Auf der Grundlage der Europa-Strategie 2020 aufgebaut

Perspektiven der acht rumänischen Entwicklungsregionen bis Ende der laufenden Finanzierungsperiode

Donnerstag, 10. Juli 2014

Die acht Entwicklungsregionen im Landesgebiet

Der Flughafen von Kronstadt bei Weidenbach ist als wichtiges Infrastruktur-Projekt noch in der Anfangsphase.
Foto: Hans Butmaloiu

Im November vergangenen Jahres wurde der Haushalt der Europäischen Union für die Zeitspanne 2014 – 2020 bekannt gegeben. Dieser umfasst 960 Milliarden Euro, davon wird Rumänien 39,3 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Das sind um 17 Prozent mehr als in der vergangenen Finanzierungsperiode 2007 – 2013. Die acht bestehenden Entwicklungsregionen des Landes haben  im Vorfeld auch ihre diesbezüglichen Strategien bis Ende des Jahres 2020 zur öffentlichen Debatte gestellt. Die vorgesehenen Maßnahmen für diese Zeitspanne bauen auf die Europa-Strategie 2020 und sehen bestimmte Grundsätze vor: Eine Beschäftigungsrate von 70 Prozent für die Bevölkerung im Alter zwischen 20 bis 64 Jahren; zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes als Investition im Bereich der Forschung und Entwicklung zu sichern; 24 Prozent der erzeugten Energie soll aus wiederverwertbaren Quellen kommen; die Steigerung der energetischen Effizienz um 19 Prozent, die Senkung des frühzeitigen Schulabbruchs unter 11,3 Prozent und die landesweite Senkung der Anzahl von Personen, die noch unter der Armutsgrenze leben, durch soziale Maßnahmen um 580.000.

Die acht Entwicklungsregionen des Landes – Nordosten, Südosten, Süd, Bukarest/Ilfov, Südwesten, Westen, Nordwesten, Zentrum – werden zum Großteil mit gleichen Problemen wie Arbeitslosigkeit, Armut, schwache Qualität der medizinischen Dienstleistungen, Mängel im Bildungswesen, Migration, geringe Investitionen, schlechte Straßeninfrastruktur, mangelhafte Trinkwasser- und Kanalisationsnetze konfrontiert. Anderseits sehen auch die vorgesehenen Vorhaben dieser Regionen viele gemeinsame Projekte vor, wie Investitionen in die Infrastruktur, Umweltschutz, wiederverwertbare Energien, Gesundheitswesen u. a. Als am besten entwickelte Regionen werden Bukarest/Ilfov und die Region Westen eingeschätzt, am schlechtesten die Region Nordosten.

Das Jahr 2020 ist der Endtermin für die mittelfristige Entwicklungsstrategie der Europäischen Union, deren Ziel es ist, die regionalen Wirtschaften in kompetente, dauerhafte und intelligente Partner umzugestalten. Deshalb werden die Akzente bei den festgelegten Projekten auf die enge Zusammenarbeit zwischen den europäischen Institutionen und den jeweiligen nationalen Behörden gelegt. Diese Voraussetzungen sollen dazu führen, dass man im Jahre 2020 in einem moderneren und zivilisierten Rumänien, mit einer guten Verkehrsinfrastruktur sowie gleichen Bedingungen am Dorf und in der Stadt lebt. Zwar erhole sich auch Europa relativ schwer nach der großen Wirtschaftskrise der letzten Jahre, doch seien die gesteckten Ziele nicht zu hoch, heißt es aus Brüssel. Aber die wichtigste Rolle fällt dabei den nationalen und regionalen Behörden bei der Ausarbeitung der Projekte zu. Viele Finanzierungen, die auf regionaler Ebene hätten erzielt werden können, wurden abgewiesen, weil die eingereichten Anträge nicht entsprechend ausgearbeitet und argumentiert gewesen sind.

Ein Blick auf die Prioritäten einiger dieser Entwicklungsregionen ist sicher bezeichnend. Beispielweise ist die Region Nordost, die sechs Landeskreise umfasst, flächenmäßig die größte, befindet sich aber bezüglich der Entwicklung an letzter Stelle landesweit und an vorletzter Stelle unter den Regionen Europas, was das Bruttoinlandsprodukt betrifft. Die hier ausgearbeitete Strategie bezieht sich vor allem auf die berufliche Ausbildung und Erziehung der Bevölkerung; das Gebiet soll attraktiver für Investoren, die Infrastruktur soll ausgebaut werden, da auch die bestehenden Straßen kaum modernisiert worden sind. Anderseits gibt es da drei Flughäfen – der bedeutendste in Jassy/Iaşi – die aber nur wenige internationale Verbindungen für Fluggäste und kaum für Fracht bieten. Hier gibt es gute Voraussetzungen für die Entwicklung des kulturellen und religiösen Tourismus, vor allem im Umfeld der Klöster in den Kreisen Jassy, Suceava und Neamţ. Auch soll Botoşani, als Kreisvorort und zur Zeit noch als abseits gelegene Stadt, zu einem dynamischen Zentrum gestaltet werden. Die Landwirtschaft des Kreises Vaslui eignet sich für weitere Zukunftsinvestitionen im Bereich.

Die Südost-Region umfasst ebenfalls sechs Kreisgebiete, die sich durch die Umschlaghäfen an der Donau und die Küste des Schwarzen Meeres besonderes für spezifische Investitionen im Bereich des Schiffbaus und -transports sowie im Tourismus an der Meeresküste eignen. Der Bau der Autobahn A2, die die Hauptstadt mit der Küste verbindet, die Modernisierung des Eisenbahnkorridors zwischen Bukarest und Konstanza/Constanţa, wirken sich positiv auf die zukünftige Entwicklung dieser Region aus. Noch ungenügend verwertet ist das Donaudelta, besonderes was den Tourismus betrifft.

Die beiden Entwicklungsregionen Süd und Südwest sind maßgeblich auf die Landwirtschaft orientiert. Doch gibt es auch da die Industriegebiete um Piteşti oder Craiova, die durch die hier angesiedelten Pkw-Werke Dacia bzw. Ford eine starke Entwicklung erfahren haben. Doch mangelt es trotzdem an einem Autobahnnetz, was von den Produzenten immer wieder beanstandet worden ist. Letzten Versprechungen seitens des zuständigen Ministers für Transportwesen zufolge, soll die Autobahn, die Piteşti mit Hermannstadt/Sibiu verbinden wird, doch gebaut werden und an die in Bau befindliche Autobahn zur westlichen Grenze des Landes angebunden werden. Weitere Autobahnen, die Kronstadt mit Hermannstadt, bzw. mit Bacău und Comarnic verbinden sollen, sind Projekte, die immer wieder eingeplant waren, doch nicht verwirklicht wurden. Der eingeleitete Bau des Flughafens von Kronstadt wird einen wichtigen Aufschwung für die Entwicklungsregion Zentrum bringen, in der besonders Hermannstadt und die Stadt unter der Zinne wichtige Standorte der ausländischen Investitionen wurden.
Bevorzugt wurden die beiden Entwicklungsregionen West und Nordwesten vor allem wegen der geografische Lage unmittelbar an der Grenze des Landes. Die da entwickelten Standorte ausländischer Investitionen hatten den Vorteil des nahen Anschlusses an die Autobahnen des Nachbarlandes und somit an Mittel- und Westeuropa. Ein weiterer Pluspunkt sind die da befindlichen Flughäfen von Temeswar, Arad und Großwardein/Oradea, die den Vertretern der ausländischen Firmen eine schnelle Verbindung zu den Mutterunternehmen sichern.

Die regionalen Planungen für die Zeitspanne 2014 – 2020 ziehen auch die öffentliche Lokalverwaltung in Betracht. Fortbildungen sind sozusagen lebenswichtig für die Beamten, um mit den Gegebenheiten westlicher Verwaltung vertraut gemacht zu werden. Die meisten der rumänischen Entwicklungsregionen befinden sich an der Grenze mit Gebieten der Nachbarländer, mit denen sie Erfahrungsaustausche durchführen und gemeinsame Projekte abwickeln. Wichtiger Faktor ist dabei auch die Versammlung der Regionen Europas, eine Organisation, die den Mitgliedsregionen nicht nur Beratung, sondern auch Unterstützung in der Verwirklichung ihrer Projekte bietet. Die Zeitspanne 2014 – 2020 ist von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung Rumäniens, um die Rückstände gegenüber anderen Ländern und Regionen aus der Europäischen Union zu vermindern und um den Lebensstandart zu steigern. Es bleibt zu hoffen, dass die angenommenen Strategien der acht Entwicklungsregionen den diesbezüglich richtigen Schritt darstellen.

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