Auf der Donau ins „wilde“ Banat (2)

Die frühe Ansiedlungszeit der Banater Schwaben im Spiegel der Literatur/ Romane von Karl Wilhelm von Martini, Adam Müller-Guttenbrunn und Gerda von Kries

Dienstag, 25. September 2018

Einer der bedeutendsten Gründer: Claudius Florimund Graf Mercy (1666-1734) erster Präsident der Banater Landesadministration (1717-1734) Foto: privat

Innerhalb der „großen“, d.h. der spät-theresianischen Kolonisation im Banat bildeten die nach 1763 errichteten Ansiedlungen das „Kernstück“.(Josef Wolf) Es ging dabei um die Erschließung eines weiten Gebiets nordwestlich von Temeswar, das späterhin die „Banater Heide“ genannt wurde. Von 1763 bis 1772 sind 31 Siedlungen neu entstanden und 27 Siedlungen aus der karolinischen Zeit durch neue Zusiedlung erweitert worden.

Zu den Neugründungen zählten: Billed (1765/66), dann Hatzfeld, 1766, ein Jahr danach Lenauheim und Großjetscha, es folgten Grabatz (1768) und Bogarosch (1769). Eine geringere Anzahl von Familien wurden in den 1770 und 1771 gegründeten Ortschaften Kleinjetscha, Heufeld und Mastort (heute beide in Novi Kozarci), Marienfeld und Albrechtsflor (Teremia Mica). Die letzten in dieser Ansiedlungsphase 1772 errichteten banatschwäbischen Heidedörfer waren Gottlob, Triebswetter und Ostern.

Die Auswirkungen der massiven Ansiedlung in der Banater Ebene fasst Josef Wolf wie folgt zusammen:

Durch die Transformation der morastigen, von Viehzüchtern durchstreiften Ebene in eine ertragreiche kultivierte Landschaft entfaltete sie eine nachhaltige Wirkung auf die natürliche Umwelt. Im Unterschied zu den Ein- und Zusiedlungen in bestehende Orte der eingesessenen rumänischen und serbischen Bevölkerung während der karolinischen Ansiedlung ist es zu einer starken Durchdringung der bestehenden lockeren Siedlungskultur mit deutschen Dörfern gekommen. Diese wurden größtenteils in Gebieten mit geringer Bevölkerungsdichte und weiten Flächen unkultivierten Landes, die bisher der extensiven Viehzucht gedient hatten, als bäuerliche Siedlungen errichtet.

 

Diese knappe Beschreibung der essenziellen Wirkung deutscher Ansiedlung im Banat im 18. Jahrhundert enthält in sachlicher Form und in aller Kürze die von der

 

Heimatliteratur aufgegriffene Grundidee einer besonderen Kulturleistung. Diese wurde allerdings mit großen Opfern vollbracht und wird heute von den dortigen Geschichtsschreibern nicht selten klein gehalten.

 

2.2. Geschichtliche Grundlagen und Quellen der Romane

 

Wie die Regionalhistoriker hatten auch die Literaten das bereits zitierte Werk von Franz Griselini zur Kenntnis genommen. Martini bezieht sich in seinem Roman unmittelbar auf Griselinis Banat-Darstellung und erwähnt ferner Reisebeschreibungen als Quellen. Adam Müller-Guttenbrunn hat darüber hinaus für seinen Roman „Der große Schwabenzug“ nachweislich eine umfassende Geschichtsliteratur studiert, die über die Banater Schwaben bis Anfang des 20. Jahrhunderts erschienen war. Hinzu kamen seine umfangreichen Archivstudien in Wien. Bei diesen beiden Autoren spielten auch die Überlieferung in der Familie, die Jugendzeit im Banat und schließlich weitere Lebens-Stationen im Habsburgerreich eine wichtige Rolle. Als unmittelbare Zeitzeugnisse über die Banater Ansiedlung tauchen in den Romanhandlungen überdies immer wieder Briefe der Ansiedler auf, die ihren in der alten Heimat verbliebenen Landsleuten über Zustände, Geschehnisse und das eigene neue Leben im Banat berichteten. Ob es fingierte oder authentische Briefe sind, ist im Roman nicht so wichtig. Fest steht jedenfalls, dass in Archiven bewahrte Siedlerbriefe eine relevante Geschichtsquelle darstellen, was beispielsweise die Historikerin Marionela Wolf in ihren Forschungsbeiträgen nachgewiesen hat. (Josef Wolf)

Die Erzählerin Gerda von Kries bezieht überlieferte Zeitzeugenberichte der Auswanderer in ihren Roman mit ein. Sie stützt sich neben den geschichtlichen Daten zu den im Schwarzwald beheimateten Hauensteinern und deren Auswanderung oder Verbannung ins Banat auch auf Kirchenbücher. Im „Pfarrbuch zu Murg“ ist die Geschichte der Familie des Josef Enderlin anlässlich des Todes seiner Ehefrau in aller Kürze aufgeschrieben. Der Roman „Verena Enderlin“ beruht also auf einem nachweislich faktischen Grundgerüst. Die Autorin soll sich außerdem „zu eingehenden Studien für den Roman (…) mehrere Monate am Schauplatz der Handlung“  aufgehalten haben. (Josef Wolf)

 

  1. 3.     Karl Wilhelm Ritter von Martini (1821-1885):

„Pflanzer und Soldat. Bilder und Gestalten aus dem Banate“ (1854)

 

3.1. Kurzbiographie des Autors

Trotz eines vielfältigen schriftstellerischen und journalistischen Werkes ist Karl Wilhelm von Martini in Banater Kreisen fast unbekannt. Er wird aber als der „eigentliche Begründer der donauschwäbischen Literatur“ bezeichnet, und der Schriftsteller Heinrich Lauer bescheinigte ihm, dass er mit seinem Werk „ nicht nur zu einer Stammesliteratur beiträgt, sondern den Grundstein dazu legte, dass also die deutschen Ansiedler des Banats nach rund einhundert Jahren zu einem deutschen Neustamm geworden sind, den Banater Schwaben“. (Heinrich Lay)

Den bisher ausführlichsten Beitrag über Martinis Biographie ist dem rührigen Lugoscher Gymnasialprofessor und Lokalhistoriker Heinrich Lay zu verdanken. Er setzte sich mit seiner akribischen, auf schwer zugänglichen Quellen beruhenden Arbeit dafür ein, „ihn der Vergessenheit zu entreißen“, dies vor allem bei den Lugoschern selbst. (Heinrich Lay)

Mit Martinis Werk hat sich überraschender Weise ein bundesdeutscher Germanist eingehend befasst. Dr. Dieter Kessler, der in den 1970er Jahren an der Temeswarer Universität als Gastlektor für neuere deutsche Literatur tätig war und ein gutes Jahrzehnt danach eine fachlich fundierte Studie über das Werk unseres Schriftstellers veröffentlichte. (Dieter Kessler)

(Fortsetzung folgt)

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