Auf der Donau ins „wilde“ Banat (15)

Die frühe Ansiedlungszeit der Banater Schwaben im Spiegel der Literatur/ Romane von Karl Wilhelm von Martini, Adam Müller-Guttenbrunn und Gerda von Kries

Mittwoch, 30. Januar 2019

Eine Station der Banater Rundreise von Graf Mercy im 18. Jahrhundert: Die Arader Kleinstadt Lippa mit dem Türkenbasar, dem wohl ältesten erhaltenen Bau der Stadt. Foto: Zoltán Pázmány

Doch dass Graf Mercy die Gemeinde Guttenbrunn besucht, liegt dem Erzähler besonders am Herzen, ist es doch sein Geburtsort. Was Wunder, dass da auch der Dorfrichter Luckhaup „dem Merzi“ begegnet:

Er bog ab, blieb auf dem Banater Ufer und fuhr von Lippa gradeaus nach Neuarad. Der Fluss war eingesäumt von armseligen walachischen Dörfern …

Mitten drin, stolz und groß, die deutsche Gemeinde mit denm guten Brunnen. So glücklich waren die Schwaben über diesen Besitz, dass sie ihr Dorf nach ihm benannten, es war eine der ersten Siedlungen. Und jetzt haben diese Franken, Pfälzer und Württemberger wieder Zuwachs aus dem Schwarzwald bekommen...

Die Pferde wurden beim großen Wirtshaus gewechselt, aber der Gouverneur wollte nicht halt machen; hier war ja alles in Ordnung. Da kam der Luckhaups Michel des Weges und schaute dem fremden Herren neugierig in die Augen. (AMG)

Das Schlusskapitel des Romans heißt bezeichnenderweise „Ernster Ausklang“ und wirft einen langen Schatten auf die jung aufstrebende Kulturlandschaft Banat: Die Pest-Seuche schlägt zum ersten Mal zu und rafft ungezählte Menschenleben dahin, „volkreiche Dörfer starben aus, ganze Gassen in Temeswar verödeten … und draußen in der Welt nannten sie das gepriesene Banat jetzt das Grab der Kolonisten“. (AMG) Der Roman endet trotzdem mit einem zuversichtlichen Ausblick auf die Fortführung des Kolonisationswerks der ersten Siedler im fernen Südosten des Habsburger- Reichs :

Neue Sendboten zogen ins Reich hinaus, neue Patente der jungen Kaiserin, die in schwerer Zeit den Thron bestiegen, wurden von allen Kanzeln verlesen, und der große Schwabenzug nach dem Osten setzte wieder ein. (AMG)

5. Gerda von Kries  (Freiburg 1901-1972)

5.1. Kurzbiographie der Autorin

Eine ereignisreiche Biographie zeichnet die Schriftstellerin Gerda von Kries aus. Zum Banat ist darin kein unmittelbarer Bezug zu erkennen. Angenommen werden darf, dass ihr eigenes Schicksal als Kriegsflüchtling aus dem Osten einerseits sowie die Geschichte der Hotzenwälder bzw. Hauensteiner andererseits, welche Ausläufer in ihre Geburtsstadt Freiburg und bis ins Banat hatte, den Anstoß zum Roman „Verena Enderlin“ gegeben hat. Die Autorin hat sich jedenfalls mit der  Auswanderungsgeschichte  bzw. Verbannung der Hauensteiner ins Banat um die Mitte des 18. Jahrhunderts intensiv beschäftigt und den betroffenen Menschen aus dem Südschwarzwald mit ihrem Prosawerk „Verena Enderlin. Wanderschaft und Heimkehr einer Hotzenwälderin“ (Heilbronn 1949) ein literarisches Denkmal gesetzt.

Schon als Schülerin – sie legte ihr Abitur 1920 an einem Realgymnasium ab – hat sie sich schriftstellerisch betätigt, wie es in einer Chronik der Familie von Kries nachzulesen ist. Darin  wird auch von der „Herkunft (…) aus dem westpreußischen Großgrundbesitz“ berichtet (Manfred von Kries). Der Vater der Schriftstellerin, Johannes von Kries, war  herausragender Professor für Physiologie an der Universität Freiburg.

Gerda von Kries studierte  evangelische Theologie und machte auch eine Ausbildung in der Säuglings- und Kinderpflege. Sie arbeitete als Missionarin in Ostafrika, kehrte wegen einer Erkrankung (Tropenkrankheit) zurück nach Deutschland, war tätig in der Inneren Mission und ging  mit ihrem Ehemann Richard Preuß um 1944 nach Westpreußen, ein Jahr später dann  auf die Flucht nach Westen vor der Roten Armee, wie Millionen Menschen aus den östlichen Reichsgebieten.

1942 hat sie ihr erstes Buch, den Roman über die aus Westpreußen stammende Familie von Kries unter dem Titel „Weichselwinde“ veröffentlicht. Nach dem Krieg galt der Romantitel als revanchistisch und musste auf Veranlassung der amerikanischen Militärregierung geändert werden. Unter dem Titel „Die Kronacker“ wurde dieser Roman schließlich zu ihrem bekanntesten Werk  in der Reihe ihrer zwischen 1942 und 1972 etwa fünfzig publizierten Büchern. Doch dem hier erörterten Roman  „Verena Enderlin“ wird in einer Rezension ein höherer literarischer Rang zugesprochen. In dieser Besprechung wird vermerkt, dass es  „ihr Erstlingswerk weit überragt und sie in die Reihe unserer großen Romanschriftsteller stellt“.(Netzseite Kries)

Ein großer Teil ihrer Publikationen waren Kinderbücher. Auch im Roman „Verena Enderlin“ wendet sich die Erzählerin den darin zahlreich auftretenden  Kindern, vor allem den hilfsbedürftigen und Waisen  mit  besonderer Aufmerksamkeit und Zuneigung zu.

5.2. Gerda von Kries´ Roman „Verena Enderlin“ ( Heilbronn 1949, Nachdruck      1996/München)

Das Romangeschehen rankt sich um das Schicksal der Hotzenwälderin  Verena Enderlin, die 1767 mit ihrer Familie aus dem Südschwarzwald ins Banat auswandert. Sie sieht für ihre Familie und für sich keinen anderen Ausweg aus der tiefen Armut und Not, die in ihrer sonst so wunderschönen Heimat herrschen. Mit ihrem Mann, dem „Hotzenbauern“ Josef Enderlin, und ihren vier Kindern sucht sie ihr Lebensglück im fernen Banat, in das so viele ihrer Landsleute Mitte des 18. Jh. ihre Hoffnung setzten.

Fortsetzung folgt

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