Vorfeld zweier wichtiger Ereignisse am 31. Dezember 2006: Rumänien wurde ab 1. Januar 2007 in die Europäische Union aufgenommen, Hermannstadt war ab gleichem Termin zur Kulturhauptstadt Europas ernannt worden. Staatspräsident Klaus Johannis gratulierte den Vertretern des Forums anlässlich dieses Jubiläums, den Organisatoren der Ausstellung und begrüßte seinerseits die zahlreichen in- und ausländischen Gäste, die da eingetroffen waren. Nach Besichtigung der Ausstellung waren auch viele anerkennende Worte über diese zu vermerken. Das Konzept und die Texte, die auch in dem Ausstellungskatalog ihren Niederschlag finden, stammen von der Dipl.-Kulturwirtin Andrea Haidu und dem Kunsthistoriker Frank-Thomas Ziegler.

Koordiniert wurde das Projekt vom  Kulturreferat der Deutschen Botschaft. Initiator war der Abgeordnete des DFDR im rumänischen Parlament Ovidiu Ganţ. Das Projekt wurde von weiteren Vertretern der Deutschen Botschaft und des Landesforums beratend unterstützt und konnte so  erfolgreich abgeschlossen werden.

Der Besucher der Ausstellung, dem auch der inhaltsreiche Katalog als bleibende Dokumentation zur Verfügung gestellt wird, gewinnt somit einen Einblick in die über 850-jährige Geschichte dieser ersten deutschen Kolonisten in Siebenbürgen, später  folgten weitere in das  Banat, in Nordsiebenbürgen, in die Bukowina oder Dobrudscha, wo sie sich niederließen. Unterstrichen wird, dass die Pflege der deutschen Sprache und Kultur immer im Mittelpunkt stand, sodass auch diesbezüglich die deutsche Minderheit Rumäniens heute unter ihresgleichen aus anderen Ländern einzigartig dasteht. Sie konnte ihre Identität weiterhin beibehalten und fortführten, die in den ersten Nachkriegsjahren gegen sie gerichtete Maßnahmen überwinden. Allerdings führten deren Folgen zu der Aussiedlung, dem massiven Exodus nach 1990. Eine deutsche Minderheit wird es aber weiterhin im Lande geben und so lange wird auch das Forum bestehen, wurde des öfteren auch in den Ansprachen bei diesem Anlass betont.

Bundesaußenminister Steinmeier betonte, eine „faszinierende Ausstellung“ eröffnet zu haben, was voll unterstrichen werden kann. Hervorgehoben werden der Neubeginn und die Stabilisierung, die nach der politischen Wende eingetreten sind. Dazu hat das Landesforum und dessen Strukturen wesentlich beigetragen. Hinzu kamen die Unterstützung, die seitens der in Deutschland bestehenden Verbände der ausgesiedelten Bürger, die materielle Unterstützung, die beispielsweise vom Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen geboten wurde, die Gründung der Wirtschaftsstiftungen, die den Aufbau neuer Existenzen sicherten, die Unterstützung, die seitens der Bundesrepublik Deutschland durch die jährlich gebotenen Zuwendungen erwiesen werden. Die Pflege des deutschsprachigen Unterrichts, der Traditionen und Kultur, die Fürsorge für unsere Senioren, sind weitere Aspekte, die im Blickpunkt des Forums und der Kirche standen und stehen.

Neu gegründete Vereine und Stiftungen haben sich in diese Tätigkeiten eingeschaltet. Besondere Beachtung wird auch der Denkmalpflege, der Kirchenburgenlandschaft seitens der Evangelischen Kirche A.B. geschenkt. Deutsche Politiker, Vertreter des Forums äußerten sich  zu der wichtigen Rolle der deutschen Minderheit in diesem Lande, die, wie Frank Walter Steinmeier bei diesem Anlass wiederholt unterstrich, eine Bereicherung für das Land bedeutet. Durch den am 21. April 1992 unterzeichneten „Vertrag über freundschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft in Europa“ zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien wurde auch die Rolle der deutschen Minderheit als Brückenfunktion zwischen den beiden Ländern unterstrichen. 

Der Katalog zur Ausstellung, der zahlreiche Dokumente, ein reiches Bildmaterial umfasst, enthält auch mehrere Bezugnahmen auf Kronstadt, wie beispielsweise auf das gut organisierte Sachsentreffen, das 2011 stattgefunden hat, auf den Bach- und Jugendbachchor, auf die Musikveranstaltungen Musica Coronensis und Diletto Musicale, auf den Auftritt, den der Bachchor im Vorjahr im Bukarester Athenäum geboten hat, auf die Duale Berufsschule Kronstadt, die landesweit als positives Beispiel immer wieder angeführt wird, auf das Canzonetta-Ensemble, auf die Orgelbauwerkstatt von Honigberg, wie auch auf alte Wirtschaftstraditionen in der Stadt unter der Zinne, wie die Tuchfabrik Wilhelm Scherg u.a.

Auf die Rolle des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien  bezogen sich in ihren Ansprachen bei der Festveranstaltung im Hermannstädter Thalia-Saal Dr. Paul-Jürgen Porr, Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier, der rumänische Außenminister Bogdan Aurescu. Ein reiches Kulturprogramm, geboten von Formationen aus allen Landesgebieten, wo deutsche Angehörige leben, die Verleihung von Ehrenmedaillen seitens des Landesforums durch dessen Vorsitzenden Dr. Paul-Jürgen Porr an in- und ausländische Politiker, an leitende Forumsvertreter, an Leiter der Organisationen der anderen Minderheiten, die im Parlament repräsentiert sind, rundeten bestens diese Festlichkeiten anlässlich des 25-jährigen Bestehens des DFDR ab.

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