Auf der Donau ins „wilde“ Banat ( 5 )

Die frühe Ansiedlungszeit der Banater Schwaben im Spiegel der Literatur/ Romane von Karl Wilhelm von Martini, Adam Müller-Guttenbrunn und Gerda von Kries

Freitag, 26. Oktober 2018

Die Türkeninsel Ada Kaleh: Der bestimmt malerischste Ort in der Handlung von Martinis Banat-Roman "Pflanzer und Soldat". Foto: privat

Der kritisch-ironische Blick auf das patrizische Leben, dem sich der blutjunge Hauptheld Martin durch seine Flucht ins Banat entzogen hat, zielt denn auch auf die biedermeierliche Gemütlichkeit und Selbstgenügsamkeit des rückwärtsgewandten Bürgers.

Das naturnahe Leben, der noch unverbildete Mensch wird zuweilen als Gegenbild zur gekünstelten, in Konvention befangenen Lebensform des wohlhabenden Stadtbürgertums dargestellt. Doch  der Erzähler bleibt nach beiden Seiten auf kritischer Distanz. Schon bei der Schilderung seiner frühen Banater Eindrücke findet er zu einem ironischen, humorvollen Erzählton und zu realistischer Betrachtung, wodurch der gängige Widerspruch zwischen dem Lob ländlicher Idylle und der Ablehnung städtischer Dekadenz vermieden bzw. relativiert  wird. Dieser erfrischende Erzählstil durchzieht das gesamte Romangeschehen, beginnend mit der Beschreibung der  überaus primitiven Lebensverhältnisse in einem Weiler serbischer Fischer und Hirten am Donau-Ufer  und den  Zuständen im „Castell“ eines verwahrlosten ungarischen Land-Adeligen, weiterführend durch das brodelnde Temeswar kurz nach der Eroberung durch Prinz Eugen und bis hin zum leicht karikierten Kasernenleben an der Militärgrenze bei Mehadia, den unterschwelligen Spannungen mit den operettenhaft noch immer präsenten osmanischen Rest-Truppen und schließlich verweilend bei den nicht selten aufflammenden  Konflikten des österreichischen Militärs mit den alteingesessenen rumänischen Hirten und Waldbauern in der Umgebung der Festung von Mehadia.

Die letztgenannten Ereignisse schildert Martini größtenteils im zweiten Band seines Romans.

Doch zurück zur ersten  Begegnung des Martin Initram mit Menschen und Landschaften des Banats am Ufer der Donau bei Perlas.

In der Fischer-Hütte machen sich die Naturburschen über den komischen Anblick des Fremden lustig -  „er trug Tricots, Strümpfe und Schnallenschuhe“  -  doch dank ihres stolzen  Anführers – man wird an die Indianerhäuptlinge der Karl-May-Geschichten erinnert – wendete sich das erste Abenteuer unseres Helden noch zum Guten, wenn auch nur für kurze Zeit:

 

Der Kreis der Dörfler öffnete sich zum Durchgang für einen Serben, welcher die hohen Männer vielleicht noch um eine halbe Kopfeslänge überragte und nun auf Martin angeschritten kam. Auch er lächelte, als er des Reichsstädters ansichtig wurde, zwang aber sogleich sein edles Broncegesicht in ernste Falten und bedeutete die Anwesenden mit einem herrischem Winken der Hand und des Hauptes, die Hütte zu räumen, und als man seinem Befehle nachgekommen, sprach er mit fremdartigem Accente: „Guten Abend, Herr!“

„Ah, Gott sei´s gedankt, ein Mensch der deutsch spricht“ - rief unser Martin (…) (Martini)

 

Die zweite Überraschung folgt sogleich: Der Serbenführer Infrem hatte bei den Österreichern gedient und lebt nun  mit seiner Sippe in der Nachbarschaft eines ungarischen Land-Adeligen, auf dessen Gut die Viehherden der Serben weiden dürfen. Als Gegenleistung hat Infrem jeden aufgegriffenen Fremden zum „Castell“ des Ungarn zu bringen. So geschieht  es auch diesmal.

Der Ritt zum Gutsherrn durch die Banater Einöde ist niederschmetternd für Martin Initram:

Überdies war die Gegend, einige verzwergte Weidenstämme abgerechnet, baumlos, und da sie des einzigen Schmuckes weit aufgerollter Flachländer entblößt war, da ihr die Narben des Pflugeisens, die Schutzgehege der Gartenfrucht, da ihr Häuser und Menschen, Thürme und Glocken fehlten, so wird es sicherlich niemand unserm jungen Freunde verübeln, wenn er sich in so schauerlicher Verlassenheit etwas ängstlich und beklommen fühlte und höchlich den Edelmann anstaunte, der in einem so traurigen und trostlosen Landstrich ein Castell gebaut. Ja, lieber Leser, traurig und trostlos war das Banat vor hundert Jahren (also um 1750, Anm. W.E.), und giftig das  Wasser, giftig die Luft, verderbt durch jenes die Erde; dafür aber ´unvergiftet von der Cultur des Westens!´ -  Und das ist ja für die ´urwüchsigen Südslaven´nicht Etwas, sondern Viel, sondern Alles! (Martini)

 

Fortsetzung folgt

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*